Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.09.2019


Innsbruck

„Die Wüste der Arbeit“: Arbeit an der Arbeit

Das Stück „Die Wüste der Arbeit“ untersucht Erwerbstätigkeit zwischen ökonomischem Zwang und Selbstverwirklichung. Ab heute im Innsbrucker Brux.

Ein neues Stück untersucht industrielle und postindustrielle Arbeitswelten.

© Die Wüste der ArbeitEin neues Stück untersucht industrielle und postindustrielle Arbeitswelten.



Innsbruck – Der moderne Arbeitsbegriff ist schon ziemlich alt. Genau genommen ist er sogar um einiges älter als die Moderne selbst. 540 nach Christus formulierte Benedikt von Nursia eine Betriebsanleitung fürs klösterliche Miteinander: Ora et labora, bete und arbeite. Oder ins Zeitgemäße verweltlicht: Lebe und arbeite. „Die Beobachtung, dass sich nach Manufaktur und Industrie ein neues Arbeitsverständnis entwickelt hat, das an benediktinische Ideale andockt, interessiert mich“, sagt Fabian Faltin.

Gemeinsam mit Lia Sundermann und Marc Mühlenbach hat sich Faltin in den vergangenen Monaten an der Arbeit abgearbeitet, Interviews mit Wirtschaftstreibenden, Interessenvertretern und Arbeitenden geführt, in Gewerbeparks und Industrieanlagen, aber auch in Co-Working-Spaces recherchiert, Sach- und Fachliteratur zum Thema studiert. Herausgekommen ist das Stück „Die Wüste der Arbeit“. Eine „Werksführung“, die heute Abend im Innsbrucker Brux zur Uraufführung kommt. „Eine Work in Progress“, wie Lia Sundermann sagt, „der Versuch, das Spannungsfeld von ökonomischen Zwängen und Selbstverwirklichung abzustecken – und auf die Strukturen hinter anonymen Glasfassaden zu blicken.“ In Form eines Stationentheaters werden Facetten des Themas beleuchtet – und Fragen gestellt: Wie hat sich das Bild von Arbeit verändert? Warum werden Angestellte inzwischen ausgestellt? Wieso bleiben bestimmte Arbeiten, etwa Pflege, weiterhin unsichtbar? Lassen sich Digitalisierung und Arbeitskampf zusammendenken? Oder ist Solidarität in Zeiten von Ich-AGs, die in jedem potenziellen Mitstreiter einen Konkurrenten sehen, unmöglich geworden? Bei der Suche nach Antworten greifen Sundermann, Faltin und Mühlenbach auch auf Erfahrungen aus der eigenen Arbeitsbiografie zurück. Mühlenbach etwa, der selbst erfolgreich in der Start-up-Szene arbeitet, bietet – neben Gitarrenrock, Video-Projektionen und Live-Chats, mit denen „Die Wüste der Arbeit“ auch aufwartet – ein Innovations-Seminar für Gründer und solche, die es noch werden wollen, an. (jole)

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