Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.01.2019


Bezirk Kufstein

Proben für Passionsspiele: Der Erler Kampf mit der Kälte

Die Probenarbeiten für die Erler Passionsspiele sind angelaufen – im bitterkalten Passionsspielhaus. Bis zu 60.000 Besucher werden erwartet.

Erwin Kronthaler wird in der Premiere am 26. Mai wieder als Jesus bei den Erler Passionsspielen zu sehen sein.

© Foto: Passionsspielverein/PotykaErwin Kronthaler wird in der Premiere am 26. Mai wieder als Jesus bei den Erler Passionsspielen zu sehen sein.



Von Wolfgang Otter

Erl – „Die Erler sind tapfer“ – davon ist Regisseur Markus Plattner nicht erst seit gestern überzeugt. Und sie sind opferbereit – immerhin nehmen es mehr als 500 der Dorfbewohner auf sich, nicht nur Haare und Bärte wachsen zu lassen, sondern fast ein Jahr lang ihre Freizeit einem Ziel zu widmen: der Aufführung der Passionsspiele 2019. Davon lassen sie sich auch nicht von den bitterkalten Temperaturen im Passionsspielhaus abbringen – denn die Proben für das Erler Unesco Weltkulturerbe sind darin bereits voll angelaufen.

Möglich ist das alles durch die Begeisterung für die 400 Jahre alte Tradition der Passion, „und nur wer begeistert ist, kann begeistern“, sagt Plattner. An die 80 Proben hat er bis zum 26. Mai, dem Tag der Premiere, angesetzt. Gespielt wird die für 2013 runderneuerte Fassung mit dem Text von Felix Mitterer. Und doch möchten weder Plattner noch Projektleiter Peter Esterl oder Passionsspielvereinsobmann Johann Dresch von einer „Wiederaufnahme“ reden. „Denn es ist viel passiert, auch mit uns. Wir sind weniger naiv“, sagt Plattner, 2013 wurde das Fundament gelegt, auf dem man nun weiter aufbauen kann. Mit den Darstellern, die sich eben auch weiterentwickelt haben. Plattner verspricht daher eine „schärfere und kernigere“ Inszenierung und will noch mehr in die Tiefe gehen. Und: „Es geht darum, dass es aus dem Herzen kommt.“

Ganz neu ist 2019 Drummond Walker als musikalischer Leiter, der die eigens für Erl komponierte „wunderbare Musik von Wolfram Wagner“, wie er betont, auf die Bühne bringt. Seit Oktober ist er bereits beim Proben mit dem Chor. Wieder mit dabei sind Annelie Büchner (Bühnenbild) Lenka Radecky (Kostüme) und Ralf Wapler (Lichtdesign).

Die Erler Passionsspiele sind auch ein wirtschaftlich anspruchsvolles Projekt geworden. 300.000 Euro, so Obmann Dresch, umfasst das Budget. Unterstützung kommt von der öffentlichen Hand, aber auch die Einahmen sind groß. Immerhin sind bereits 25.000 Karten, rund die Hälfte der Kapazität für die 32 geplanten Aufführungen reserviert. 2013 wurden es durch Zusatzvorstellungen über 60.000 Besucher.

Angesichts dieser Zahlen will Projektleiter Esterl auch nicht das Risiko von Ausfällen eingehen. Zwei Jesus-Darsteller gibt es bereits, 2019 werden neben den Hauptrollen auch weitere acht Kernrollen (wie die Maria) doppelt besetzt. Die neun Darsteller wechseln sich jeweils Samstag und Sonntag ab. Was zusätzlichen Aufwand für die Probenarbeit bedeute „und eigentlich haben wir damit zwei Premieren“, sagt Plattner.

Gestern wurde auch per Los von den beiden Mariadarstellerinnen Renate und Barbara Maier ermittelt, wer die „erste Premiere“ als Jesus am 26. Mai spielt: Es ist Erwin Kronthaler (Maria: Barbara Maier), Florian Harlander ist dann am 1. Juni in der „zweiten Premiere“ zu sehen.

Weitere Infos: www.passionsspiele.at.