Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.10.2018


Festspiele Erl

Causa Erl: „Bitte gebt uns den Maestro zurück“

Sieben Künstler und der interimistische Festspielchef bekundeten gestern ihre Solidarität mit dem abgesetzten Gustav Kuhn.

„Die Absetzung Kuhns als Dirigent kam in der momentan schwammigen Lage vollkommen verfrüht“, so Andreas Leisner.

© „Die Absetzung Kuhns als Dirigent kam in der momentan schwammigen Lage vollkommen verfrüht“, so Andreas Leisner.



Erl – Die vorläufige Absetzung Gustav Kuhns als Künstlerischer Leiter und Dirigent der Tiroler Festspiele Erl sei „in der momentan schwammigen Lage vollkommen verfrüht“ gewesen. Andreas Leisner, interimistischer Festspielchef, sparte gestern nicht mit Kritik am Stiftungsvorstand der Festspiele, der Präsident Hans Peter Haselsteiner, Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) und Jürgen Meindl, Leiter der Kunst- und Kultursektion im Bundeskanzleramt, angehören. Diese hätten mit der Beurlaubung Kuhns „ein falsches Signal“ gesetzt – und Vorverurteilung Vorschub geleistet. Seit den Landtagswahlen sei der „politische Druck auf den Stiftungsvorstand“ größer geworden, so Leisner, der weiterhin mit Kuhn als Dirigent der Winterfestspiele planen will.

Zuvor hatten sieben Künstler bzw. Festspielangestellte in einer Pressekonferenz im Erler Festspielhaus dem beurlaubten Maestro Rosen gestreut. Kuhn sei in Erl unverzichtbar, „ohne ihn können die Festspiele in ihrem künstlerischen Konzept nicht weiter existieren“, erklärte der Tenor Ferdinand von Bothmer. Die Absetzung Kuhns widerspreche der Rechtsstaatlichkeit. Auch die Künstlerinitiative „art but fair“ griff der Sänger an: Diese habe Künstler „manipuliert“.

Die Vorwürfe gegen Kuhn – sie reichen von schikanöser Behandlung bis zu sexuellen Übergriffen – wurden von den Sprechern, die angaben, für 200 Festspielmitarbeiter das Wort zu ergreifen, dementiert. „Ohne Kuhn verlieren die Festspiele ihre Magie. Lasst ihn in Ruhe. Bitte gebt uns den Maestro zurück“, appellierte Chorsänger Dzmitry Klachko.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin profil haben ehemalige Festspiel-Mitarbeiter Gustav Kuhn zuletzt „übergriffiges Verhalten“ und „strukturelle Gewalt“ vorgeworfen.

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Kuhn zog sich im Juli als Künstlerischer Leiter der Festspiele vorläufig zurück. Ende September wurde er auch als Dirigent abgesetzt. Staatsanwaltschaft und die Gleichbehandlungskommission im Kanzleramt beschäftigt der Fall derzeit. Interims-Festspielchef Leisner sieht das Festival als Opfer einer medialen Kampagne: Es gebe Anzeichen, dass Geld für Aussagen gegen Kuhn geboten wurde. In diesem Zusammenhang erwähnte er den Namen des bis 2015 in Erl engagierten Bühnenbildners Jan Hax Halama, der zu den Unterzeichnern jenes offenen Briefes zählt, den profil am vergangenen Wochenende publizierte. Leisner will sich an die Staatsanwaltschaft wenden. (bunt)