Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.12.2018


Tiroler Festspiele

Mimi, Liesl und Max in Erl

Bei den Tiroler Festspielen Erl mit ernsten und heiteren Opern, Kammermusik, Uraufführungen mit Tirol-Bezug und Unterhaltung durch die Weihnachtszeit.

Das Erler Festspielhaus zwischen den winterlich kahl gewordenen Bäumen.

© Thomas Boehm / TTDas Erler Festspielhaus zwischen den winterlich kahl gewordenen Bäumen.



Erl – Mit dem ersten Adventsonntag steht das 7. Tiroler Winterfestival in Erl endgültig vor der Türe. Es geht vom 26. Dezember bis 6. Jänner 2019 im Festspielhaus mit dem angekündigten Programm über die Bühne, doch hat, wie berichtet, Andreas Leisner, interimistischer Künstlerischer Leiter der Festspiele in der Nachfolge Gustav Kuhns, dessen Positionen neu besetzt.

Zur Einstimmung am dritten Adventsonntag erwartet das Publikum schon traditionell das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Das bereits ausverkaufte Konzert wird als Matinee am 16. Dezember von Johannes Chum geleitet, der als Tenor schon mehrfach dabei mitgewirkt hat. Zu Weihnachten ins Café Momus im ersten Pariser Arrondissement – oder zu La Bohème ins Erler Festspielhaus, wo am zweiten Weihnachtsfeiertag die Vorjahresproduktion wiederaufgenommen wird. Puccinis hungrige Helden, die im Momus feiern, werden musikalisch von dem an den großen Opernhäusern der Welt tätigen Dirigenten Paolo Carignani durch ihr an Kunst und Verzicht reiches Leben geführt.

Drinnen herrscht in „La Bohème“ auch Eiseskälte, und trotz heißer Liebe trennen sich die kranke Mimi (Lada Kyssy) und ihr Dichter (Matteo Desole).
Drinnen herrscht in „La Bohème“ auch Eiseskälte, und trotz heißer Liebe trennen sich die kranke Mimi (Lada Kyssy) und ihr Dichter (Matteo Desole).
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Die Opernpremieren gelten dem Melodramma La Sonnambula von Vincenzo Bellini (29. Dezember und 5. Jänner) sowie der Rossini-Komödie L’occasione fa il ladro (Matinee 30. Dezember und 4. Jänner), in der man – Gelegenheit macht Diebe – allerhand Bekanntem begegnet. Die Bellini-Oper dirigiert Friedrich Haider, dessen Belcanto-Nähe nicht zuletzt durch seine einstige berufliche wie private Partnerschaft mit Edita Gruberova geprägt worden ist. Für die Regie wurde Riccardo Canessa verpflichtet. Das kleine Rossini-Stück bringt das Operndebüt des jungen Patrick Hahn am Pult des Festspielorchesters und in der Inszenierung von Wolfgang Berthold ein junges Rossini-Ensemble aus der Talenteschmiede der Accademia di Montegral.

Drei Festspielabende führen wieder in die Gegenwart. Am 27. Dezember haben Tito Ceccherini und sein Ensemble Risognanze, die die Musik des 20. Jahrhunderts mit Kenntnis und Selbstverständlichkeit in ihren Schönheiten präsentieren, Werke von Steve Reich und John Adams auf dem Programm. Zwischen deren amerikanischer Minimal Music zwei sogar österreichische Erstaufführungen des Italieners Salvatore Sciarrino. Von ihm wird einmal mehr zu erfahren sein, wie Zauberklang, Farbe und Stille zum Leben und wie sehr auch zur Weihnacht gehören.

Stillhang kommt als Auftragswerk der Erler Festspiele am 28. Dezember zur Uraufführung, eine von Klaus Ortner getextete und inszenierte Oper, von Christian Spitzen­staetter komponiert, der auch das von ihm gegründete Orchester Komp.Art und die Solisten dirigieren wird. Es geht um die Komikerin Liesl Karlstadt, die einige Jahre als „Obergefreiter Gustl“ in Tirol verbrachte. Ihre Darstellerin ist Isabel Karajan. Maximilian wird am 3. Jänner das Gedenkjahr 2019 des Landes Tirol einläuten, in dem das Leben von Kaiser Maximilian I., dessen Tod sich zum 500. Mal jährt, auch in der Beziehung zu seinen Ehefrauen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza geschildert wird. Mit der Komposition sind Beomseok Yi und Stefano Teani betraut.

Das Silvesterkonzert mit seinen Opern-Höhepunkten und Beomseok Yi am Pult sowie das (bereits ausverkaufte) Neujahrskonzert mit seinen überschäumenden, aber auch besinnlichen Momenten, das die steil aufgestiegene gegenwärtige Grazer Chefdirigentin Oksana Lyniv leiten wird, markieren den Jahreswechsel. Das Abschlusskonzert am 6. Januar mit Werken von Debussy, Mozarts Klavierkonzert KV 466 und Mahlers 4. Symphonie dirigiert Anja Bihlmaier. (u.st)

Infos: www.tiroler-festspiele.at