Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.11.2018


Kellertheater

„Der Fall Weber“: Besuch der alten Dame bei der Kripo

„Der Fall Weber“ im Kellertheater: ein bitterböses Kräfteringen zwischen Alt und Jung mit Ute Heidorn in Top-Form.

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© KT



Von Markus Schramek

Innsbruck – Gutes Theater braucht weder Firlefanz noch Brimborium. Ein pfiffiges Skript jenseits des Alltäglichen, eine Bühne im Kleinformat, ein gut eingespieltes Darsteller-Trio: Das kann schon reichen für den kleinen Triumph im nächtlichen Innsbruck. Im Kellertheater ging am Samstag die Uraufführung von „Der Fall Weber“ über die Bühne: unfallfrei und mit lautstarken Ovationen gefeiert – absolut verdient.

Manfred Schild, als Leiter und Regisseur im Schauspielkeller an sich gut ausgelastet, hat sich zusätzlich noch hinter die Tasten geklemmt. „Der Fall Weber“ entspringt seiner schreiberischen Fantasie.

Vordergründig ist das Stück ein Krimi, gespickt mit Intrige, Bösartigkeit und amourösen Verstrickungen. Auf der Suche nach dem Mörder schickt Schild das Publikum gehörig im Kreis.

Letztlich ist das „Wer war’s?“ aber gar nicht so wichtig. Denn an der Story der im polizeilichen Verhörraum gelandeten Frau Weber offenbart sich ein gesellschaftlicher Grundkonflikt: Die ältere Generation sträubt sich, die Schalthebel der Macht aus der Hand zu geben. Beim Tauziehen um die Vorherrschaft bleiben Alt und Jung einander nichts schuldig. Erfahrung und taktisches Gespür prallen auf jugendlichen Drive und Elan.

Ute Heidorn läuft als Frau Weber zur Bestform auf. Gouvernantenhaft und belehrend im Auftreten, das Kostümchen korrekt bis zum Anschlag, das Haar nach hinten gekämmt: Sie geriert sich als ältere Dame vom strengen Scheitel bis zur Sohle ihrer Pumps. Schließlich war sie über Jahrzehnte Chefsekretärin und rechte Hand des Chefs.

Frau Weber hat sich der Kripo gestellt, um einen Mord zu gestehen. Die jungen Ermittler Felix und Anna (Benjamin Lang und Wiltrud Stieger mit schönen Talentproben) glauben der vermeintlichen Täterin aber kein Wort. Wen will Frau Weber schützen? Hat gar der Chef selbst seinen Marketingleiter, der ihn mit neumodernen Ideen immer mehr ins Abseits drängt, über den Jordan befördert? Viel deutet darauf hin. Vor allem Frau Webers grenzenlose Loyalität zu akkurat jenem Chef, der sie gegen ihren Willen in die Pension verabschiedet hat.

Hier soll nun aber Schluss sein mit der inhaltlichen Nabelschau. Wie der Fall Weber aufgelöst wird, ist am besten am Tatort Kellertheater in Erfahrung zu bringen. Auf einen mit Hingabe gespielten Abend darf man sich einstellen. Sehr gut möglich auch, dass bei den bitterbösen Dialogen Szenen aus dem eigenen (Berufs-)Alltag erstaunlich lebendig werden.