Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.02.2016


Film und TV

Interview mit Katharina Straßer: Kein One-Hit-Wonder

Die Tiroler Schauspielerin Katharina Straßer spricht im TT-Interview über Popstar-Träume, eine Satireserie, die fertig in der ORF-Schublade liegt, und neue „Schnell ermittelt“-Folgen.

© RideoKatharina Straßer gastiert am Samstag um 19.30 Uhr mit dem Liederabend „Wien für Anfänger“ im Forum Rum. Mit dabei sind „Schnell ermittelt“-Kollege Wolf Bachofner (r.) und Pianist Bela Koreny.



Stimmt es, dass der Schauspiel-Beruf Ihr Plan B ist und Sie eigentlich Popstar werden wollten?

Katharina Straßer: (lacht) Eigentlich will ich immer noch Popstar werden! Und wenn dieser Job nicht noch brotloser wäre als die Schauspielkunst, würde ich diesen Plan auch sofort in die Tat umsetzen.

Was wäre so reizvoll am Popstar-Dasein?

Straßer: Wenn es um das Ausdrücken von Gefühlen geht, tu ich mir beim Singen leichter als beim Sprechen. In der Musik ist die Emotion einfach so unglaublich groß — und abgesehen davon macht mir der Gesang enorm viel Spaß.

Sie gastieren am Samstag mit dem Liederabend „Wien für Anfänger" in Ihrem Heimatort Rum. Wie ist der Untertitel „Ein Abend für Wiener und Menschen" zu verstehen?

Straßer: Das ist ja ein abgewandeltes Zitat von Helmut Qualtinger und was er genau damit gemeint hat, lässt sich jetzt leider nicht mehr he­rausfinden. Aber es ist natürlich eine Provokation — und drückt auch die Hassliebe aus, mit denen die Wiener mit Wien verbunden sind.

Und welche Gefühle verbinden Sie als Exil-Tirolerin mit Ihrer Wahlheimat?

Straßer: Ich bin hier total glücklich und genieße es, von einer so blühenden Theaterlandschaft umgeben zu sein. Und ich mag auch die Leut', obwohl man denen zu Recht einen Grundgrant nachsagt. Aber im Vergleich dazu sind mir die Tiroler dann wieder zu hantig. Der Wiener ist nämlich charmant grantig, der Tiroler fährt einem dann schon eher mit dem Oasch ins G'sicht, was weniger lustig ist.

Ihr Handwerk haben Sie am Konservatorium der Stadt Wien gelernt, nachdem man Ihnen an der Schauspielschule in Salzburg Talentfreiheit attestiert hat. Haben Sie 2007 nicht daran gedacht, diese Episode in die Dankesrede für den Nachwuchs-Nestroy einzubauen?

Straßer: Ich bin damals leider um die Dankesrede umgefallen, weil ich an diesem Abend eine Vorstellung hatte. Aber es kam schon kurz der Gedanke, ob ich ihnen nicht ein Foto schicke und darunter „Vielen Dank für den Wien-Tipp" schreibe. Aber vielleicht war ich dort auch wirklich schlecht. Abgesehen davon ist so ein Vorsprechen ja immer eine Momentaufnahme und manchmal erinnert es sogar an ein Boy- oder Girl-Band-Casting: Und wenn's eine andere blonde Lustige gibt, ist man halt wieder draußen.

Dann hat die Schauspielwelt also auch ein bisschen was vom Pop-Zirkus?

Straßer: Ja, schon. Man muss immer hoffen, dass man kein One-Hit-Wonder bleibt.

Sie sind mit dem Kabarettisten und Schauspieler Thomas Stipsits verheiratet, 2014 kam Ihr Sohn Emil zur Welt. Wie schwierig ist es, das Privatleben privat zu halten, wenn man in der Öffentlichkeit steht?

Straßer: Es gab schon mal Anfragen für Homestorys oder Shootings mit Kind: Aber das haben wir alles kategorisch abgelehnt und uns damit auch bei ein paar Klatschreportern unbeliebt gemacht. Aber das ist mir relativ wurscht.

Haben Sie und Ihr Mann nie daran gedacht, Ihre Talente zu bündeln und ein gemeinsames TV- oder Bühnenprojekt auf die Beine zu stellen?

Straßer: Es gibt schon etwas, das fixfertig beim ORF liegt und auf seine Ausstrahlung wartet. Das ist eine zehnteilige Satire-Sendung namens „Gemischtes Doppel", wo der Thomas und ich 60 verschiedene Rollen spielen. Das ist aber kein Sketch-Comedy-Format wie „Kalahari Gemsen", das nach uns gedreht, aber vor uns ausgestrahlt wurde. Aber unser Projekt war aufwendiger und auch teurer und musste aus budgetären Gründen warten: Spätestens im Herbst sollte es aber auf Sendung gehen.

In einem TT-Interview haben Sie gemeint, dass Sie gerne am Tiroler Landestheater oder bei den Telfer Volksschauspielen auf der Bühne stehen würden. Hat sich da etwas ergeben?

Straßer: Lustigerweise hat damals auch Schauspieldirektor Thomas Krauß dieses Interview gelesen und mir kurz darauf eine Rolle angeboten — aber bislang hat's aus terminlichen Gründen nicht geklappt. Aber ich würd' immer noch sehr gerne in Tirol spielen und bin mir auch sicher, dass das einmal klappt.

Bei Ihrem Liederabend ist auch Ihr einstiger „Schnell ermittelt"-Kollege Wolf Bach­ofner mit dabei. Weinen Sie Ihrer Zeit als Serientäterin Maja Landauer manchmal nach?

Straßer: Da kann ich Ihnen auch was Neues erzählen: Es gibt bald eine fünfte Staffel von „Schnell ermittelt". Wir drehen ab Mai zehn neue Folgen. Ich seh' den Wolf also bald öfter als den Thomas.

Dann muss die Popstar-Karriere also noch warten ...

Straßer: Aber 2017 start' ich durch und 2018 kommt dann gleich die Welttournee (lacht).

Das Gespräch führte Christiane Fasching


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