Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.10.2019


Burgtheater

„Theblondproject“: Bruchlandung in beherztem Blond

Caroline Peters und Gesine Danckwart präsentieren „Theblondproject“ im Kasino des Burgtheaters.

Viel Aufwand und dennoch ziemlich altbacken: Die performative Theater-Installation lahmt trotz Starbesetzung.

© Marcella Ruiz CruzViel Aufwand und dennoch ziemlich altbacken: Die performative Theater-Installation lahmt trotz Starbesetzung.



Wien – Eigentlich will man ja die Blondinenwitze gerne dem in jüngeren Jahren wahrscheinlich auch mit Blondhaar ausgestatteten selbsternannten österreichischen Medien-Zaren überlassen, in dessen allzeit alerter Online-Gazette man diese in all ihrer Derbheit nachlesen kann. Dann aber stolpert man im Programmheft der performativen Theaterinstallation „Theblondproject“ über einen solchen, in den sich ungewollt ein grammatikalischer Fehler eingeschlichen hat – sehr lustig, wenn ein Witzchen „abstürtzt (sic!)“. Weniger lustig, wenn ein Theaterabend, der sich dem spannenden Diskurs über Urteil und Vorurteil, „Farbe“ oder „Haltung“, kurz dem blonden Haar als (frauen-)politischer Kategorie verschreibt, in den Untiefen von Klischee und Plattitüde versinkt.

Die Autorin und Regisseurin Gesine Danckwart und die mehrfach ausgezeichnete und nicht zuletzt als Kommissarin der Erfolgsserie „Mord mit Aussicht“ einem breiten Fernsehpublikum bekannte Burgschauspielerin Caroline Peters entwickelten mit der Berliner „Chez Company“ einen seltsamen Zwitter – etwas Ausstellung, etwas interaktive Intervention mittels „Avatar“ Thekla Kaischauri, die das Geschehen mit Live-Kamera verfolgt, und ein ziemlich uninspirierter klassischer Monolog-Teil, den Peters natürlich mit großartiger Verve über die Bande spielt.

In grellblonder Perücke und Abendrobe kalauert sie sich als Blondinen-Ikone in allerlei assoziativen Schleifen von der Filmdiva Rita Hayworth und deren Handschuh-Striptease aus „Gilda“ zu Atombombe und Bikini, von Alfred Hitchcocks Vorliebe für blonde Darstellerinnen bis zu Angela Merkel.

Gesine Danckwart kann da, trotz witzigem King-Kong-Anzug zum Blondhaar, nur verlieren, gerät ihr Text mangels Schauspiel doch zum trockenen Vortrag. Musikalisches Leitmotiv der Unternehmung ist, nicht gerade rasend originell, der Sailor-Hit „Girls, Girls, Girls“ aus dem fernen Jahre 1976. Nach achtzig Minuten, bemerkenswerterweise ohne greifbaren Verweis auf jene zwei männlichen Blondinen, die augenblicklich die Europa- beziehungsweise Weltpolitik unangenehm aufmischen, darf man bei einem „kühlen Blonden“ mittels Beantwortung eines Fragebogens selbst Teil von „Theblondproject“ werden. Na ja. (lietz)