Letztes Update am Fr, 05.05.2017 12:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Satire

“Hurensöhne Mannheims“: Böhmermann parodiert Naidoo

“Der wütende Bauer mit der Forke“ würde dafür sorgen, dass die Politiker endlich einsichtig seien, singen die Söhne Mannheims in ihrem neuen Song “Marionetten“ - und sorgten dafür in ganz Deutschland für Entrüstung. Der reichsbürgerlichen und verschwörungstheoretischen Neigung Xavier Naidoos und seiner Bandkollegen hat sich am Donnerstag auch Satiriker Jan Böhmermann angenommen.

"20.000 Chemtrails über dem Meer" besingt Jan Böhmermann in seiner Xavier-Naidoo-Parodie.

© Screenshot/YouTube "20.000 Chemtrails über dem Meer" besingt Jan Böhmermann in seiner Xavier-Naidoo-Parodie.



Innsbruck - Vor wenigen Tagen haben die Söhne Mannheims rund um Frontmann Xavier Naidoo ihre neue Platte "MannHeim" vorgestellt. Besonders ein Song daraus sorgte für Entrüstung: In "Marionetten" stimmen Naidoo und seine Kollegen kontroverse Töne an - und bedienen mit ihren Textzeilen antisemitische, reichsbürgerliche und verschwörungstheoretische Klischees.

Der Sache hat sich nun auch der Satiriker Jan Böhmermann in seinem Neo Magazin Royal angenommen. Am Donnerstag präsentierte er in einem etwas mehr als drei Minuten langen Clip seine Version der neuen Scheibe der Söhne Mannheims, die er in "Hurensöhne Mannheims" unbenannt hatte. Das Album trage den Titel "Death to Israel" und sei mit Sicherheit "nicht antisemitisch", spricht die Stimme aus dem Off zu Beginn des Einspielers.

Weiter heißt es, dass mit "Deutschlands bekanntesten Amerika-Kritiker Xavier Naidoo und den Hurensöhnen Mannheims" jeden Tag Montagsdemo im CD-Player sei - in Anspielung auf die Protestmärsche der rechtspopulistischen und islamophoben Pegida-Bewegung. Auf Böhmermanns Album seien Songs wie "20.000 Chemtrails über dem Meer" oder "Alles Kann Besser Werden (Ohne All Die Volksverräter Auf Erden)" zu hören.

"Ich bin ja kein Nazi, aber ..."

Eine noch heftigere Spitze gegen die Musiker aus baden-württembergischen Großstadt ist die eingeblendete Meinung der "Fachpresse". "Ich bin ja kein Nazi, aber ich finde diese Platte echt stark!" , wird Adolf Hitler, der als Maler und Lebenskünstler beschrieben ist, zitiert.

Nun mögen diese Aussagen im ersten Moment wirklich extrem überspitzt und übertrieben wirken. Liest man sich die Textzeilen des Songs "Marionetten" durch, ist Böhmermanns Parodie aber gar nicht so weit davon entfernt. In dem Lied heißt es etwa: "Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid, sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid. Als Volks-in-die-Fresse-Treter stößt ihr an eure Grenzen. Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung."

"Pizzagate" ist ein völlig absurde, im Internet kursierende Verschwörungstheorie, wonach unter anderem Hillary Clinton und andere bedeutende Politiker aus einer kleinen Pizzeria in Washington D.C. heraus einen weltweit agierenden Kinderporno-Ring steuern. Die Theorie geht auf eine auf sozialen Plattformen verbreitete Meldung zurück, die erwiesenermaßen falsch ist.

Naidoo fällt nicht zum ersten Mal negativ auf

Xavier Naidoo war bereits in der Vergangenheit des Öfteren mit antisemitischen, ausländerfeindlichen, verschwörungstheoretischen und der Reichsbürgerbewegung entlehnten Aussagen aufgefallen. "Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag, und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei", sagte der Sänger etwa in einem Morgenmagazin im Jahr 2011.

2014 trat er auf einer Veranstaltung der Reichsbürger-Bewegung am Tag der Deutschen Einheit auf. "Ich möchte auf Menschen zugehen. Auch zu 'Reichsbürgern'. Auch auf die NPD. Das ist mir alles Wurst", reagierte Naidoo im Südwestrundfunk (SWR) am darauffolgenden Tag auf die Kritik der Medien.

Für Deutschland sollte Naidoo im vergangenen Jahr beim Song Contest antreten. Seine Nominierung wurde aber nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zurückgezogen. (bfk)


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