Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.07.2016


Exklusiv

Ex-ORF-Stiftungsrat: “Der Laden braucht dringend Frischluft“

Der ehemalige ORF-Stiftungsrat Andreas Braun wünscht dem Sender eine „intellektuelle Neuausrichtung“. Und weniger „boulevardeskes Infotainment“.

„Wrabetz und Grasl sind tüchtige Systemerhalter, die aber keine substanziellen Innovationen andenken", sagt Andreas Braun 
(Ex-ORF-Stiftungsrat).

© TT / Thomas Boehm„Wrabetz und Grasl sind tüchtige Systemerhalter, die aber keine substanziellen Innovationen andenken", sagt Andreas Braun 
(Ex-ORF-Stiftungsrat).



Von Christiane Fasching

Innsbruck – „Der Laden braucht dringend Frischluft“, antwortet Andreas Braun auf die Frage, was er sich für den ORF wünscht. Knapp zehn Jahre, von 2001 bis 2010, zählte der ehemalige Kristallwelten-Chef zum ORF-Stiftungsrat, also jenem 35-köpfigen Gremium, das den Generaldirektor bestimmt. Und seit dem Jahr 2001 entpolitisiert sein sollte. Zumindest steht es so im damals novellierten ORF-Gesetz, das unter der schwarz-blauen Regierung beschlossen wurde. Seither dürfen keine politischen Mandatare und Funktionsträger im ORF-Stiftungsrat sitzen. Seither ist das 35-köpfige Gremium aber auch von politischen „Freundeskreisen“ durchzogen. Eine Entpolitisierung besteht also nur auf dem Papier. Das bestätigt auch Braun, der einst von der Tiroler Landesregierung als Stiftungsrat bestellt wurde, wofür er ihr bis heute „ein Kompliment“ ausspricht. „Dort hat man offenbar auch den Gesetzestext gelesen und sich tatsächlich für mich als unabhängigen Kopf entschieden“, sagt Braun, der betont, politische Zurufe stets bewusst überhört zu haben, um auf sein „Wissen und Gewissen“ zu bauen. War er damit allein auf weiter Flur? „Meine Kollegen im Stiftungsrat waren politisch eindeutig zuordenbar“, meint Braun knapp.

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