Letztes Update am Do, 01.08.2019 08:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Volker Heißmann: Gefängniswärter mit derbem Humor

Volker Heißmann wird ab morgen beim Operettensommer in Kufstein mitwirken. Ein Gespräch über seine Rolle als Gefängniswärter „Frosch“.

Volker Heißmann verbrachte jeden Urlaub seiner Kindheit und Jugend in Tirol. Nun steht er in Kufstein erstmals auf der Bühne.

© Foto TT/Rudy De MoorVolker Heißmann verbrachte jeden Urlaub seiner Kindheit und Jugend in Tirol. Nun steht er in Kufstein erstmals auf der Bühne.



Beim diesjährigen Operettensommer in Kufstein wird „Die Fledermaus“ von Johann Strauss aufgeführt. Die Handlung dieser bekannten Operette spielt im 19. Jahrhundert und ist von turbulenten Verwechslungen geprägt. Sie werden den ewig angeheiterten Gefängniswärter „Frosch“ spielen.

Volker Heißmann: Ganz genau, in der offiziellen Fassung der „Fledermaus“ von Johann Strauss kommt allerdings nur ein Frosch vor, aber beim Operettensommer in Kufstein ist ein Frosch nicht genug. (lacht) Deshalb spielen Gerald Pichowetz und ich die „doppelten Frösche“.

Zur Person

Volker Heißmann wurde 1969 im bayrischen Fürth geboren. Er ist Komödiant, Sänger und Theaterdirektor. 1998 eröffnete Heißmann zusammen mit Schauspielkollegen die „Comedie Fürth“. Heißmann ist ab Freitag, dem 2. August, in „Die Fledermaus“ in Kufstein zu sehen. Informationen und Tickets unter: www.operettensommer.com>

Die Proben haben bisher in Wien stattgefunden. Wie war die Zusammenarbeit mit Gerald Pichowetz?

Heißmann: Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Wir können uns die Pointen perfekt gegenseitig zuwerfen. Ich habe Gerald Pichowetz erst vor einem Jahr kennen gelernt. Es ist unsere erste Zusammenarbeit.

Was ist das Besondere an diesen „doppelten Fröschen“?

Heißmann: Es kommt zu einem verbalen Schlagabtausch, und das liefert viel dramaturgische Energie. Es wird sehr viel improvisiert. Pichowetz wird sich die österreichische Politik vornehmen, von Kurz bis Strache. Ich werde mich u. a. der Tiroler Transitproblematik humorvoll annähern. Die Konstellation ist insofern lustig, als Pichowetz den Urwiener Schmäh mitbringt, und ich verkörpere gewissermaßen „die deutsche Gründlichkeit“. Ich will dem betrunkenen Wiener Gerichtsdiener Vorschriften machen. Am Ende jedoch werde ich so mit Alkohol abgefüllt sein, dass wir beide sturzbetrunken das Chaos vollenden werden.

Volker Heißmann (l.) und Gerald Pichowetz spielen in der Operette „Die Fledermaus“ zwei sturzbetrunkene Gefängniswärter.
Volker Heißmann (l.) und Gerald Pichowetz spielen in der Operette „Die Fledermaus“ zwei sturzbetrunkene Gefängniswärter.
- Operettensommer Kufstein

Wie sind Sie zu dieser humorvollen, aber auch anspruchsvollen Rolle gekommen?

Heißmann: Kammersänger Bobby Foster, der letztes Jahr auch bei „Anatevka“ mitwirkte, hatte einen Gastauftritt in unserem Theater in Fürth. Er erzählte mir, dass Pichowetz den Frosch spielen wird, und so habe ich ihm vorgeschlagen, dass ich den zweiten Frosch verkörpern könnte. Es gelang uns, den künstlerischen Leiter Sascha Nader von dieser Idee zu überzeugen.

Haben Sie diesen „doppelten Frosch“ schon einmal gespielt?

Heißmann: Ja, gemeinsam mit meinem langjährigen Bühnenkollegen Martin Rassau. Er wird in dieser Fledermaus aber Prinz Orlofsky verkörpern. Mit ihm zusammen und mit drei anderen Kollegen betreibe ich in meinem Heimatort, dem bayerischen Fürth, ein Gastspieltheater. Wir waren die Ersten, die nach dem Zweiten Weltkrieg diese „doppelten Frösche“ an unserem Theater, der „Comedie Fürth“, aufgeführt haben. Das Staatstheater Nürnberg hat das Stück schließlich übernommen und uns engagiert. Schon Karl Valentin und Ferdl Weiß haben diese Frösche 1941 im Münchner Gärtnerplatz-Theater gespielt.

Ist es Ihr erster Auftritt hier in Tirol?

Heißmann: Ja, es ist für mich ein Highlight, heuer in Kufstein dabei zu sein, vor allem, weil ich einen starken persönlichen Bezug zu Tirol habe. Über dreißig Jahre lang habe ich mit meinen Eltern im Alpbachtal Urlaub gemacht und den Gastwirten bei der Arbeit geholfen, in der Imbissbude mitgearbeitet oder im Supermarkt Regale eingeräumt. Mich hat dieser derbe, aber auch fein nuancierte Humor der Tiroler sehr geprägt.

Sie spielen oft den geistig nicht so regen Tölpel. Wie kommt das?

Heißmann: Ich war schon in der Schule der Clown. Der „Tölpel“ ist sozusagen meine Lieblingsrolle. Im Lachen steckt für mich eine besondere Magie, es schafft eine Nähe zum Publikum. Manchmal muss man ja auch halbkrank auf die Bühne. Nicht selten habe ich die Erfahrung gemacht, dass mich das Lachen des Publikums während des Auftritts geheilt hat. Ich bin davon überzeugt, dass es vielen Menschen helfen würde, wenn sie einmal am Tag den Deppen spielen würden. Es ist wie ein Katalysator. Aber ich spiele auch ernste Rollen, etwa in „Little Me“, einem Musical, in dem ich insgesamt sieben Rollen verkörpere.

In Ihrem Theater in Fürth beschäftigen Sie 80 Mitarbeiter, doch Sie bekommen keine Subventionen. Sie sind also nicht nur Schauspieler, sondern auch Unternehmer.

Heißmann: Das ist richtig, aber vor allem verkaufe ich mich selbst. So gesehen bin ich „Prostituierter“, denn ich bin auch für Glücksmomente zuständig. Nur dauern die Glücksmomente im Theater länger. (lacht)

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl