Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.10.2019


Bühne

“All das Schöne“ in Innsbruck: Eine Million Gründe um weiterzuleben

„All das Schöne“ stellt im Innsbrucker Theater Praesent große Fragen – und findet hinreißende Antworten. Auch für den Kampf mit den eigenen Dämonen.

Daniela Bjelobradic zählt in „All das Schöne“ Dinge, Zustände und Situationen, die das Leben lebenswert machen.

© Trenkwalder/Theater PraesentDaniela Bjelobradic zählt in „All das Schöne“ Dinge, Zustände und Situationen, die das Leben lebenswert machen.



Innsbruck – Wofür lohnt es sich zu leben? Eine große Frage. In Duncan Macmillans Theatermonolog „All das Schöne“ ist es der Selbstmordversuch einer Mutter, der ihre siebenjährige Tochter nach Antworten suchen lässt. Sie beginnt eine Liste zu führen, die zum lebenslangen Projekt wird. Durch lichte und durch dunkle Tage. Zunächst, um den Lebensüberdruss ihrer Mutter zu bekämpfen. Irgendwann, um den eigenen Dämonen die Stirn zu bieten. Es beginnt mit der grünen Hälfte vom Twinnie-Eis und endet – Jahre später – mit der wahrlich bemerkenswerten Information, dass Beyoncé eine Cousine vierten Grades von Gustav Mahler ist.

Erzählt wird „All das Schöne“ gewissermaßen in Rückblenden – als Coming-of-Age-Geschichte aus der Perspektive einer Herangewachsenen. Die wird im Innsbrucker Theater Praesent, wo das Stück seit Mittwoch auf dem Spielplan steht, von Daniela Bjelobradic hinreißend hibbelig gespielt. In der Inszenierung von Elke Hartmann gelingt selbst die Gratwanderung des Mitmachtheaters: Manche Zuschauer verlesen einzelne Listeneinträge, andere werden stellvertretend für bestimmte Figuren direkt angesprochen.

Dass die Liste als Lebensretter für die kranke Mutter versagt, zeichnet sich bald ab. Was aber wenig an den wirklich, wirklich schönen Dingen ändert, die auf gelben Post-It-Zetteln irgendwann die ganze Wand füllen (Bühnenbild: Alexia Engl): Ein Schlagzeugsolo von Gaylord Birch, Spaghetti Bolognese oder „Jemanden sehen, der gerade noch den Zug erwischt hat, während die Türen sich schließen Blickkontakt haben, und den kleinen Sieg mit ihm feiern“.

All das erinnert auch in gefühlter Aussichtslosigkeit daran, dass es besser werden kann. „Nicht unbedingt immer absolut schön. Aber besser.“ Wobei „All das Schöne“ dem absolut Schönen schon ziemlich nahe kommt. (jole)

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