Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Bezirk Reutte

„Kulturforum Weißenbach“: Letzter Vorhang für eine Institution

Am Samstag tritt nach drei Jahrzehnten mit über 200 Veranstaltungen, 800 Akteuren und fast 25.000 Besuchern das „Kulturforum Weißenbach“ ab. Der Kabarettist Markus Koschuh „macht das Licht aus“.

© NikolussiViele Rockkonzerte gingen auf das Konto des rührigen Vereins.



Weißenbach – „Am 10. November werde ich mit gemischten Gefühlen auf der Bühne des Gemeindesaals Weißenbach am Lech stehen“, erklärt der Innsbrucker Kabarettist Markus Koschuh. „Nach rund 33 unermüdlichen und ehrenamtlichen Jahren des Arbeitens für die Kultur bin ich mit meinem Programm ,Hochsaison. Der Letzte macht das Licht aus‘ der allerletzte Künstler, den das Kulturforum Weißenbach ins Lechtal holt. Danach ist Schluss, aus, fertig. Wie schade! Und wie passend ist der zweite Teil des aktuellen Programmtitels: Der Letzte macht das Licht aus.“

Diese Wehmut kommentiert der Obmann des Kulturforums, Erich Posch, mit einem bestätigenden Achselzucken. „Ich mache das fast schon seit 40 Jahren“, so Posch. 1980 hatte er mit Konzerten angefangen, 1985 bildete sich der harte Kern des Kulturforums, der 1988 zu einem Verein werden musste. „Wir haben immer nur das gemacht, was uns Spaß machte“, erklärt er das reichhaltige Programm. Nationale und internationale Künstler machten in Weißenbach Station. Die größte Veranstaltung war wohl Ostbahn Kurti & die Chef-Partie – ein Ereignis, das dem Verein auch finanziell die Grenzen aufzeigte. Daneben bot man auch mit der Veranstaltungsreihe „Rock am Lech“ jungen Bands eine Bühne, die hier neben den Headlinern wie Bluespumpm oder Hans Theessink auftreten durften. In den letzten Jahren stachen die Kabarett-Herbste des Kulturforums heraus – und so ist es auch nun am Samstag um 20 Uhr ein Kabarettist, der buchstäblich als Letzter das Licht ausmacht. Mehr als 200 Veranstaltungen mit gut 800 Akteuren lockten in den letzten 30 Jahren „annähernd 25.000 Besucher“ ins Lechtal, bilanziert Posch. Besonders stolz ist der Obmann aber, „dass wir nie eine Unterstützung wollten und brauchten – bis vor zehn Jahren haben wir sogar die Saalmiete selber gezahlt.“

Markus Koschuh hat mit seinem Programm "Hochsaison. Der Letzte macht das Licht aus" die zweifelhafte Ehre, am Samstag die letzte Veranstaltung des Kulturforums zu bestreiten.
- Thomas Böhm

Rund 150 Mitglieder zählt der Verein, „aber der ist mit uns gealtert – wir sind alle so um die 60 Jahre alt“, erklärt Posch die Müdigkeit im alten Kern des Kulturforums. Drei Jahre lang habe man nun versucht, eine neue, junge Führung zu animieren – allein das Problem sei, dass jeder konsumieren wolle, aber keiner organisieren. Früher habe man viele Open Airs für die Jugend gemacht – „heute lassen sich alle unterhalten“.

„Dass nach drei Jahrzehnten Schluss ist, tut mir schon leid“, bedauert Bürgermeister Hans Dreier. Es breche dem Dorf etwas Tolles weg.

Einen kritischen Blick hat Posch auch auf die Kulturlandschaft im Außerfern: Alle würden etwas Ähnliches machen. Wobei er allerdings im aktuellen Musical der Reuttener Kellerei auch etwas Erfrischendes entdeckt. (pascal)