Letztes Update am Mi, 08.03.2017 16:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Nora Waldstätten im Interview: Der Zauber eines „Hoppala“

Neue Fälle der Krimi-Reihe „Die Toten vom Bodensee“ stehen an. Nora Waldstätten über ihre Rolle der kühlen Kommissarin, Imagekorrekturen und Hollywood-Ambitionen.

© ORFNora Waldstätten und Matthias Köberlin in der ORF-ZDF-Koproduktion „Die Toten vom Bodensee“. Um eine Brautentführung mit tödlichen Folgen geht es am Donnerstag im neuen Fall „Die Braut“.



Innsbruck – Unter der glitzernden Oberfläche des Bodensees lauern dunkle Geheimnisse, daran erinnern die zwei neuen Folgen der Krimireihe „Die Toten vom Bodensee“, in der Nora Waldstätten und Matthias Köberlin als deutsch-österreichisches Kommissaren-Duo Hannah Zeiler und Micha Oberländer (am 9. und am 16. März, jeweils um 20.15 Uhr, ORF eins) wieder ermitteln. Die aus Wien stammende Schauspielerin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, plauderte vorab mit der TT.

Sie haben als Schauspielerin ihre Vielseitigkeit mehrfach unter Beweis gestellt, unterkühlte Frauenrollen, wie jene von Hannah Zeiler scheinen Ihnen aber besonders zu liegen.

Nora Waldstätten: Das Schöne an meinem Beruf ist es möglichst viele Rollen ausprobieren zu können. Vor kurzem war ich Gast in der ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“, da spiele ich eine Krankenschwester mit Comedy-Ambitionen – also mal ganz was anderes, das hat große Freude gemacht. Aber natürlich gibt es Rollen, die man mir eher anbietet und das sind auch sehr spannende Figuren, weil sie so komplex sind.

Sie bereiten sich auf Ihre Charaktere akribisch vor, füllen Notizbücher mit biografischen Daten, erstellen Playlists. Wie leicht ist Ihnen das bei Hannah Zeiler gefallen?

Zur Person

Nora Waldstätten wurde 1981 in Wien geboren, sie studierte Schauspiel an der Berliner Akademie der Künste. Bis vor kurzem nannte sie sich Nora von Waldstätten, diesen Künstlernamen hat sie nun abgelegt. Waldstätten wurde mehrfach ausgezeichnet, für den Film „Schwerkraft“ wurde ihr 2010 der Max Ophüls Preis als beste Nachwuchsdarstellerin verliehen.

Waldstätten: Bei Hannah fing es genauso an, ich habe mein Moleskine-Heft gezückt und angefangen, eine Welt zu kreieren. Das Schöne an einer TV-Reihe ist ja, dass man Zeit hat, die Figur zu entwickeln. Dass dieser Zaun um Hannah, der am Anfang recht eng gestrickt ist, immer brüchiger wird und mehr und mehr von ihrem eigentlichen Wesen durchscheint – auch durch die Zusammenarbeit mit Micha Oberländer. Die zwei könnten ja gar nicht unterschiedlicher sein. Dieses Spannungsfeld macht einen großen Teil des Charmes der Reihe aus. Dadurch dass er da ist und sie sein lässt, nähern sie sich immer mehr an. Sie gewinnt dadurch auch wieder Vertrauen ins Leben, was mich sehr für die Entwicklung der Figur.

Können Sie mehr verraten?

Waldstätten: Natürlich möchte man wissen, was damals auf dem See, mit ihren Eltern passiert ist. Und in den neuen Fällen stößt sie auf Dinge aus ihrer Vergangenheit, die sie zwingen, sich damit auseinander zu setzen.

Interessant ist nicht nur Hannahs Herkunft. Kaum ein Artikel über Sie, in dem nicht das alte österreichischen Adelsgeschlecht erwähnt wird, aus dem sie stammen.

Waldstätten: Ich habe das „von“ zu Beginn dieses Jahres aus meinem Künstlernamen wieder rausgenommen, weil ich das Gefühl hatte, dass das zu Projektionen, Annahmen und Bildern geführt hat, die überhaupt nichts mit mir und dem, wie ich aufgewachsen bin, zu tun haben.

Wieviel Wahl glauben Sie hat man und wieviel wird von der Vergangenheit bestimmt?

Waldstätten: Ich habe mir jeden Schritt selbst erarbeitet. Uns wurde zuhause zwar Kunst und Kultur vermittelt, aber eher im reaktiven Sinne und nicht im aktiven. Ich bin meinen eigenen Weg Schritt für Schritt gegangen, es war mein Traum von klein auf und ich hatte ja schon als Kind angefangen am Badener Stadttheater zu tanzen. In Berlin an der Schauspielschule habe ich das Handwerk von der Pieke auf gelernt habe, das ist ein gutes Gefühl.

Von der Kritik wurden Sie 2009 für die Rolle einer eiskalten Internatsschülerin im „Tatort“ gefeiert. Im Jahr darauf konnten Sie international in Olivier Assayas „Carlos“ reüssieren. 2016 kam Ihre bereits dritte Zusammenarbeit mit Assayas, „Personal Shopper“, ins Kino.

Waldstätten: Es ist immer eine große Freude und Ehre mit Olivier Assayas arbeiten zu dürfen, „Carlos“ war eine ganz wichtige Arbeit für mich. Wenn man schon öfter zusammenarbeitet hat, hat man einiges im Gepäck, worauf man zurückgreifen kann. Und es ist natürlich auch sehr schön, wenn man mit großartigen Kollegen wir Kristen Stewart arbeiten darf.

Stewart, die im Film Ihre Assistentin spielt, versucht mit den Filmen von Assayas ihr Hollywood-Image loszuwerden, würde sie umgekehrt Hollywood reizen?

Waldstätten: Mich reizt ein tolles Buch, eine besondere Figur, das ist immer der Kern meiner Entscheidungen. Ich lese das Buch, dann merke ich schnell, ob der Funke überspringt. Sprache und Land ist für mich erstmal nicht so wichtig.

Nicht nur am Bodensee arbeiten Sie grenzüberschreitend. Fühlen Sie sich in österreichischen oder deutschen Produktionen wohler?

Waldstätten: Ich bin wahnsinnig froh, dass mich Götz Spielmann mit dem Film „Oktober November“ (2014, Anm.) wieder in die Heimat geholt hat. Dadurch, dass ich in Berlin studiert und dort meine ersten Filme gemacht habe, hat das ein bisschen gedauert. Es bedeutet mir unglaublich viel hier zu arbeiten, ob das nun mit Regisseuren wie David Schalko, Wolfgang Murnberger oder Josef Hader ist.

Gibt es Unterschiede?

Waldstätten: Das würde ich so nicht sagen. Es sind die wunderbaren Worte, wenn in Österreich etwas nicht gleich rund läuft, sagt man „Hoppala“, dass zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Sie sind eine leidenschaftliche Köchin, haben auch eine Rezept-Kolumne in der „Zeit“. Es heißt wer kochen kann, kann auch Filme machen. Gilt das für die Schauspielerei auch?

Waldstätten: Da ist eine gewisse Ähnlichkeit in der Hingabe für den Augenblick. Im Theater arbeitet man für den Moment, das ist beim Essen und Kochen auch so. Man bereitet sich stundenlang vor, sucht die besten Zutaten, kocht liebevoll, dann kommen die Gäste, die Freunde, der Augenblick. Und der ist einzigartig.

Das Gespräch führte Silvana Resch