Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Bühne

Feinripp-Ensemble: Herumeiern mit dem Tod

Sich beim Scheitern an großen Vorhaben zuschauen lassen: Das Feinripp-Ensemble feiert seinen 10. Geburtstag. Sein neues Stück „Fein-R.I.P.“ kommt heute Abend im Innsbrucker Treibhaus zur Uraufführung.

Wilde Posen in Unterhosen: Bernhard Wolf, Thomas Gassner und Markus Oberrauch (von oben) in feinstem Feinripp.

© Feinripp EnsembleWilde Posen in Unterhosen: Bernhard Wolf, Thomas Gassner und Markus Oberrauch (von oben) in feinstem Feinripp.



Von Joachim Leitner

Innsbruck – Geplant war alles ganz anders. 2008 setzten die Tiroler Volksschauspiele Telfs „Shakespeares sämtliche Werke“ auf den Spielplan. Doch von den drei Schauspielern, die Regisseurin Susi Weber vorschwebten, sagte nur einer zu. Neben Bernhard Wolf wurden letztlich Thomas Gassner und Markus Oberrauch engagiert. Gassner verzichtete dafür auf einen Part in der damaligen Telfer Hauptproduktion „Herr Puntila und sein Knecht Matti“. Doch noch vor der Premiere bekam das Trio ihr Fett weg. „Nach der Hauptprobe wurde geraunzt. Grundtenor: So kann man das nicht machen“, erinnert sich Thomas Gassner. Aber der Erfolg strafte voreilige Kritiker Lügen. Der irrwitzige Ritt durch Shakespeares Welttheater mauserte sich zum Hit. Die Wiederaufnahme im Jahr darauf galt ausgemacht – und wurde kurzfristig gecancelt. Obwohl es mit der langjährigen Leiterin der Volksschauspiele eine wortmächtige Fürsprecherin gab. „Ruth hat uns gedrängt, weiterzumachen“, sagt Bernhard Wolf, „also sind wir ins Nachbardorf gegangen.“ „Gerettet hat uns letztlich Treibhaus-Chef Norbert Pleifer, der uns nach den Auftritten in Oberhofen in Innsbruck eine leistbare Spielstätte bot“, ergänzt Gassner. Im Treibhaus wurde aus den drei Schauspielern in Unterwäsche endgültig das Feinripp-Ensemble. Wobei es Name und Kostüm Andrea Kuprian verdankt. „Gefragt war ein Basiskostüm, dem man schnell etwas überziehen kann. Also hab’ ich eine Handvoll Unterhosen von zuhause mitgenommen“, erinnern sich die Aussteller. „Andrea ist das vierte Feinripp-Mitglied, unsere Fehlervermeidungssoftware. Sie hört sich unsere Ideen an und sagt uns, wenn wir Blödsinn machen“, erklärt Markus Oberrauch.

Mit ihrer zweiten Produktion setzten die Feinrippler den Erfolgszug fort – und schärften die dazugehörige Erfolgsformel. „Es gibt zwar ein Stück, das ‚Die Bibel, leicht gekürzt‘ heißt, aber damit konnten wir nichts anfangen, also haben wir uns mit Kinderbibeln eingedeckt, daraus ein Stück gemacht – und uns selbst ins Stück hineingeschrieben“, so Oberrauch. „Wir sind Schauspieler, die Schauspieler spielen, die sich permanent Großes vornehmen und sich beim Scheitern zuschauen lassen“, ergänzt Gassner. „Das Publikum mag es, uns beim Scheitern zuzuschauen“, ist Wolf überzeugt. Und die Zahlen geben ihm Recht: Nicht nur in Tirol, wo bislang mehr als 65.000 Besucher bei Feinripp-Aufführungen gezählt wurden, sondern auch in Wien. Dort allerdings nach schaumgebremstem Start: „Dem ruhmreichen Kabarett Simpl waren wir zu intellektuell“, sagt Bernhard Wolf. Inzwischen sei man aber auch in der Hauptstadt heimisch geworden: Die jüngsten Auftritte im Kleinkunsttheater Aera sind durchwegs ausverkauft gewesen.

Mit vollem Haus rechnet das Feinripp-Ensemble heute auch im Innsbrucker Treibhaus, wo um 20 Uhr die Uraufführung ihrer neuen Produktion „Fein-R.I.P.“ über die Bühne geht. In der Regie von Johannes Gabl – übrigens einer der beiden Schauspieler, die 2008 anderweitig beschäftigt waren – wollen sich Thomas Gassner, Markus Oberrauch und Bernhard Wolf zum 10. Geburtstag ihres Ensembles einem ganz großen Thema widmen. „Es geht, der Titel deutet es an, um den Tod“, sagt Gassner. Und der will ernst genommen werden: „Das Stück folgt einem streng postdramatischen Ansatz, ist eher Performance als klassisches Sprechtheater“, erklärt er. „Jedenfalls in der Theorie“, wirft Bernhard Wolf ein, „denn beim Herumeiern mit dem Tod geht es drunter und drüber.“ Es dürfte also einmal mehr ziemlich lustig werden, wenn sich die drei Schauspieler in feingerippte Liebestöter schmeißen.

Über den Inhalt von „Fein-R.I.P.“ hält sich das Trio noch bedeckt. Gassner: „Sagen wir so, wir beginnen mit einer bestialischen Abschlachtung – und steigern uns langsam.“