Letztes Update am Di, 10.10.2017 11:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Film und TV

Weitere Hollywood-Größen distanzieren sich von Weinstein

Einer der mächtigsten Filmbosse in Hollywood ist über seinen Umgang mit Frauen gestürzt. Von Harvey Weinstein wenden sich nun auch jene ab, die bisher mit ihm befreundet waren - etwa Judi Dench. Auch George Clooney findet deutliche Worte.

© REUTERS/Mike BlakeHollywood-Produzent Harvey Weinstein.



London, Los Angeles – Nach der Entlassung des einflussreichen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein wegen sexueller Belästigung gehen immer mehr Filmstars zu ihm auf Distanz. Meryl Streep, die Weinstein einst bei einer Oscar-Verleihung als „Gott“ bezeichnete, erklärte am Montag in der Huffington Post, sie sei „entsetzt“ über die „schändlichen“ Nachrichten.

„Die furchtlosen Frauen, die ihre Stimmen erhoben haben, um diesen Missbrauch zu enthüllen, sind unsere Heldinnen“, sagte die Schauspielerin. Streep, die mit der Weinstein Company mehrere Filme drehte, erklärte aber, sie selbst habe von den Vorwürfen nichts gewusst. Das Verhalten des Filmmoguls sei „unentschuldbar“, der Missbrauch von Macht sei aber weit verbreitet. Streep betonte, dass „nicht jeder“ von Weinsteins Fehlverhalten gewusst habe. „Ich glaube nicht, dass all die investigativen Journalisten es über Jahrzehnte versäumt hätten darüber zu schreiben“, fügte sie hinzu.

Judi Dench „geschockt“

Judi Dench, ebenfalls Oscar-Gewinnerin, die einen großen Teil ihres Erfolgs Weinstein zuschrieb, äußerte sich „geschockt“. Die britische Schauspielerin, die einst enthüllte, dass sie Weinsteins Initialen als Tattoo-Aufkleber auf ihrem Hintern getragen habe, versicherte gegenüber dem Magazin Newsweek, ihr seien die Vorwürfe gegen Weinstein bisher nicht bekannt gewesen.

Schauspieler und Regisseur George Clooney nannte Weinsteins Verhalten „unentschuldbar“, sagte er dem Online-Magazin The Daily Beast am Montagabend (Ortszeit). In den 90er-Jahren habe er gerüchteweise gehört, dass Frauen, die mit Weinstein schliefen, als Gegenleistung Filmrollen erhielten. Doch habe Clooney darin lediglich Versuche gesehen, die Frauen herabzusetzen und ihr Talent als Schauspielerinnen in Zweifel zu ziehen.

Glenn Close: „Aufgebracht und tief traurig“

Glenn Close vertraute der New York Times in einer Erklärung an, dass ihr entsprechende Gerüchte „über viele Jahre“ bekannt gewesen seien. „Harvey war mir gegenüber stets korrekt - aber jetzt, wo sich die Gerüchte bestätigen, fühle ich mich aufgebracht und tief traurig.“

Nachforschungen der New York Times zufolge soll der einflussreiche Produzent jahrzehntelang junge Talente und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und mit Abfindungen zum Schweigen gebracht haben. Der Tycoon soll Frauen versprochen haben, ihnen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten bei ihrer Filmkarriere zu helfen. Unter den mutmaßlichen Opfern sind die bekannten Schauspielerinnen Ashley Judd und Rose McGowan. Manche Vorfälle reichen laut NYT fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe er sich außergerichtlich geeinigt.

Der 65-Jährige hatte daraufhin erklärt, eine Auszeit nehmen zu wollen. Am vergangenen Sonntag erhielt er von seinem Filmstudio The Weinstein Company (TWC), das er zusammen mit seinem Bruder Bob gegründet hat, die Entlassung.

Hillary Clinton: „Ich war schockiert“

Hillary Clinton, frühere US-Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin, hat sich entsetzt gezeigt über Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Filmproduzent Harvey Weinstein. „Ich war schockiert und entsetzt von den Enthüllungen“, teilte Clinton (69) am Dienstag über ihren Sprecher auf Twitter mit.

Weinsteins Verhalten, das einige Frauen nun öffentlich machten, könne nicht hingenommen werden. „Ihr Mut und ihre Unterstützung anderer ist entscheidend dabei, derartiges Verhalten zu beenden“, schrieb Clinton. (APA/AFP/dpa)