Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.08.2019


Bühne

“Der Vorwand“ in Telfs: Liebe und Verrat im Ikea-Wohnzimmer

„Der Vorwand“ kam im Rahmenprogramm der Volksschauspiele Telfs am Samstag zur Premiere.

Monika Pallua (Clara) und Benjamin Ulbrich (Mathieu) kämpfen um ihre verflossene Liebe.

© Stadttheater BruneckMonika Pallua (Clara) und Benjamin Ulbrich (Mathieu) kämpfen um ihre verflossene Liebe.



Von Barbara Unterthurner

Telfs – Sie ist wieder da. Fünf Monate herrschte Funkstille. Mathieu hatte nichts von Clar­a gehört – bis zu dem Abend, als der Verlassene seine Ex wieder in seiner Wohnung schnüffelnd vorfindet. Sie auf der Suche nach Geld, er auf jener nach Erklärungen. Und mitten drinnen Bruder Christof und ein ganzer Haufen Vorwände, der die eigentliche Wahrheit mit mehr oder minder geschickten Lügen überdeckt.

Als „großes, kleines Stück über die Liebe“ kündigt sich „Der Vorwand“ im Rahmenprogramm der diesjährigen Volksschauspiele in Telfs an. Und was bei der Kooperation des Telfer „Theaters im Container“ mit dem Stadttheater Bruneck bei der Premiere am Samstag herauskam, bleibt, wie schon die Ankündigung vermuten lässt, lieber vage – wie eine sommerliche Brise, die das Theaterpublikum aber größtenteils kaltlässt.

Und das, obwohl es wortwörtlich hitzig wurde im atmosphärischen Kranewitter Stadl – genauso wie im Dreipersonenstück unter der Regie von Oliver Karbus: Schließlich verhandeln die Figuren – und an dieser Stelle folgt das Stück seiner eigenen Ankündigung – wortstark die großen Themen im Kleinen: Es geht um die Liebe genauso wie um die Freiheit, das Vertrauen, Zuneigung und Verrat, und das alles im durchschnittlich von Ikea bestückten Wohnzimmer.

Was Klaus Gasperi als Bühnenbildner gut gelingt, ist der Blick auf das Geschehen in zwei Perspektiven; deshalb passend, weil auch die Figuren im Laufe der Handlung den berühmten zweiten Blick einfordern: Clara wird von der bösen Ex-Freundin zur Verratenen, Christof vom guten Bruder zum Lügner – nur Mathieu bleibt Opfer. Brisant­e Entwicklungen, denen die Schauspieler kaum folgen können: Die Bruneckerin Monika Pallua als Clara gibt dabei das Tempo vor, Mathie­u (Benjamin Ulbrich) und Chris­tof (Andreas Hartner) werden mitgezogen. Ulbrich kauft man den schwarzhumorigen Literaturprofessor noch gerne ab – leider ist Mathieus Zynismus dann aber zu dünn gesät, um wirklich dauerhaft ein Schmunzeln beim Zuseher hervorzukitzeln.

Ebenso wie das Stück in seiner Ganzheit zu wenig Sprengkraft hat, um als tragisch-komische Darstellung tiefer zu berühren. Somit ist „Der Vorwand“ in Telfs eher ein kleines Stück, das an den großen Themen scheitert.




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