Letztes Update am Mi, 08.05.2019 09:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Ronja Forcher zieht es vom Landestheater auf die Schulbank

Ronja Forcher verlässt die Bühne, um die Schauspielausbildung nachzuholen. Ein Gespräch über den Preis der Prominenz, ernst zu nehmende Kunst und Kritikfähigkeit sowie die Lehren aus den Nacktfotos im Playboy.

Ronja Forcher will kein Promi sein und ihre Privatsphäre besser schützen. „Ich mag es eigentlich gar nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen.“

© Thomas Boehm / TTRonja Forcher will kein Promi sein und ihre Privatsphäre besser schützen. „Ich mag es eigentlich gar nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen.“



Nach zwei Jahren verlassen Sie das Tiroler Landestheater. Was ist der Grund?

Ronja Forcher: Ich möchte eine Schauspielausbildung absolvieren, die Grundlagen dieses Berufs erlernen. Ich arbeite seit meiner Kindheit als Schauspielerin, habe aber nie gelernt, wie man richtig spricht und sich bewegt, auch die Grundlagen von Dramaturgie und Theatertheorie möchte ich kennen lernen. Ich werde heuer 23, das ist noch ein günstiger Zeitpunkt, um mir den lang gehegten Wunsch zu erfüllen und drei bis vier Jahre zu studieren.

Setzen Sie diesen Schritt auch, um Kommentaren zu begegnen, wonach Sie von Ihrem Promi-Bonus profitieren würden?

Forcher: Es ist eine Tatsache, dass ich in der Öffentlichkeit erkannt werde. Doch ich möchte keiner jungen Schauspielerin, die vier Jahre Ausbildung hinter sich hat, den Platz wegnehmen, nur weil ich, unter Anführungszeichen, „berühmt“ oder ein Werbegesicht bin. Ich möchte in diesem Beruf und im Theater eine Daseinsberechtigung haben. Wobei ich betonen möchte, dass ich vom Ensemble am Landestheater mit offenen Armen empfangen wurde. Vorbehalte mir gegenüber gab es nicht oder sie haben sich rasch verflüchtigt.

„Ich möchte im Schauspielerberuf eine Daseinsberechtigung haben.“
Ronja Forcher (zukünftige Schauspielschülerin)

Die Resonanz auf Ihre Auftritte ist sehr gemischt ausgefallen. Von „Talentprobe“ bis „Fehlbesetzung“ war in den Theaterbesprechungen der TT alles dabei. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Forcher: Natürlich lese ich die Kritiken und freue mich, wenn sie positiv sind. Aber auch negative gehören dazu. Ich kann diese zum Teil auch nachvollziehen und verstehen. Ich bin sehr selbstkritisch und weiß, dass ich noch viel lernen muss. Ich kann nicht immer Vollgas geben und versuchen, die Bühne mit viel Energie zu erstürmen. Manchmal braucht es mehr Substanz, mehr Technik und Wissen, wie man eine Rolle anlegt. Ich mag es eigentlich gar nicht, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Das kommt überraschend. Im Großen Haus des Landestheaters spielten Sie vor 800 Menschen. Das ist schon sehr öffentlich.

Forcher: Meine öffentlichen Auftritte sollen sich auf die Schauspielerei beschränken. Als privater Mensch dränge ich nicht auf Empfänge oder rote Teppiche. Ich gebe eigentlich auch keine Interviews mehr und war ein halbes Jahr nicht in den Social Media aktiv. Ich versuche jetzt viel mehr, meine Privatsphäre zu schützen und jene der Menschen in meinem Leben.

Ihre Nacktfotos im „Playboy“ haben vor zwei Jahren für Aufsehen gesorgt. Würden Sie solche Fotos aus heutiger Sicht wieder von sich veröffentlichen lassen?

Forcher: Beim Playboy-Shooting war ich 19. Damals war die Entscheidung richtig. Doch mit solchen Fotos zeigt man viel von sich, nicht nur das Körperliche. Die Intimsphäre wird von sehr vielen Menschen, die mich gar nicht kennen, überschritten. Als heute fast 23-jährige Ronja würde ich keine Nacktfotos mehr veröffentlichen. Wenn der Playboy jetzt anruft, würde ich dankend ablehnen.

Haben Sie zu viel von sich preisgegeben?

Forcher: Natürlich haben mich die Fotos bekannter gemacht. Doch es ist eine Aufmerksamkeit entstanden, die ich jetzt überhaupt nicht mehr will. Ich möchte als Künstlerin verstanden werden. Durch Aktionen wie die Playboy-Fotos bin ich immer mehr zum Star geworden oder eher zum Sternchen. Ich möchte aber nicht berühmt sein, das stößt mich ab. Ich möchte Schauspielerin sein, ernst zu nehmende Kunst machen und spielen.

Wissen Sie schon, in welche Schauspielschule Sie ab Herbst gehen werden?

Forcher: Ich werde ab Juni bei verschiedenen Schulen im deutschsprachigen Raum vorsprechen, beim Max-Reinhardt-Seminar in Wien allerdings nicht. Ich glaube nicht, dass Wien derzeit für mich die richtige Adresse ist. Dort werde ich nicht glücklich. Ich habe zwei Jahre in Wien gelebt.

Während der Ausbildung werden Sie für eine Weile von der Bühne abtauchen?

Forcher: Das noch bis Juni am Landestheater laufende Schauspiel „Phantasma X“ wird fürs Erste meine letzte Bühnenrolle sein. Bei den Schauspielschulen beginnt man erst im dritten oder vierten Ausbildungsjahr wieder mit öffentlichen Auftritten.

Im Fernsehen sind Sie aber weiterhin als Tochter des „Bergdoktors“ zu sehen?

Forcher: Wir drehen ab Juni die 13. Staffel, ich freue mich schon darauf. Wenn es sich zeitlich ausgeht und die Schauspielschule es erlaubt, bleibe ich auch danach weiter dabei. Ich habe dieser Serie viel zu verdanken. Aber jetzt ist es für mich Zeit, auf meine eigenen Wünsche Rücksicht zu nehmen und nicht nur Erwartungen zu erfüllen.

Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf als Schauspielerin?

Forcher: Vor allem auch im körperlichen Bereich. Wenn ich viel probe und spiele, schmerzt der Kehlkopf. Ohne die richtige Sprechtechnik sind meine Stimmbänder in zehn Jahren kaputt. Ich habe auch von Geburt an schweres Asthma. Ich brauche jeden Tag mehrmals einen Spray. Ich muss lernen, wie ich mit meiner angeschlagenen Lunge auf der Bühne umgehe.

Planen Sie die Rückkehr ans Tiroler Landestheater nach dem Ende Ihrer Lehr- und Wanderjahre?

Forcher: Planen lässt sich das nicht. Doch gerne komme ich zurück ans Landestheater in meiner Heimatstadt. Ich freue mich über jedes Engagement.

Das Gespräch führte Markus Schramek




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