Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Bühne

“Mermaids“ im Hofgarten: Abenteuersuche unter Palmen

Erfrischende Premiere von „Mermaids“ im Innsbrucker Hofgarten.

Der Weg zu den Mermaids soll kein leichter sein: Tamara Burghart, Michaela Senn und Martin Fritz (von rechts).

© Daniel JaroschDer Weg zu den Mermaids soll kein leichter sein: Tamara Burghart, Michaela Senn und Martin Fritz (von rechts).



Von Marianna Kastlunger

Innsbruck – Im Gegensatz zu mainstreamtauglichen Figuren wie Vampiren, Zauberern und Superhelden scheinen Meerjungfrauen ein Märchendasein zweiter Klasse fristen zu müssen. Warum bloß? Eine Frage, die sich in Martin Fritz’ Stück „Mermaids“ mit hoch- und popkulturellen Forschungsmethoden nicht eindeutig beantworten, aber immerhin neckisch und humorvoll beleuchten lässt, inklusive hegemonialem Männlich­keits-Bashing.

Dafür durchforsten Michaela Senn, Tamara Burghart und Martin Fritz sämtliche Standardwerke zum Thema und gelangen in bester Dschungelabenteuer-Manier zu unterschiedlichen Erkenntnissen. Etwa, dass spontane Assoziationen von Arielle zu den Glücksbärchis, diesen Teufelskerlen, viel aufschlussreicher sind, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Dass selbst die abstrusesten Theorien absolut glaubhaft rüberkommen, wenn sie von einer seriös wirkenden Expertin (Elena Ledochowski) mit dementsprechender Dokumentarfilmstimme erklärt werden. Oder dass die Intimteile der Meerjungfrauen stets bedeckt gehören, entweder durch muschelförmige Bikinis oder wallendes Haar. Eine goldene Darstellungsregel, die schon seit Jahrtausenden Instagram-tauglich ist.

Performt wird stets mit vollem Körpereinsatz und mehreren Sprüngen ins nicht ganz so kühle Nass des Palmenhauses. Erfrischend ist die Performance aber trotzdem dank der Vielfalt an popkulturellen, schlagfertig kommentierten Querverweisen, dank passend gewählter Musiktitel von Billie Eilish oder PJ Harvey, sowie dank des außergewöhnlichen Settings unter exotischen Pflanzen. Dieses wechselt nämlich bald in weitere Räume der Glaskonstruktion, worauf das sitzende Publikum aktiv werden und mitgehen muss. Klingt banal, ist in der Praxis aber nicht immer sofort umsetzbar. Wer die Komfortzone der klassischen Aufteilung Bühne-Publikum aber mit Neugierde verlässt, wird gewiss belohnt.

Nach den Stücken „Emma“ und „Hidden Track“ komplettiert Martin Fritz mit „Mermaids“ eine postmoderne Trilogie, die die Grenze zwischen Hochkultur und Trash freudvoll auflöst.

Bis 14. Juli sind weiter­e Aufführungen von „Mermaids“ geplant. Karten: ton.not@gmx.at. Die Plätze sind begrenzt. Empfohlen wird leicht­e Sommerbekleidung.