Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.12.2018


Volksschauspiele Telfs

Vorboten großer Veränderungen

Bereits im Jänner präsentieren die Tiroler Volksschauspiele Telfs erste Programmpunkte. Die Obmannfrage ist noch ungeklärt.

© SchranzMarkus Völlenklee (l., als Boanlkramer im „Brandner Kaspar“, 2017) kündigte seinen Rückzug als Obmann der Volksschauspiele an.



Telfs – Traditionell fällt die Programmpräsentation der Tiroler Volksschauspiele Telfs ins späte Frühjahr. Zentrale Programmpunkte wie die Eigenproduktionen des Festivals zum Beispiel werden einige Wochen davor durch eine knappe Mitteilung öffentlich gemacht. Böse Zungen behaupten, weil sich der Vorstand des Trägervereins nicht früher auf die jeweiligen Stücke einigen kann. Von noch böseren Zungen hört man bisweilen, dass selbst manches Vorstandsmitglied erst aus der Zeitung vom jeweiligen Programm erfahren hat.

In der Welt des Theaters, das steht außer Frage, mangelt es nie an bösen Zungen. Und im Umfeld der Volksschauspiele sowieso nicht. Mit einem Gesamtbudget von etwa 850.000 Euro (mehr als 300.000 Euro davon stammen aus der öffentlichen Hand) zählt das traditionsreiche Festival zu den Big Playern in Tirol. Das weckt Begehrlichkeiten – und ruft Besserwisser auf den Plan.

Zuletzt war es vornehmlich die Stückauswahl, die kritisiert wurde. 2017, als auch Zeitgenössisches, etwa Ewald Palmetshofers „hamlet ist tot“, gespielt wurde, galt als zu abgehoben. 2018, vor allem der Stripper-Schwank „Ladies’ Night“, hingegen wurde als berechnende Belanglosigkeit abgetan. Gemessen am Publikumszuspruch, ging die Rechnung übrigens auf.

Für 2019 sind die Volksschauspiele vergleichsweise früh dran: Bereits am 28. Jänner sollen die Eckpfeiler der 37. Spielzeit präsentiert werden. Das bestätigte die Geschäftsführerin der Volksschauspiele, Silvia Wechselberger, auf Nachfrage.

Mehr könne und wolle sie vorab aber nicht preisgeben. Mehr, das heißt in diesem Fall auch: Antworten auf die Frage der Obmannschaft. Markus Völlenklee, seit einem Jahrzehnt der starke Mann in Telfs, kündigte zum Ende des heurigen Festivals an, kürzertreten zu wollen. Seine Nachfolge war zuletzt gefragtes Spekulationsobjekt. Selbst in Wien. Dort galt etwa Gregor Bloéb als Kandidat. Wenn nicht als Obmann, dann wenigstens als Berater.

Inzwischen heizt auch Telfs’ Bürgermeister Christian Härting die Gerüchteküche an. Völlenklee werde noch ein Jahr dranhängen, erklärte er in der vergangenen Woche vor Journalisten. Und relativiert auf Nachfrage der TT: Das jedenfalls habe er gehört.

Tatsächlich dürfte bei den letzten Sitzungen des siebenköpfigen Volksschauspielvorstands diese Variante besprochen worden sein. Beschlossen wurde aber nichts. Markus Völlenklee probt derzeit im Berliner Schillertheater Coline Serreaus Komödie „Hase Hase“. Premiere ist im Jänner. Eine Woche vor der Programmpräsentation in Telfs.

Die Verlängerung seines Engagements für die Volksschauspiele wäre eine Übergangslösung. Die Zukunft des Festivals wurde zuletzt nicht nur in Telfs diskutiert. Auch mit Vertretern des Landes wurde gesprochen. Im Raum stehen wohl auch größere strukturelle und organisatorische Änderungen, die die längerfristige Planung erleichtern sollen. (jole)