Letztes Update am Sa, 02.02.2019 07:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Das Poltern auf die Spitze treiben

In der nächsten Woche geben die Gebrüder Moped ihr Tirol-Debüt. Die TT traf Franz Stanzl, eine Hälfte des Satire-Duos, zum Gespräch über Populismus als Pointenlieferant, gefühlte Grenzen und die Gelassenheit von Gagschreibern.

Franz Stanzl bildet mit Martin Strecha-Derkics die Gebrüder Moped. Das Duo gastiert am Mittwoch, 6. Februar, in der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck.

© Christof WagnerFranz Stanzl bildet mit Martin Strecha-Derkics die Gebrüder Moped. Das Duo gastiert am Mittwoch, 6. Februar, in der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck.



Ist es für Satiriker schwieriger geworden, mit der Realität Schritt zu halten?

Franz Stanzl: Den Spruch, dass sich Satire und Realität immer näher kommen, gab es schon immer. Und immer hat man berechtigterweise das Gefühl, dass es bald so weit ist, dass die Wirklichkeit die Satire überholt. Allerdings: Wenn der niederösterreichische FPÖ-Landesrat Waldhäusl beklagt, dass Hunde mit Migrationshintergrund heimischen Haustieren die Heimplätze wegnehmen, fragt man sich schon: Was machen wir jetzt? Wir haben die Geschichte einfach erzählt, weil jeder Kommentar überflüssig ist.

Gerade die FPÖ ist ein besonders beliebtes Ziel für satirischen Spott.

Stanzl: Wir wählen nicht nach politischen Präferenzen aus. Aber dass die Blauen viel anbieten, lässt sich nicht leugnen. Da wird so viel gefordert. Und beim Bemühen, besonders laut zu fordern, geht viel daneben. Klar können Tippfehler passieren. Auch auf Plakaten. Aber wenn sie ausgerechnet dort passieren, wo mit deutschtümelndem Furor fehlende Deutschkenntnisse beklagt werden, sagt das schon einiges aus. Trotzdem: Wir betreiben keinen politischen Aktionismus. Das sieht man auch daran, dass unsere Bilder von Politikern aller Parteien geteilt werden. Selbst HC Strache hat das schon gemacht. Wobei: Er hat die Bilder herunter- und wieder hochgeladen. In Urheberrechtsfragen reagiert Facebook überraschend schnell. Die Bilder wurden gelöscht. Dabei hätte er nur auf „teilen“ klicken müssen.

Strache hat sich nach einem ORF-kritischen Posting selbst zum Gelegenheitssatiriker erklärt.

Stanzl: Wenn ein Regierungsmitglied einen Journalisten angeht – und dann sagt „Satire“ –, hat das was. Zumal man aus derselben Richtung immer, wenn eine Pointe nicht gefällt, gesagt kriegt, dass Satire „getarnte Agitation“ sei. Was nicht passt, passt man an: Schlechte Witze über Gabalier sind ein Angriff auf die Kunst, schlechte Witze über Stefanie Sargnagel eine Notwendigkeit. Dass Populisten Satire für sich beanspruchen, ist komisch, weil Satire kein gängiges Wort ist. Wenn ich meiner Oma etwas vorflunkere und sie draufkommt, sage ich nicht: War nur Satire.

Wo sind für die Gebrüder Moped die Grenzen dessen, was Satire darf?

Stanzl: Man muss da nicht gleich von Gerichten und Gesetzbüchern reden. Es gibt Regeln: nie nach unten treten, zum Beispiel. Und es gibt das eigene Gefühl: Man hat eine Idee und dieses Gefühl: „Das mach’ ma besser nicht.“ Damit liegt man meistens richtig.

Bekannt wurden Sie durch Ihre Beiträge in sozialen Medien. Hass im Netz ist derzeit ein Thema. Wie geht es den Gebrüdern Moped damit?

Stanzl: Neben einigen angenehmen Entwicklungen hat das Internet auch dazu geführt, dass die Trottel dieser Welt sichtbarer wurden. Nicht nur die gefährlichen, auch die skurrilen. Ein Typ, der am Bahnhof Flugzettel über die Erde als Scheibe verteilt, hätte früher einige Pendler gewundert. Heute kann er sich der ganzen Welt mitteilen. Wir erfahren vergleichsweise wenig Hass im Internet. Auch, weil wir uns sprachlich unangreifbar machen, weil wir die Sprache derer benutzen, die wir kritisieren. Unser Ansatz ist es, das Poltern der Populisten auf die Spitze zu treiben, indem wir das, was sie sagen, weiterdenken. Wir reiten keine Attacken auf irgendwen, sondern tun das, was die anderen auch tun, nur eben konsequenter. Auch in unserem Buch „Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe“ (Milena Verlag, 144 Seiten, 16 Euro) basieren viele Geschichten auf wahren Begebenheiten, die wir einfach weiterspinnen.

Die Gebrüder Moped schreiben auch Gags für andere. Etwa für die ORF-Sendung „Willkommen Österreich“. Wie geht es Ihnen, wenn Ster- und Grissemann für Ihre Witze Lacher einheimsen?

Stanzl: Das seh ich gelassen, das ist der Job. Zumal es sich bei „Willkommen Österreich“ zum Gag entwickelt hat, dass über die miesen Gagschreiber gemotzt wird. Die Situation hat auch Vorteile: Wenn sich das bereits erwähnte Vielleicht-besser-nicht-Gefühl einstellt, kann ich den Witz trotzdem hinschreiben. Ich muss ihn dann ja nicht selbst aufsagen.

Vonseiten des ORF hat es bislang nie Einwände gegen einen Ihrer Witze gegeben?

Stanzl: Nicht, dass ich wüsste. „Willkommen Österreich“ ist eine Produktion von David Schalkos Superfilm. Der Sender redet da kaum drein. Wohl auch, weil sich die Sendung bewährt hat. Sie läuft seit 2007, ist also, ähnlich wie „Was gibt es Neues“, einer der letzten echten Dauerbrenner – und der Beweis, dass man einem Format manchmal einfach ein bisschen Zeit geben muss.

Das Gespräch führte Joachim Leitner