Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.12.2017


Maria Theresia

Ein kecker Feger auf Österreichs Thron

Kaiserliche Weihnachten im ORF: Robert Dornhelms Zweiteiler zum Leben der jungen Herrscherin Maria Theresia.

© ORF



Von Bernadette Lietzow

Wien – Bevor das Jahr 2017 zur Neige geht und mit 2018 neue Jubiläen ihren Tribut fordern, verabschiedet der ORF die diesjährige Gedenk-Regentin Maria Theresia mit entsprechend großem Bahnhof. Ein Zweiteiler, ausgestrahlt am 27. und 28. Dezember, widmet sich in jeweils hundert Minuten der einzigen Frau auf Österreichs Thron und nähert sich dem Mythos der „Landesmutter“ auf recht launige Art.

Endend mit der triumphalen Krönung zum „König von Ungarn“ mitten im Österreichischen Erbfolgekrieg und pa­rallel laufendem kriegerischen Engagement gegen die Ansprüche des preußischen Erzfeindes Friedrich II. auf Schlesien, erzählt diese historisch nicht unbedingt bis ins Detail fundierte Filmbiografie von den Jugendjahren einer Kaiserin wider Willen. Wohlgemerkt weniger wider den eigenen als den Willen der Verwandtschaft, einflussreicher Hofbeamter und der europäischen Mo­narchen, die allesamt eine weibliche Thronfolge zu verhindern suchten.

Marie-Luise Stockinger, die derzeit unter anderem in Ewald Palmetshofers Hauptmann-Adaption „Vor Sonnenaufgang“ am Akademietheater zu sehen ist, zeigt eine junge Maria Theresia, die trotz Reifrock, Perücke und spanischem Hofzeremoniell versucht, die kecke „Resi“ in sich zu behaupten, um in der Folge mit eindrucksvollem Machtbewusstsein Franz Stephan von Lothringen (Vojtech Kotek) als ihren Gemahl durchzusetzen und die Nachfolge ihres Vaters Karl VI. (Fritz Karl) anzutreten. Für Stockinger, ebenso in den Zwanzigern wie ihre Rollenfigur, ist die Tatsache, dass Maria Theresia mehrfach in Singspielen ihr enormes schauspielerisches Talent unter Beweis gestellt hat, ein wichtiger Angelpunkt der darstellerischen Annäherung: Die Erzherzogin, die nie zur Kaiserin gekrönt wurde, ist für sie „Hauptregisseurin des Hofburgtheaters“.

Robert Dornhelm, mit „Kronprinz Rudolf“ und dem rechtschaffen misslungenen Weihnachts-Highlight „Das Sacher“ aus dem Vorjahr gebucht auf Österreichs Historie in publikumswirksamem Gewand, lehnt es ab, wie er der TT auf einem Setbesuch im Frühsommer erzählte, einen Film als „Museumsbesuch“ zu gestalten. Und so lässt er im Verein mit Drehbuchautorin Mirka Zlatníková gute Geister wie die „Fuchsin“, die mütterliche Vertraute Gräfin Fuchs (Julia Stemberger), oder den Lehrmeister Spannagel (Cornelius Obonya) und nicht so Wohlmeinende wie Prinz Eugen (Karl Markovics) Maria Theresias Wohl und Wehe recht frei ausgelegt begleiten.

Im Zentrum dieser ORF-Kooperation mit Fernsehanstalten aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn steht die historisch belegte, von den Affären des Gatten nur zeitweilig getrübte Liebe des Herrscherpaares. Ob in der Hochzeitsnacht nun wirklich ein Barockbett mitsamt Keramikengeln zu Bruch ging oder der geschickte Geschäftsmann Franz Stephan eigenhändig in einer seiner Textilmanufakturen Maß an Kundinnen nahm, sei dahingestellt. Gesiegt hat die Idee, eine „heutige“ Geschichte zwischen Liebe, Pflichterfüllung, Kindern und Karriere mithilfe eines historischen Schicksals im prächtigen Kolorit des 18. Jahrhunderts zu transportieren. Film ab für Ihre Majestät!


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