Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.09.2017


Exklusiv

„Lachen ist nicht seicht“

„Baumschlager“-Regisseur Harald Sicheritz über die Kraft der Unterhaltung.

© Dor FilmHarald Sicheritz’ Kriegssatire „Baumschlager“ (ab heute im Kino) ist die erste israelisch-österreichische Kinokoproduktion.Foto: Dor Film



Von Christiane Fasching

Innsbruck – Die Tirol-Premiere von „Baumschlager“ hat Harald Sicheritz Anfang September ausgelassen. Die Nachfrage nach Karten für die Kriegssatire um einen leutseligen UNO-Soldaten, der am Golan zwischen die Fronten gerät und vor seiner kreuzbraven Frau gleich zwei Geliebte verbergen muss, war enden wollend. Und deshalb reiste das Team um Regisseur Sicheritz nicht zum Innsbruck-Termin der ersten österreichisch-israelischen Kinokoproduktion an – eine Premiere vor zwei Dutzend Zuschauern ist dann doch irgendwie traurig.

Sicheritz ist trotzdem guter Dinge. Und hofft für „Baumschlager“ auf eine sechsstellige Besucherzahl. „Das hätt’ sich der Film schon verdient. Aber damit rechnen kann man nicht“, meint der Wiener im TT-Gespräch. Und erinnert sich an bessere Zeiten: Anno 1998 lockte sein cineastischer Häuslbauer-Albtraum „Hinterholz 8“ 618.000 Zuschauer ins Kino, 2002 brachte es seine Ferien-Farce „Poppitz“ auf 444.000 Besucher – damit führt Sicheritz das Ranking der meistbesuchten heimischen Filme gleich doppelt an. „Mit den Instrumenten des österreichischen Films sind solche Zahlen aber nicht mehr erreichbar“, weiß der 59-Jährige – und schaut etwas neidisch gen Hollywood, wo Unsummen in die Werbemaschinerie gesteckt werden. „Diesen Kampf können wir nicht gewinnen“, ist der Filmemacher überzeugt. Abgesehen davon bedauert er, dass „österreichische Filme ihren Weg zum Publikum eher über Programmkinos als über Multiplex-Kinos finden“. Die erhoffte Breitenwirkung bleibe da natürlich aus. „Was schade ist“, meint Sicheritz, der sich mehr „Publikumsfilme“ für die rot-weiß-rote Filmlandschaft wünscht.

„Der Zugang zur Unterhaltung ist in Österreich ein eigenartiger: Es gibt kaum Menschen, die dazu stehen, dass sie sich gerne gut unterhalten. Im anglo-amerikanischen Raum ist man wesentlich entspannter“, sagt Sicheritz. Und hält fest: „Lachen ist nicht seicht: Außerdem ist es viel schwieriger, jemanden zum Lachen zu bringen, als ihn betroffen zu machen.“

Lustig und publikumsträchtig zugleich ist Uli Brées TV-Serie „Die Vorstadtweiber“, bei deren dritter Staffel (ab 8. Jänner im ORF) auch Sicheritz wieder Regie führte. Hat er mit dem durchschlagenden Erfolg für die umtriebige Damen-Clique gerechnet? Sicheritz: „Dass die Serie so einschlagen würde, konnte niemand ahnen. Da spielen einfach so viele unkalkulierbare Faktoren mit, dass der Erfolg letztlich doch auch ein Glücksfall ist.“ Um die Zukunft der „Vorstadtweiber“ muss man sich laut Sicheritz keine Sorgen machen. „Bei der Schlussfeier zur dritten Staffel hat’s geheißen, dass es weitergeht. Ich weiß nur nicht, wann und wie. Hoffentlich weiß das der Uli.“