Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


“Schicksal in Frauenhänden“

In der „Tschiggin“ ging der Rauch auf

Die Vorpremiere der ORF-Universum-Doku „Schicksal in Frauenhänden“ von Anita Lackenberger wurde am Donnerstag in Schwaz gefeiert – dort, wo die „Tabakfrauen“ im Ersten Weltkrieg für ihre Rechte kämpften.

© DählingAnita Lackenberger (5. v. l.), Kristina Sprenger (hinten 4. v. r.) und Gerhard Mader (vorn 2. v. l.) mit ihrem Schwazer Team.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Schwaz – Er drohte seinen Arbeiterinnen mit Entlassung. Doch dann war es der Fabriksdirektor selbst, der seinen Posten räumen musste und dazu noch von den aufgebrachten Frauen eine Tracht Prügel kassierte. So geschehen im Ersten Weltkrieg in der Schwazer Tabakfabrik, der so genannte „Tschiggin“, in der damals rund 1000 Frauen und ca. 200 Männer arbeiteten. In einer Zeit, in der Frauen, die zuvor als Dienstmägde und Landarbeiterinnen Geld verdienten, zu Industriearbeiterinnen wurden – vor allem der Waffenindustrie. Und in der sie aus Liebe zu ihren Männern Aufgaben erfüllten, die eigentlich der Staat hätte erfüllen sollen: Instrumentalisierung für den Krieg über die Liebe.

Gestern Nacht zeigte der ORF die Universum-Doku „Schicksal in Frauenhänden“. Am Abend davor feierte der Film von Regisseurin Anita Lackenberger und ihrem Mann, Produzent Gerhard Mader, dort Premiere, wo einst der Rauch der Tabakfabrik aufging und jetzt das Einkaufszentrum Stadtgalerien samt SZentrum stehen. Die Stadtgemeinde hatte zur Vorpremiere in den Knappensaal geladen. Gemeinsam mit der Kulturabteilung des Landes unterstützte sie den Dreh finanziell. Viele Mitwirkende waren gekommen, darunter Ursula Kirchner, die als Schwazer Stadtarchivarin in der Doku zu Wort kommt. „Schicksal in Frauenhänden“ ist nicht die erste Lackenberger-Mader-Produktion in Schwaz. Und es wird auch nicht die letzte sein. Denn für die Filmemacherin und Historikerin Lackenberger ist Schwaz das Zentrum der Tiroler Geschichte.

Seit zehn Jahren beschäftigt sie die Geschichte der Tabakfabriksarbeiterinnen. „Sie waren die Vorreiter der Gewerkschaftsbewegung“, weiß die Wahl-Tirolerin. Und so geht es in ihrer Doku auch um Frauen, die sich im Zuge des Ersten Weltkriegs gewerkschaftlich organisierten und für ihre Rechte kämpften. Allen voran Adelheid Popp, Chefredakteurin der Arbeiterinnenzeitung – dargestellt von Kristina Sprenger. „Eine unfassbar spannende Figur und eine der ersten Frauenrechtlerinnen“, sagt Sprenger. Die einstige Soko-Kitz-Kommissarin ist inzwischen Intendantin des Wiener Stadttheaters und lebt mit Mann und Kind in Niederösterreich. Das politische Geschehen im Land verfolgt die Tochter des ehemaligen Innsbrucker Vizebürgermeisters mit großem Interesse – wie auch ihre Filmfigur. „Kristina hat die Gabe, in ihren Rollen aufzugehen. Sie ist Adelheid Popp“, lobt Regisseurin Anita Lackenberger. Auch an dem aktuellen Lackenberger-Mader-Filmprojekt „Der wilde Sommer“, für den, wie berichtet, in Schwaz gedreht wird, wirkt Sprenger wieder mit.


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