Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.04.2017


Kinderprogramm

Teletubbies: Der kunterbunte Ah-Oh-Effekt

Die Teletubbies kehren ab heute ins ORF-Kinderprogramm zurück. Und sprechen nach wie vor in Rätseln.

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© ORF



Innsbruck – Im nordkoreanischen Staatsfernsehen sind internationale TV-Produktionen verpönt: Diktator Kim Jong-un will schließlich keine Fenster in eine offene Welt öffnen – könnte ja sein, dass das Volk auf dumme Gedanken kommt. Doch Ausnahmen bestätigen die Unterdrücker-Regel, und so wissen seit dem Jahr 2014 auch nordkoreanische Knirpse, wer Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po sind. Die „Teletubbies“ haben der Kontrolle nordkoreanischer Zensurbehörden standgehalten – und wurden als „unbedenklich“ eingestuft.

In Europa schrillten hingegen die Alarmglocken besorgter Eltern und Pädagogen, als die BBC anno 1997 die brabbelnden Männchen im Frotteekostüm ins Fernsehen schickte, um Klein- und Kleinstkinder zu Couchpotatoes zu erziehen. Vor allem der eingeschränkte Wortschatz des stets vergnügten Quartetts stieß auf Kritik: Die Angst, dass sich der eigene Nachwuchs am Sprech der Bewohner des immergrünen Teletubby-Universums orientieren würde, war groß und verständlich. Denn wer will schon tagein tagaus mit einem leutseligen „Winke-Winke“ begrüßt werden oder dauernd „Ah-Oh“ hören?

Und dann ging sie los, die Flut an Studien, die sich der potenziellen Sprachbeeinflussung der „Teletubbies“ widmeten, allerdings zu keinem eindeutigen Ergebnis führten. Der Siegeszug der quietschvergnügten Gesellen mit Antennen-Kopfschmuck war da längst nicht mehr aufzuhalten: Die von der Britin Anne Wood geschaffene Serie war über Jahre hinweg fixer Bestandteil des Kinderprogramms vieler Länder, der ORF sprang im Jahr 2000 auf den „Teletubbies“-Zug auf, der Anfang der Nuller-Jahre stehen blieb, als alle 365 Folgen ausgestrahlt worden waren.

Doch nun melden sich die Brabbler zurück: Ab heute (6.50 Uhr) zeigt der ORF 60 neue Folgen der Berufs-Winker, die auf BBC schon vor zwei Jahren ihr Comeback feierten. Zum Leidwesen von Schöpferin Wood, die es bedauert, dass die Fernsehmacher nicht mutig genug waren, ein gänzlich neues Kinderformat auf den Markt zu bringen.

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Im ORF liegt das Kinderprogramm nach wie vor in den Händen von „Tom Turbo“-Schöpfer Thomas Brezina, der für die „okidoki“-Schiene verantwortlich zeichnet, die wochentags von 6 bis 8 Uhr die kleinen Zuschauer unterhalten will – die Gebührenzahler der Zukunft werden also noch vor dem Frühstück abgefrühstückt. Ah-Oh. (fach)