Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.06.2017


„I love Dick“

Lust als

verkopftes

Vergnügen

Die Amazon-Serie „I love Dick“ nach der Vorlage von Chris Kraus’ gleichnamigem Kultbuch erzählt von Kunst und weiblichem Verlangen.



Innsbruck – Schlechte Kunst macht den Betrachter sehr viel aktiver, schreibt Chris Kraus in „I love Dick“. Sie habe ein Faible für bestimmte Formen schlechter Kunst, Kunst, die einen Einblick in die Hoffnungen und Wünsche ihres Schöpfers ermögliche. Die Filmemacherin Chris Kraus verliebt sich in Dick, einen Kollegen ihres Mannes Sylvère, einem College-Professor. Der Medientheoretiker Dick verfügt nicht nur über „unermessliche Intelligenz“, er macht auch schlechte Videokunst. Unterstützt von ihrem Mann, beginnt Chris sehnsuchtsschwangere Briefe an Dick zu schreiben, Briefe, die sie zunächst nicht abschicken wollen. Diese Leidenschaft entfacht das erkaltete Sexualleben des Paares, das völlig desinteressierte Objekt der Begierde wird zur Muse – zum leeren Blatt Papier. 20 Jahre hat es gedauert, bis „I love Dick“ ins Deutsche übersetzt wurde, im englischsprachigen Raum ist das kluge Werk rund um reale Handlungsträger zum feministischen Kultbuch avanciert. Zeitnah zur Veröffentlichung der deutschen Übersetzung ist auch die gleichnamige Amazon-Serie „I love Dick“ online gegangen, Jill Soloway, die mit der Serie „Transparent“ bekannt wurde, hat das Buch adaptiert. Auf Englisch verrät der Titel bereits jede Menge, in den ersten acht Episoden geht es recht explizit um Sex. (Dick ist im Englischen nicht nur ein Name, sondern bezeichnet auch das männliche Geschlechtsteil und dient als Schimpfwort). Die Serie hält sich indes nur lose an die Vorlage, Dick (Kevin Bacon gibt einen stoischen Cowboy) ist in der Amazon-Serie ein Star der Kunstwelt, der in der texanischen Wüste Stipendiaten wie den über den Holocaust forschenden Sylvère versammelt. Mit ebenso lakonischem wie scharfsinnigem Humor lässt Soloway ihre Chris Kraus (furios gespielt von Kathryn Hahn) über diese Welt hereinbrechen. Für weibliches Verlangen, für Selbstermächtigung und Kreativität findet die Serie berauschende Bilder, dennoch ist es ein vor allem verkopftes Vergnügen, das zuweilen aber tatsächlich große Serienkunst ist. (sire)




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