Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Bezirk Kufstein

„Bäuerlicher Jedermann“: Reither Nikolausspiel kehrt zurück

Nach sieben Jahren Pause wird das „Reither Nikolausspiel“ heuer wieder aufgeführt. Im Mittelpunkt steht der Kampf zwischen Gut und Böse.

© GrießenböckDas Ensemble der Bundesmusikkapelle bringt im Dezember wieder das Reither Nikolausspiel auf die Bühne.



Reith i. A. – Er gilt als Liebling der Kinder und ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche: der Nikolaus. Seine Geschichte hat in Reith im Alpbachtal eine besondere Tradition: Seit über 300 Jahren zeigt man in dem kleinen Tiroler Dorf Anfang Dezember das Niko­lausspiel, das 2014 sogar zum immateriellen Unesco-Kulturerbe ernannt wurde. Nach sieben Jahren Pause kehrt das Reithe­r Nikolausspiel heuer wieder zurück auf die Bühne im Stockerwirt.

In dem Schauspiel geht es eigentlich weniger um die Person des hl. Nikolaus als vielmehr um die stetige Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. So ähnelt das Spektakel mehr einem „bäuerlichen Jedermann“ und zeigt den aussichtslosen Kampf zwischen Jüngling und Tod, den naturgemäß nur einer gewinnen kann. Da rebelliert Reich gegen Arm (Förster und Goaßer, Bauer und Knecht), Alt gegen Jung (Vater und Sohn) und Gut gegen Böse (Verstellter, Pilger, Engel).

Der 85-jährige Walter Pirhofer wirkt bereits zum elften Mal als Darsteller bei dem traditionellen Spektakel mit.
- Grießenböck

Zwischen 1690 und 1919 wurden die kirchlich-pädagogisch geprägten Szenen als Stubenspiel zur Adventzeit aufgeführt. Die Laiendarsteller zogen dabei von Bauernhof zu Bauernhof.

Heute organisiert die Reithe­r Bundesmusikkapelle das Schauspiel auf der Bühne im Stockerwirt. Dort wird Walter Pirhofer mit seinen 85 Jahren heuer zum elften Mal beim traditionellen Adventspiel mitwirken. Bereits mit 14 Jahren mimte er den „jungen Goaßer“, seit Jahrzehnten verkörpert er einen Bettler.

Die älteste Niederschrift von 1875 befindet sich imme­r noch im Besitz der Familie des Verfassers Jako­b Feichtne­r und dient neben der Abschrift von Josef Hechen­blaikner aus dem Jahr 1952 als Spiel­vorlage. Daher darf es auch nicht verwundern, wenn das ein oder andere Dialektwort vorkommt, das selbst die Schauspieler nicht mehr kennen. Schmunzeln und lachen ist erlaubt – das pädagogische Ansinnen soll den Menschen durch das Stück mit viel Humo­r nähergebracht werden.

Termine: 1. Dezember um 14 Uhr für Kinder sowie um 20 Uhr für Erwachsene. Weiters 2., 4., 7., 8., 9., 12., 14., 15., 16. und 19. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Stockerwirt. Ticket­s: Tourismusbüro Reith, Tel. 0664/88509438, www.bmk-reith.at class="TT11_Grundtext_kursiv"> (gg, TT)