Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 25.06.2019


Auszeichnungen

Opernhauptstadt für eine Nacht: Musiktheaterpreis in Innsbruck

Geglückte Debüts und vergoldete Abschiede bei der Verleihung der Österreichischen Musiktheaterpreise am Sonntag im Tiroler Landestheater.

Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz (Mitte) mit TSOI-Kapellmeister Hansjörg Sofka und Ensemblemitgliedern des Tiroler Landestheaters (TLT).

© GEPAModerator Christoph Wagner-Trenkwitz (Mitte) mit TSOI-Kapellmeister Hansjörg Sofka und Ensemblemitgliedern des Tiroler Landestheaters (TLT).



Innsbruck – Am Sonntagabend schlossen sich im Tiroler Landestheater gleich mehrere Kreise. 1961, bevor er die bedeutendsten Opernbühnen der Welt im Sturm eroberte, sang René Kollo in der Kino-Schmonzette „So liebt und küßt man in Tirol“ seinen ersten Hit – eine deutsche Version des Schlagers „Hello Mary Lou“. Gut sechs Jahrzehnte später wurde Kollo, der als Wagner-Interpret, aber auch als Florestan im „Fidelio“ Maßstäbe setzte, ausgerechnet in Tirol mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Und streute in seiner Dankesrede der bisweilen als Operettenstaat apostrophierten Opernnation Österreich Rosen.

Womit wir beim zweiten großen Kreis wären, der sich bei der 7. Vergabe der heimischen Opern-Oscars schloss: 1654 wurde in Innsbruck das erste frei stehende Opernhaus des deutschen Sprachraums eröffnet. „Opera is coming home“, erklärte Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier in Erinnerung daran. Und hatte prompt Grund zur Freude: Bereits der zweite Preis – die Auszeichnung für die beste weibliche Nebenrolle – ging mit Sophia Theodorides an ein Ensemblemitglied des Landestheaters. Allerdings an ein scheidendes. Theodorides wechselt im Herbst ans Staatstheater Karlsruhe. Und nimmt ihren preisgekrönten Part gleich mit: Dort wird sie als Olympia in Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ debütieren.

Karl Markovics wurde für seine erste Operninszenierung, „Das Jagdgewehr“ (Bregenzer Festspiele), als bester Regisseur ausgezeichnet.
Karl Markovics wurde für seine erste Operninszenierung, „Das Jagdgewehr“ (Bregenzer Festspiele), als bester Regisseur ausgezeichnet.
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Apropos Debüt: Mit seiner ersten Opernregie – der Uraufführung von Thomas Larchers „Das Jagdgewehr“ bei den Bregenzer Festspielen – wagte sich auch der vielfach ausgezeichnete Schauspieler Karl Markovics auf neues Terrain. Und überzeugte mit klarer Handschrift, die ihm nun den Regiepreis brachte.

Sophia Theodorides wechselt als Musikpreisgewinnerin vom Tiroler Landestheater ans Badische Staatstheater Karlsruhe.
Sophia Theodorides wechselt als Musikpreisgewinnerin vom Tiroler Landestheater ans Badische Staatstheater Karlsruhe.
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Auf dem besten Weg zur internationalen Karriere scheint auch der isländische Bassist Unnsteinn Árnason, der seit 2017 Ensemblemitglied in Innsbruck ist: Er wurde mit dem Preis als bester männlicher Nachwuchskünstler ausgezeichnet. Auch beim dritten Innsbrucker Preis spielte Árnason eine tragende Rolle: „Der Vetter aus Dingsda“, die erste Musiktheater-Regie des Schauspielers Thomas Gassner, wurde zur besten Operettenproduktion gekürt.

Unnstein Árnason gab den Egon im als beste Operette ausgezeichneten „Vetter aus Dingsda“ – und wurde als Nachwuchskünstler gewürdigt.
Unnstein Árnason gab den Egon im als beste Operette ausgezeichneten „Vetter aus Dingsda“ – und wurde als Nachwuchskünstler gewürdigt.
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Im Vorjahr gewann Camilla Lehmeier den Nachwuchs­preis. Am Sonntagabend lieferte sie mit Romanze „Connais-tu le pays“ aus „Mignon“ eine bestechende Talentprobe, die Staatsopern-Tenor Herbert Lippert, der mit dem Medienpreis ausgezeichnet wurde, Anlass gab, einen weiteren großen Bogen zu schlagen: Er werde überall auf der Welt auf das Musikland Österreich angesprochen, so Lippert. „Solche Auftritte unterstreichen, was das heißt: Im ganzen Land wird exzellente Musik gemacht – nicht nur in Wien.“ (TT)

7. Österreichischer Musiktheaterpreis: Alle Gewinner im Überblick

Beste Opern-Produktion: „Die Frau ohne Schatten“ (Musiktheater Linz).

Beste Operetten-Produktion: „Der Vetter aus Dingsda“ (Tiroler Landestheater).

Beste Musical-Produktion: „Ragtime“ (Oper Graz).

Beste Ballett-Produktion: „Roméo et Juliette“ (Volksoper Wien).

Beste weibliche Hauptrolle: Asmik Grigorian als Salome in „Salome“ (Salzburger Festspiele).

Beste männliche Hauptrolle: Pavel Petrov als Lenski in „Eugen Onegin“ (Oper Graz).

Beste weibliche Nebenrolle: Sophia Theodorides als Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“ (Tiroler Landestheater).

Beste männliche Nebenrolle: Stefan Cerny als Doktor in „Wozzeck“ am Theater an der Wien

Beste musikalische Leitung: Lorenzo Viotti für „Werther“ (Stadttheater Klagenfurt).

Beste Regie: Karl Markovics für „Das Jagdgewehr“ bei den Bregenzer Festspielen.

Beste Ausstattung: Stefanie Seitz für „Cardillac“ (Salzburger Landestheater).

Nachwuchspreise: Sonja Saric als Lenora in „Il Trovatore“ (Oper Graz); Unnsteinn Árnason als Mr. Kofner in „Der Konsul“ (Tiroler Landestheater).

Off-Theaterpreis: Oper Rund Um (Wien) für „Die Entführung aus dem Serail“.

Bestes Orchester: Bühnenorchester der Wiener Staatsoper.

Medienpreis: Herbert Lippert

Lebenswerk: René Kollo