Letztes Update am Mi, 14.08.2019 12:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


#MeToo

Belästigungsvorwürfe gegen Opernstar Domingo: Bereits abgesagte Konzerte

Der Spanier soll mehrere Sängerinnen und eine Tänzerin sexuell belästigt haben. Einige bevorstehende Konzerte wurden schon abgesagt, die von Domingo geführte Oper leitet Ermittlungen ein.

Der Spanier soll mehrere Sängerinnen und eine Tänzerin sexuell belästigt haben.

© AFPDer Spanier soll mehrere Sängerinnen und eine Tänzerin sexuell belästigt haben.



New York, Salzburg – Der 78-jährige spanische Opernstar Plácido Domingo hat Vorwürfe sexueller Übergriffe zurückgewiesen. „Die Anschuldigungen dieser ungenannten Personen, die bis zu dreißig Jahre zurückliegen, sind zutiefst beunruhigend und – so wie sie dargestellt werden – unzutreffend“, so Domingo in einer Stellungnahme. Es sei schmerzhaft zu hören, dass er jemanden verletzt haben könnte oder Unwohlsein verursacht habe, erklärte Domingo in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur in New York am Dienstagabend vorlag. „Ich habe geglaubt, dass all meine Handlungen und Beziehungen immer gewünscht und einvernehmlich waren.“ Er erkenne jedoch an, dass sich heutige Regeln und Standards von denen der Vergangenheit unterschieden.

Ungewollte Küsse und Umarmungen

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP haben mehrere Sängerinnen und eine Tänzerin dem Opernstar sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Die Frauen berichteten demnach von Umarmungen, von Küssen auf den Mund, von nächtlichen Telefonanrufen und davon, dass Domingo auf private Treffen gedrängt habe. Betroffene hätten auch von negativen Folgen für ihre Karriere berichtet, nachdem sie sich Domingos Annäherungsversuchen verweigert hätten. Die betroffenen Frauen äußerten sich mit einer Ausnahme anonym. Die angeblichen Übergriffe reichen demnach bis zu drei Jahrzehnte zurück.

Nach den Vorwürfen kündigte die von Domingo geleitete Oper in Los Angeles eigene Ermittlungen an. „Die LA Oper wird externen Rechtsbeistand hinzuziehen, um die entsprechenden Vorwürfe in Bezug auf Plácido Domingo zu untersuchen“, teilte eine Sprecherin in einer Stellungnahme mit. Domingo leitet das Haus als Generaldirektor seit 2003.

US-Häuser sagen Konzerte ab

Die Orchestervereinigung von Philadelphia und die Oper von San Francisco sagten die Auftritte des 78-jährigen ab. Die Metropolitan Oper in New York erklärte, sie werde das Ergebnis der Untersuchung in Los Angeles abwarten, bevor sie eine endgültige Entscheidung über die Zusammenarbeit mit Domingo treffe.

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Auftritt bei den Salzburger Festspielen findet statt

Domingos Auftritt in der konzertanten Fassung der „Luisa Miller“ am 25. und 31. August bei den Salzburger Festspielen soll ungeachtet der Vorwürfe stattfinden. Darüber sei sich das Direktorium einig, sagte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einem der APA vorliegenden Statement. Sie kenne den Sänger seit mehr als 25 Jahren: „Zu seiner künstlerischen Kompetenz hat mich von Anfang an sein wertschätzender Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Festspiele beeindruckt.“ Als Juristin gelte für sie der Grundsatz „In dubio pro reo“ („Im Zweifel für den Angeklagten“).

„Ich fände es sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen“, sagte Rabl-Stadler.

Wiener Staatsoper wartet ab

Man wolle sich nach den Ende August ablaufenden Theaterferien ausführlich mit der Causa befassen, Gespräche führen und dann entscheiden, heißt es gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA von der Wiener Staatsoper. Placido Domingo ist heuer noch für drei Auftritte in Verdis „Macbeth“ ab dem 25. Oktober im Haus am Ring angekündigt. Außerdem soll er dort am 20. Oktober im Rahmen der Europäischen Kulturpreisgala ausgezeichnet werden. (APA/TT.com)