Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.01.2019


Innsbruck

Christoph Fritz: Außen brav, innen bissig bis böse

Der preisgekrönte Kabarett-Neuling Christoph Fritz gastiert heute bei seiner Tirol-Premiere im Treibhaus.

Als könne er kein Wässerchen trüben. Christoph Fritz in der schüchternen Grundhaltung eines Musterschülers.

© stefanjohamAls könne er kein Wässerchen trüben. Christoph Fritz in der schüchternen Grundhaltung eines Musterschülers.



Innsbruck – Rein optisch wirkt er wie ein Milchbubi mit akkuratem Haarschnitt und Streberbrille. Christoph Fritz ist fraglos „das jüngste Gesicht“ (so auch der Name seines ersten Soloprogrammes) in der Kabarettszene.

2018 wurde der Niederösterreicher mit dem Förderpreis des österreichischen Kabarettpreises ausgezeichnet. Der Einstieg in den Klub der arrivierten Kleinkünstler scheint somit geglückt. Am heutigen Freitag wagt sich der Jungspund erstmals in Tirol auf eine Bühne (Treibhaus Innsbruck, 20 Uhr). Am 15. Februar folgt ein Auftritt im Stromboli in Hall (20.30 Uhr).

Schüchtern, ganz ohne große Gesten nimmt Fritz, noch keine 25 Jahre alt, Aufstellung vor dem Publikum. Mit beiden Händen umklammert er das Mikrofon, so als müss­e er sich irgendwo festhalten. Stoisch, lakonisch und staubtrocken verteilt er dann pointierte Wuchteln. Und die sitzen. Philosophen und Demenzkranke verbinde die Frage nach dem „Wer bin ich und wo?“. Ein Wirtschaftsstudium, wie sein eigenes, biete sich an für Menschen „ohne jede Leidenschaft im Leben“. Und das „Vaterunser“ beginnt bei Fritz so: „Vater Profit, der du bist im Aktienindex.“

Solcherlei Verbales kontrastiert auf das Heftigste mit dem unschuldigen Dreingeschaue des Sprechers: außen brav – innen bissig bis böse.

Dem Publikum gefällt’s. So sehr sogar, dass Fritz seinen Job als Mitarbeiter einer Versicherung an den Nagel gehängt hat, wie er der TT am Telefon erzählt. Mit den Einkünften als Comedian kommt er mittlerweile durch.

Vor dem Auftritt in der Provinz, also in Tirol, ist dem Newcomer nicht bang. Er stammt selbst aus dem ländlichen Umfeld des Weinviertels und logiert unverändert im Hotel Mama. Vielleicht hat er sich dort jene gewaltige Portion Mutterwitz abgeholt, mit der er nun seine Zuhörer erheitert. Das zweite Programm kommt 2020. (mark)