Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Exklusiv

„A Midsummer Night‘s Dream“: Liebesdramen im Zauberwald

Das Tanzstück „A Midsummer Night’s Dream“ wird heute im Tiroler Landestheater uraufgeführt. Ein Gespräch mit Enrique Gasa Valga.

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© Thomas Boehm / TT



Innsbruck — Das von Enrique Gasa Valga choreografierte Tanzstück „Sommernachtstraum" nach William Shakes­peare wird heute im Großen Haus des Tiroler Landestheaters uraufgeführt. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Die TT traf Gasa Valga zum Interview — und hat mit dem Direktor der TanzCompany über die vergangenen zehn Jahre in Innsbruck und seine Zusammenarbeit mit Tänzern aus aller Welt gesprochen.

Sie sind seit zehn Jahren Direktor der TanzCompany. Zum Jubiläum widmen Sie sich Shakespeares „A Midsummer Night's Dream". Was interessiert Sie an dem Klassiker der Weltliteratur?

Enrique Gasa Valga: Meine Mutter geht zu fast jeder Premiere und sie hat sich bei mir darüber beschwert, dass ich in letzter Zeit so viele Tragödien aufgeführt habe. (lacht) Sie hat schon Recht, meine Inszenierungen waren zuletzt mit viel Blut verbunden, etwa „Macbeth". Also dachte ich, dass ich nach den Tragödien in den vergangenen Spielzeiten nun die Komödie hochleben lasse.

Haben Sie sich bei der Umsetzung an das Original von Shakespeare gehalten?

Gasa Valga: Ich bin der Meinung, ein Klassiker sollte nicht zu stark verändert werden. Das würde der Dramaturgie nicht guttun. Shakespeare hat dieses Stück fantastisch angelegt: Es pendelt zwischen Traum und Wirklichkeit. Dieses Wechselspiel der Bewusstseinsebenen ist überaus reizvoll. Das Publikum wird in einen von Elfen bevölkerten Zauberwald entführt, in dem die Verwirrungen der Liebe im Mittelpunkt stehen. Die Herausforderung besteht darin, die komplexe Handlung im Tanz zu vermitteln. Das Schönste ist: Am Ende werden alle Probleme überwunden, und es wird eine große Hochzeit gefeiert.

Was verbindet Sie persönlich mit diesem Stück?

Gasa Valga: Ich habe im vergangenen Sommer in meiner Heimat Spanien eine Tirolerin geheiratet. Der Sommernachtstraum von Shakespeare findet an vier Tagen statt. Genau so lange hat auch meine Hochzeit gedauert. Offensichtlich ist meine künstlerische Arbeit eng mit meinem Leben verwoben.

Im „Sommernachtstraum" werden zehn neue Tänzer auftreten.

Gasa Valga: Ja, unsere neuen Tänzer kommen aus der ganzen Welt. Ihr Niveau ist fantastisch. Es war eine inspirierende Herausforderung, diese Choreografie mit ihnen zu entwickeln, die vielschichtigen Charaktere und Handlungsstränge im Tanz herauszuarbeiten. Außerdem treffen bei Shakespeare unterschiedliche soziale Welten aufeinander. Diese Komödie voll rasender Liebenden und Fabelwesen bietet auch eine ganze Reihe an anspruchsvollen, zentralen Rollen. Die Tänzer haben die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Wie haben Sie die Choreografie angelegt?

Gasa Valga: Ich möchte die Tänzer fordern, die Basis ist bei mir immer klassisch. Ausgehend davon gibt es künstlerische Freiräume, die mit modernen Elementen abgerundet werden. Ich verlange von meinen Tänzern Musikalität. Es ist eine komplexe Choreografie, die auch viele akrobatische Elemente enthält. Das bedeutet für die Tänzer harte Arbeit.

Die Liebe ist nicht nur im echten Leben eine der größten Herausforderungen. Ist die tänzerische Darstellung auch so schwer?

Gasa Valga: Ich glaube, humorvolle Szenen sind weitaus schwerer darzustellen, denn Leidenschaft bringen alle Tänzer von vornherein mit. Unsere Tänzer geben auf der Bühne alles. Es sind junge Leute mit sehr viel Kraft und Motivation. Die Bühnengestaltung ist sehr zurückhaltend, um die Körperlichkeit und die Ästhetik der Tänzer besonders zur Geltung zu bringen.

Welche Gefühle kommen auf, wenn Sie an die vergangenen zehn Jahre zurückdenken?

Gasa Valga: Ich bin in Innsbruck glücklich, obwohl ich zuerst dachte, ich würde nur ein halbes Jahr bleiben. Meine Mutter hatte mir schon damals prophezeit, dass ich hier bleiben werde. Und sie hatte Recht. (lacht) Innsbruck liegt so zentral in Europa, die Nähe der Stadt zur Natur ist großartig. Ich bin nämlich ein begeisterter Skifahrer. Die Stadt hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr entwickelt. Das neue Haus der Musik ist wirklich gelungen. Außerdem weiß ich das Innsbrucker Publikum sehr zu schätzen. Es lebt mit uns mit. Ich spüre das jedes Mal wieder.

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl