Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.01.2019


Bühne

„Verkaufte Heimat“: Schauplatz Warmwasserbau

Theater im Original-Ambiente: Die Tiroler Volksschauspiele führen „Verkaufte Heimat“, Felix Mitterers Familiensaga über „Optanten“ in der Nazi-Zeit, in der Telfer Südtirolersiedlung auf.

(v.li.) Bürgermeister Christian Härting, Autor Felix Mitterer, Noch-Obmann Markus Völlenklee, Geschäftsführerin Silvia Wechselberger und Regisseur Klaus Rohrmoser nehmen die Telfer Südtirolersiedlung in Augenschein.

© Thomas Boehm / TT(v.li.) Bürgermeister Christian Härting, Autor Felix Mitterer, Noch-Obmann Markus Völlenklee, Geschäftsführerin Silvia Wechselberger und Regisseur Klaus Rohrmoser nehmen die Telfer Südtirolersiedlung in Augenschein.



Von Markus Schramek

Telfs — Zehn Personen am Podium einer Pressekonferenz. Das kann ein Zeichen demonstrativer Geschlossenheit sein. Oder ein Indiz dafür, dass es tatsächlich Wichtiges zu verkünden gibt. Im Fall der Tiroler Volksschauspiele Telfs war es gestern wohl beides.

Der Rücktritt von Langzeit-obmann Markus Völlenklee zum Ende der letzten Spielzeit lässt die Gerüchteküche ordentlich brodeln. Völlenklee bleibt heuer aber doch noch. Land Tirol und Gemeinde Telfs, zwei wesentliche Subventionsgeber, arbeiten derweil eine noch näher zu definierende „neue Struktur" für die Volksschauspiele aus (siehe Kasten unten).

Und nun zur programmatischen Neuheit, die den geballten Auftritt vor der Presse gestern ja verursachte: In ihrer heurigen 37. Auflage warten die Volksschauspiele zwischen 25. Juli und 31. August mit einer Großproduktion auf, die schon jetzt eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität auslöst. „Verkaufte Heimat — Das Gedächtnis der Häuser" heißt das Stück. Felix Mitterer arbeitet dafür Teile seines TV-Mehrteilers „Verkaufte Heimat" von 1989 um.

Es geht um die Geschichte Südtirols ab dem Jahr 1939. Damals setzten Hitler in Nazi-Deutschland (inklusive dem einverleibten Österreich) und der faschistische Diktator Mussolini in Italien die Südtiroler einer Zerreißprobe aus: entweder als „Optanten" nordwärts „heim ins Reich" auszuwandern; oder in der italianisierten Heimat zu verbleiben, in der Deutsch als Sprache in der Öffentlichkeit verboten wurde.

Für ankommende Südtiroler wurden diesseits des Brenners die so genannten Südtirolersiedlungen gebaut. Allein in Telfs entstanden 240 Wohnungen. „Diese waren für die damalige Zeit luxuriös, wie es sonst in Telfs überhaupt nicht üblich war", erzählt Felix Mitterer. Als „Warmwassersiedlung" wurden die neuen Bauten in Telfs bezeichnet. Klar, dass die Ankunft vieler Auswärtiger für neidvolle Konflikte sorgte. „Ein Thema, das heute noch aktuell ist", sagt Obmann Völlenklee im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage, das politische Dauerthema auch unserer Tage.

Schauplatz des Mitterer-Stücks werden Originalwohnungen in der Telfer Südtirolersiedlung sein. Diese sind zum Abriss bestimmt und werden nach dem Sommer durch Neubauten ersetzt.

Die Fassade einer Häuserzeile wird geöffnet. Die Zuseher, untergebracht auf einer überdachten Tribüne für 400 Personen, blicken direkt hi­nein in echte Lebenswelten.

40 Schauspieler wirken mit. Die Spieldauer wird an die 3,5 Stunden betragen. Ein Teil der Besetzung steht schon fest. So wurden Peter Mitterrutzner (wie schon in der Verfilmung), Francesco Cirolini, Lisa Hörtnagl und Lucas Zolgar engagiert.

„Verkaufte Heimat" wird 26-mal zu sehen sein und alle Kräfte beanspruchen — „eine große Nummer", wie es Klaus Rohrmoser formuliert, der Regie führt. Für ein zweites Stück ist da nicht mehr Platz.

Es gibt aber ein Rahmenprogramm aus 15 Veranstaltungen — mit Schwerpunkt Südtirol und Kabarett. Künstler Franz Wassermann wird sich mit der Frage „Flucht und Fremdsein" beschäftigen und dabei die Bevölkerung zur Mitarbeit einladen.

Gesucht: Neuer Chef und fixe Spielstätte

Eine GesmbH gründen oder als Verein weiterwerken? Das ist eine der Fragen, deren sich die Gemeinde Telfs und das Land in Sachen Tiroler Volksschauspiele Telfs annehmen. Bürgermeister Christian Härting und Kulturlandesrätin Beate Palfrader blieben Details gestern aber noch schuldig — unter Verweis auf „laufende Gespräche".

Gesucht wird jedenfalls ein neuer Künstlerischer Leiter, weil Obmann Markus Völlenklee definitiv nur noch heuer zur Verfügung steht. Silvia Wechselberger, die kaufmännisch Verantwortliche, muss um ihren Job offenbar nicht bangen. Härting will das Theaterfestival „auf neue Beine stellen, ohne die handelnden Personen auszutauschen". Subventionen wie jene für die Volksschauspiele würden immer mehr hinterfragt", betonte der Ortschef.

800.000 Euro beträgt das Budget. Das Land steuert 160.000 Euro bei, der Bund 100.000, die Gemeinde Telfs 170.000 (plus Sachleistungen). 300.000 Euro wurden durch Eintritte lukriert, der Rest von Sponsoren.

Das Nomadentum, also die Suche nach einer neuen Spielstätte Jahr für Jahr, könnte zu Ende gehen. Härting und Palfrader schließen es nicht aus, dass eine fixe Spielstätte etabliert wird, wohl durch Adaption eines bestehenden Objekts.

Inhaltlich soll Telfs möglichst Stücke mit Tirolbezug anbieten, sei es im historischen Kontext oder im aktuellen. (mark)