Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.02.2017


Wolfgang Pauritsch

Rarität in Menschengestalt: Tiroler wird durch ZDF-Show bekannt

Wolfgang Pauritsch (44) ist gebürtiger Tiroler, Kunsthändler und Auktionator in Bayern. Die Antiquitätenshow „Bares für Rares“ des ZDF machte ihn in ganz Deutschland bekannt.

© ZDF/Patrick SeegerKleine Kostbarkeiten unter der Lupe. Wolfgang Pauritsch steht als Kunsthändler nicht nur im Geschäft, sondern auch vor der TV-Kamera. Foto: ZDF/Seeger



Von Markus Schramek

Oberstaufen, Innsbruck – „Wos woin’s denn wissa?“, frägt Wolfgang Pauritsch mit bayerischem Akzent. Ein halbes Leben in seiner Wahlheimat im Allgäu hat beim gebürtigen Tiroler sprachlich Spuren hinterlassen. Leicht war es nicht, den vielbeschäftigten Kunsthändler und Auktionator ans Handy zu bekommen. „Ich geb’ eigentlich keine Interviews“, sagt Pauritsch, der in Oberstaufen das Kunst- und Auktionshaus „Antony’s“ betreibt.

Alle paar Minuten klingelt ein zweites Telefon im Hintergrund. Kaufinteressenten fragen an, ob jene Antiquitäten, die Pauritsch neulich im Fernsehen ersteigert hat, noch zu haben sind. „Über mangelnde Kundschaft kann ich nicht klagen“, bekennt der 44-Jährige freimütig.

Pauritsch braucht auch gar keine Werbung mehr. Denn in Deutschland ist er ein kleiner TV-Star, bekannt aus der Trödelshow „Bares für Rares“ im ZDF (Montag bis Freitag um 15.05 Uhr). Sie ist der nachmittägliche Quotenbringer dieses Senders, mit im Schnitt 2 Millionen Zusehern.

Das Konzept ist einfach. Moderiert von Horst Lichter, bieten Bewerber vermeintliche oder echte Raritäten und Antiquitäten zum Kauf an, Möbel, Gemälde, Schnickschnack, Schmuck. Experten schätzen den Wert der Exponate. Dann sind fünf Händler am Zug. Sie rittern um die Gegenstände wie bei einer Auktion, steigern den Preis. Gezahlt wird schließlich in bar.

Exil-Österreicher Pauritsch ist einer der Händler. Er geht in dieser Rolle auf. Mit einer gut dosierten Mischung aus Schmäh, Redegewandtheit und Expertentum setzt er sich gekonnt in Szene.

300-mal flimmerte „Bares für Rares“ seit den Anfängen 2013 schon über die Flatscreens. Drehmarathons über mehrere Wochen sind für Pauritsch und Co. inzwischen die Norm. Fünf Folgen pro Woche wollen erst einmal gestemmt werden. 18 Händler teilen sich die Dreharbeit.

Pauritsch hatte sich in vielen Disziplinen versucht, bevor sein Talent als Kunsthändler entdeckt wurde. In seinem Lebenslauf stehen Schlosser, Installateur, Nachtwächter, Hundeführer und Detektiv. In letzterer Funktion schlug ihm 1992 die große Stunde.

„Ich bewachte ein Auktionshaus in München“, erzählt Pauritsch. „Als eines Tages der Auktionator erkrankt ausfiel, übernahm ich die Versteigerung kurzerhand selbst. Ich hatte ja oft genug zugesehen.“ Eigentlich keine große Sache, wie er meint. „Ich habe mich hingestellt und Text runtergelesen. Versprecher waren mir wurscht. Es kannte mich als Österreicher unter lauter Deutschen ja keiner.“

Der Chef des Auktionshauses war da offenbar weit stärker beeindruckt: Er engagierte Pauritsch vom Fleck weg. Chef wollte der allerdings sein eigener sein. Die Gründung des eigenen Auktionshauses in Oberstaufen noch in den 90er-Jahren war die logische Konsequenz.

Mitunter locker in seiner Ausdrucksweise, legt der Wahl-Bayer großen Wert auf berufliche Seriosität. „Ich habe mich weitergebildet, ein Fernstudium in Kunstgeschichte absolviert, bin Sachverständiger und Fachmann für Edelsteine.“ Als Auktionator brachte er es zu besonders hohen Weihen. „Ich bin ,allgemein öffentlich bestellt und vereidigt‘, wie das amtlich heißt. Damit kann ich jede Versteigerung leiten, von Fund- und Pfandsachen bis hin zu Insolvenzen und Zwangsversteigerungen.“

Eine schöne Karriere für den seinerzeitigen Tiroler- bzw. Steirer-Bua. Bis zum Volksschulalter hatte Klein-Wolfgang nämlich in Innsbruck gelebt. Gut erinnert er sich an das Faschingstreiben „mit Bären und Weibermühle“. Manche Erinnerung klingt hingegen durchwachsen. „Mein Vater ging auf Tauchstation, ich bekam ihn bis heute nie zu Gesicht.“ Wechselnde saisonale Jobs der Mutter im Tourismus führten schließlich dazu, dass Wolfgang bei den Großeltern in der Südsteiermark heranwuchs.

Als junger Mann wurde er von Amors Pfeil getroffen. „Ich verliebte mich in eine Adelige. Sie war 5 Jahre älter mit Kind und drei Bediensteten.“ Ein Glückstreffer für den damaligen Schlossergesellen, würde man meinen. Allerdings: „Der Vater dieser Baronin sprach Klartext mit mir. Wer seine Tochter auch auf andere Art zu beglücken wünsche, der müsse sie auch ernähren.“ Also hielt er, kaum 20, in Deutschland Ausschau nach einem einträglicheren Job. „Mein Einkommen in Österreich reichte für maximal zwei Einkäufe der Baronin.“

Jenseits der Grenze konnte Pauritsch bald größere Brötchen backen. „Ich verdiente gut, doch die Adelsdame kam mir abhanden.“ Amor war jedoch wieder gnädig. Seit 2010 ist Pauritsch „superglücklich“ mit Rebecca verheiratet.

Seine Frau ist der wertvollste Mensch an seiner Seite. Was aber ist das Wertvollste, das Pauritsch je versteigert hat? „Ein 15-karätiger Diamant um 150.000 Euro“, lautet die Antwort. Auch Sammlerstücke und edle Sportwagen waren darunter. Bei jedem Geschäft springt ein finanzieller Anteil für ihn heraus. Wolfgang Pauritsch, ein gemachter Mann? „Ach, hören’s doch auf! Ich bin Schlosser von Beruf.“