Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Kabarett

Scheuba, Maurer, Palfrader: „Legal, illegal, scheißegal“

Mit ihrem Jahresrückblick setzen „Wir Staatskünstler“ auf gewohnte Satire abseits des guten Tons.

Als „Wir Staatskünstler“ erstmals in Tirol, Ende Jänner kehrt Scheuba mit Soloprogramm zurück.

© Thomas Boehm / TTAls „Wir Staatskünstler“ erstmals in Tirol, Ende Jänner kehrt Scheuba mit Soloprogramm zurück.



Innsbruck – „Wenn unbotmäßige Stimmen im ORF nicht mehr erwünscht sind, ist es Zeit, wieder auf die Bühne zu gehen“, schrieben die Staatskünstler auf Facebook. Und kündigten dabei den Start ihrer Jahresbilanz-Tour an, eine Tradition, die für diese Ausgabe exklusiv auf der Bühne stattfindet. Ein „Upgrade der Exklusivität“ sozusagen, seit die Staatskünstler 2017 vom ORF verabschiedet wurden. Das Trio lebt weiter: An der Art des Bilanz-Ziehens von Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader hat sich nichts verändert, gekonnt und mit Sketches, Videos und allerlei Gefasel wendet man sich Legalem, Illegalem und Scheißegalem aus 2018 zu.

Stark ist das Trio in den spontanen Interventionen, die per Video eingespielt werden. Ihr Fett weg bekommen da nicht nur die üblichen Verdächtigen – ein Video zeigt den inszeniert heimlich gefilmten Alltag eines aufmerksamkeitsgeilen Vizekanzlers –, sondern auch die vermeintlich „Guten“: Beim Besuch bei SPÖ, NEOS und Liste Jetzt fragen die Kabarettisten im Stile eines Matthias Strolz („Wos is los mit eich?“) nach der Verantwortung der Opposition. Und sahnen statt Antworten nur Kaffee und Nussschnecken ab. Auch subtil gut: die Anti-Demo-Demo.

Allzu einstudiert wirken im Gegenteil dazu die Überbrückungsmaßnahmen zwischen den Videos. Dabei schießen Maurer und Palfrader, wenn sie es spontan tun, mit absoluter Lachgarantie („Zypern ist das Geldjesolo der Blauen“).

Etwas einfallslos wirkt auch der Tirol-Beitrag zur Jahresbilanz: Aus der Radrennetappen-Werbung „Kickl, ride to höll“ wird lediglich „Kickl, du Waldhäusl!“ Und auch an anderen Ecken (dem Migranten-Theater) zünden die Gags nicht durchgehend, auch wenn die Formulierungen noch so scharfzüngig sind.

Noch bis Ende Februar „tourt“ das Trio durch die Bundesländer, so lange bis wohl auch dort jeder genug hat von 2018. Danach wenden sich die Staatskünstler in ihrer Pflichtaufgabe, dem Tabubruch, hoffentlich wieder dem spontanen Infragestellen aktueller politischer Absurditäten zu. (bunt)