Letztes Update am Mi, 09.12.2015 06:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ORF-Landkrimi

Franzsika Weisz im TT-Interview: Emotionale Reisen auf das Land

Franziska Weisz, die morgen im ORF-Landkrimi zu sehen ist und demnächst im NDR-Tatort ermittelt, über Politik und Träume.

Franziska Weisz im Landkrimi „Kreuz des Südens“ (Do., 20.15 Uhr, ORF eins). Am Donnerstag ist sie auch bei „Stöckl“ (23.05 Uhr, ORF 2) zu Gast. Als Kommissarin Julia Grosz soll sie im Frühjahr im Hannover-„Tatort“ „Himmelfahrt“ zu sehen sein.

© ORFFranziska Weisz im Landkrimi „Kreuz des Südens“ (Do., 20.15 Uhr, ORF eins). Am Donnerstag ist sie auch bei „Stöckl“ (23.05 Uhr, ORF 2) zu Gast. Als Kommissarin Julia Grosz soll sie im Frühjahr im Hannover-„Tatort“ „Himmelfahrt“ zu sehen sein.



Im Burgenland-Landkrimi stehen Sie erneut mit Andreas Lust vor der Kamera. In dem Film „Der Räuber“ wurden Sie als Paar gefeiert, war sein Mitwirken ein Anreiz die Rolle anzunehmen?

Franziska Weisz: Diesmal ist die Konstellation eine ganz andere, aber es ist komplett egal, in welchem Handlungsrahmen ich auf Andreas treffe, es ist immer eine super Arbeit.Das war auf jeden Fall ein Anreiz. Damit ich ein Projekt annehme, muss zuerst das Buch gut sein, und die Rolle sollte möglichst eine sein, die ich nicht schon dreißigmal gespielt habe.

Sie spielen eine alleinstehende Frau, die mit Ihrer pubertären Tochter zu kämpfen hat. War Ihre Mutter, die ebenfalls Alleinerzieherin war, da ein Vorbild?

Weisz: Meine Mutter ist sowieso in vielen Dingen mein Vorbild. Als ich die Dialoge gelesen habe, habe ich tatsächlich sehr an meine Mutter gedacht, aber ich habe sie nicht nachgespielt. Im Landkrimi bin ich eine Frau, die sich nicht mit Dorftratsch abgibt. Sie weiß, dass sie von allen Seiten beobachtet wird, sie wird von vielen kritisiert, aber sie macht ihr Ding. Sie ist ganz schön freizügig gekleidet, sie ist komplett weiblich, aber sie ist nicht gefällig. Dieser oft bemühte Begriff der starken Frau nervt mich immer ein bisschen und sie ist eine, die das nicht von sich sagen würde. Aber sie ist komplett auf sich gestellt.

Sie haben Ihre Karriere bei österreichischen Autorenfilmern gestartet, in den letzten Jahren hat es Sie verstärkt in Richtung Krimi gezogen, mit dem „Tatort“ sind Sie nun in der Königsklasse angelangt.

Weisz: Zurzeit läuft alles unter dem Label „Krimi“ wahnsinnig gut, plötzlich muss alles Krimi sein. Ich schaue nicht auf das Genre, aber wenn mir das Drehbuch gefällt und ich im Idealfall nicht schon bei der Mitte weiß, wie es ausgeht, dann mache ich das mit Hingabe und Leidenschaft, ganz egal in welchem kommerziellen Rahmen das steckt. Für die Geschichte, die in „Kreuz des Südens“ erzählt wird, eine Geschichte über Heimat, das Nachhausekommen und familiäre Wurzeln, ist der Krimiplot ein gutes Vehikel.

Gesellschaftskritik und politisches Bewusstsein scheinen in Krimis generell an Bedeutung zu gewinnen – der NDR-„Tatort“ gab etwa Flüchtlingen ein Gesicht. Sie haben Politik studiert, sind Krimis das richtige Format für solche Themen?

Weisz: Ich finde, es ist eine ganz große Qualität an dem Format „Tatort“, dass immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen werden. Aber das macht nicht nur der „Tatort“, sondern ganz viele andere auch. Ich finde es sehr schön, wenn ich durch meine Arbeit Menschen Themen nahebringen kann. Das ist der große Anreiz meines Berufs. Ich liebe Dokumentationen, aber es gibt viele Leute, denen das zu fad ist. Wenn man Menschen emotional auf eine Reise mitnimmt, bleiben die fiktionalen Geschichten besser hängen.

War die Rolle im „Tatort“ ein Traum von Ihnen?

Weisz: Als sich herausgestellt hat, dass ich die Rolle spielen darf, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Einen Fall haben wir ja schon gelöst und die Arbeit mit Wotan (Wilke Möhring, Anm.) ist wirklich wunderschön, sehr lustig und sehr spannend. Bei den Kommissaren prallen auf jeden Fall zwei Temperamente aufeinander, sie will nicht gefallen und das hat mich gereizt, mehr kann und darf ich dazu noch nicht sagen.

In einem Interview zur ORF-Krimireihe „Janus“ haben Sie sich gewundert, dass Sie nie gefragt werden, ob Sie es nicht verrückt finden, auf andere zu schießen. Wie verrückt finden Sie es denn?

Weisz: Ich finde es tatsächlich völlig wahnsinnig. Die grauenvolle Leichtigkeit, mit der man Leben auslöschen kann, ist unfassbar und für mich völlig unvorstellbar. Ich bin kein Waffennarr, ich fühle mich nicht besser oder toller, wenn ich für den Dreh eine Waffe in der Hand halte.

Sie haben Ihre Masterarbeit 2004, kurz vor dem Dreh für „Hotel“ fertiggeschrieben, ist das Studium ein Plan B?

Weisz: Der Berufswunsch Schauspielerei war immer da, aber eher als Traum, weil ich nicht dachte, dass das irgendwie realistisch sein könnte. Ich habe aber tatsächlich das studiert, was mich am meisten interessiert, und das ist, wie wir auf unserem Planeten leben können, ohne ihn auszubeuten. Das ist ein Thema, das noch aktueller geworden ist. Ich würde das jederzeit wieder studieren. Plan B würde ich nicht sagen, aber ich versuche, möglichst viel von dem Gelernten in den Beruf einfließen zu lassen.

Das Gespräch führte Silvana Resch