Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.07.2019


Festspiele Erl

Liebe, Folter des Herzens

Mozarts Opernfragmente halbszenisch und mit jungen Stimmen besetzt bei den Tiroler Festspielen Erl.

Mozart zu Diensten (von links): Hui Jin, James Roser, davor Anna Werle als Mozart und Sophie Gordeladze.

© Peter KitzbichlerMozart zu Diensten (von links): Hui Jin, James Roser, davor Anna Werle als Mozart und Sophie Gordeladze.



Von Ursula Strohal

Erl – „Erntedank“ heißt in Erl über das bäuerliche Brauchtum hinaus auch der musikalische Schwerpunkt der Festspiele im Oktober. Der wunderbar ernst genommenen und doch nicht beschwerten Aufführung von „Il re pastore“ 2017 sollte in dieser Mozart-Reihe 2018 „Zaide“ folgen, diese wurde aufgrund des Skandals um Gustav Kuhn aber abgesagt. Da Mozart, wie Kuhn betonte, zu seinen Fixsternen zählt, wuchs „Erntedank“ als Bezeichnung für die Mozart-Tage eine persönliche Bedeutung zu.

Nun, nach Kuhn, wurde im Rahmen der Sommerfestspiele die unvollendete „Zaide“ in wesentlichen Ausschnitten nachgeholt. Kombiniert mit Arien und Szenen aus Mozarts Opernfragmenten „L’oca del Cairo“ (Die Gans von Kairo) und „Lo sposo deluso“ (Der getäuschte Bräutigam) sowie mit Liedern. Neben der bekannteren, hochbedeutenden „Zaide“ erwiesen sich auch die anderen Beispiele als einfallsreicher, auch witziger Mozart.

Den beiden Buffo-Opern auf Libretti, die mit ihren Stereotypen auf die Commedia dell’arte zurückgehen, musikalisch aber, wie könnte es bei Mozart anders sein, zwar Formen ausfüllen, aber keine melodiöse Formelhaftigkeit kennen, steht die Traditionen brechende, ins Musikdrama vorausweisende „Zaide“ gegenüber. Hier wurde geschickt ausgewählt.

Zaide, gesungen vom wachsenden, weichen Sopran Sophie Gordeladzes, präsentierte ihre drei unterschiedlichen Arien, Santiago Sanchez, der Sultan in Mozarts erster Türkenoper, sein über die „Verfluchte Liebe, Folter des Herzens“ wütendes Melodram samt Arie. Hui Jins Tenor (Gomatz), der sich verfestigt, wächst über Mozart hinaus.

In verschiedenen Rollen zu hören waren weiters ohne Schwachstellen James Roser, Giorgio Valenta, der sein komisches Talent einsetzen konnte, Anna Werle, Viktoriya Liashkevich und Szymon Chojnacki.

Beomseok Yi, der in Erl bereits die „Zauberflöte“ dirigiert hat, machte sich mit Lust und der nötigen Information an eine eigene Instrumentierung von Teilen von „L’oca del Cairo“ und „Lo sposo deluso“ und dirigierte das folgsame Festspielorchester mit Einsatz und Verve. Was fehlte, sind in Arien wie besonders Zaides „Ruhe sanft“ eben die Ruhe, auch Klangsinnlichkeit – Mozarts Zärtlichkeit und so unvergleichlich aufblühender Zauber.

Charlotte Leitner schloss in ihrer szenischen Einrichtung an die in Erl wiederholt eingesetzte „Hall Opera“, die halbszenische Präsentation, an. Die kostümierten Sänger agieren vor einem goldschimmernden Prospekt auf leerer Bühne auf einem und rund um ein Stufenpodest. Alle Aufmerksamkeit gehört der Musik.




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