Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.10.2019


Bezirk Schwaz

Drama vor Heimatfilmkulisse: Schwazer Theatergruppen suchen Spielort

Die Stadtgemeinde Schwaz will sich mit möglichen Spielorten für Theatergruppen beschäftigen. Im Mehrzwecksaal der Gemeinde Bruck zeigt indes der Theaterverein Bruck, was eine kleine Dorfbühne alles möglich machen kann.

In „Koglwind, liaba kaiserlich sterben, als bayrisch leben“ werden die Schicksale einer Familie in Bruck in den Kriegswirren beleuchtet.

© DählingIn „Koglwind, liaba kaiserlich sterben, als bayrisch leben“ werden die Schicksale einer Familie in Bruck in den Kriegswirren beleuchtet.



Von Angela Dähling

Schwaz, Bruck a. Z. – Sieben Theatergruppen gibt es in der Bezirkshauptstadt Schwaz. Nur eine davon hat mit dem Lendbräukeller einen fixen Spielort. „Bei den anderen stellt sich oft das Problem: Wo proben wir und wohin mit den Requisiten?“, weiß Bürgermeister Hans Lintner. Das sorge zwar für viel Kreativität die Spielorte betreffend, es gebe aber Forderungen nach einer Bühne bzw. einem Probelokal. Die Stadtgemeinde werde sich laut Lintner nun mit dem Thema beschäftigen.

Im Mehrzwecksaal der Gemeinde Bruck zeigt indes der Theaterverein Bruck, was eine kleine Dorfbühne alles möglich machen kann. Dort wird noch bis zum 24. November das Volksstück „Koglwind – liaba kaiserlich sterben, als bayrisch leben“ aufgeführt. Geschrieben hat es Claudia Brand­acher – Lehrerin, Laiendarstellerin seit ihrem 13. Lebensjahr und seit 2007 Spielleiterin in Bruck. Mit eigenem Stück, umrahmt von Live-Musik, sowie mit kreativen Videoeinspielungen auf der an einen Heimatfilm erinnernden, aufwändig ausgestatteten Bühne hebt sich diese Dorfbühnenproduktion von anderen ab. Auch wenn mitunter das Drehelement auf der Bühne und der wippende falsche Vollbart eines Hauptdarstellers unfreiwillig für Komik sorgen – das Stück ist alles andere als ein Bauernschwank. Vordergründig geht es um den Aufstand an der Zillerbrücke im Jahr 1809 und die Schlacht zwischen 618 Männern aus der Region rund um den Rei­therkogl und der 3000 Mann starken französisch-bayerischen Armee.

Doch Claudia Brandacher interessierten bei ihrem Debüt als Volksstück-Autorin neben den historischen Ereignissen, in die sie ein Jahr lang Recherchearbeit investierte, vor allem die Schicksale dahinter. Eine kinderreiche Holzarbeiterfamilie steht hier symbolisch für die damalige Zeit. Eine Zeit, in der das Schlagen von Kindern und Schänden von Dienstmägden nichts Außergewöhnliches war. Eine Zeit, in der der Schlachtruf „Der Boar muss weg“ aus den Wirtshäusern hallte und Hass, Misstrauen, Fanatismus und Verzweiflung nichts von der dörflichen Idylle übrig ließen. Ein berührendes Stück mit über 30 Darstellern, bei denen speziell die Kinder besonders glaubhaft ihre Rollen verkörpern. Nächster Spieltermin: 26. Oktober, 20 Uhr.




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