Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Bezirk Kitzbühel

Kitzbüheler Sommertheater: Mit Humor und viel Gefühl

Das Kitzbüheler Sommertheater legte eine fulminante Premiere hin. Mit der österreichischen Erstaufführung von „Die Tanzstunde“ konnte es wieder einmal das Publikum begeistern.

Sandra Cirolini und Leopold Dallinger begeistern im Stück „Die Tanzstunde“ als Senga und Ever das Publikum.

© Harald AngererSandra Cirolini und Leopold Dallinger begeistern im Stück „Die Tanzstunde“ als Senga und Ever das Publikum.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Zum nun bereits 17. Mal tritt das Sommertheater Kitzbühel an, um seinen Gästen die lauen Sommerabende zu versüßen. Am Donnerstagabend war es wieder so weit und die Premiere des heurigen Stücks „Die Tanzstunde“ von Mark St. Germain fand statt. Nach einem Galaempfang im Casino Kitzbühel konnte dann Theaterchefin Michaela Reith die Premierengäste im K3 KitzKongress empfangen, bevor sie das Wort an ihre Schauspieler Leopold Dallinger, er ist auch Intendant des Theaters und Regisseur, und Sandra Cirolini übergab.

Dallinger spielt in „Die Tanzstunde“ den Autisten Ever Montgomery, der für eine Preisverleihung tanzen lernen muss. Cirolini spielt seine Nachbarin Senga Qinn, eine Profitänzerin, die aber gerade verletzt ist und um ihre Karriere bangt. Ein herausforderndes Stück für die beiden, da Ever mit Köper- und Augenkontakt nicht umgehen kann und auch weder Humor versteht noch eine Mimik verzieht. Senga hingegen muss mit einer Orthese und mit Krücken das Tanzbein schwingen. Aber gleich vorweg, beide spielen ihre Rollen gewohnt großartig und man merkt, dass sie beim Sommertheater schon seit vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen.

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- Harald Angerer

Das Stück geht sehr bedacht mit Autismus um und lässt den Zuschauer ein wenig in die Welt eines Menschen mit dieser Anomalie blicken. Dallinger spielt die Rolle höchst glaubwürdig und begeistert trotz der Einschränkungen mit unglaublichem Charme und Witz. Auch Cirolini kann als Senga vollkommen überzeugen, sie muss sich auf ihren Nachbarn Ever einstellen und im Verlauf des Stücks kommen sich dann beide näher.

Die Probleme im zwischenmenschlichen Umgang von Ever werden mit viel Gespür, aber auch viel Humor gespielt. Nie billig oder zulasten von Ever, sondern immer auf die Situation bezogen. So räumt Ever beim ersten Kennenlernen schon das Zimmer von Senga auf. Fans der Fernsehserie „The Big Bang Theory“ werden hier an den Charakter von „Sheldon“ erinnert.

Trotzdem regt das Stück auch zum Nachdenken an und wie es sich für das Sommertheater Kitzbühel gehört, knistert es nach kurzer Zeit schon zwischen Ever und Senga und es kommen noch die gefühlvollen und romantischen Momente dazu. Ohne das Ende des Stücks vorwegzunehmen, ist der Höhepunkt des Abends eine geträumte Tanzszene, bei der Cirolini und Dallinger gekonnt das Tanzbein schwingen. Wer also einen niveauvollen, lustigen Abend mit Romantik verbringen will, dem sei „Die Tanzstunde“ wärmstens ans Herz gelegt.

Gespielt wird „Die Tanzstunde“ noch bis zum 16. August, immer am Donnerstag und Freitag im K3 KitzKongress in Kitzbühel. Weitere Infos und auch Kartenreservierung gibt’s unter

www.sommertheaterkitzbuehel.at .

- Harald Angerer