Letztes Update am Fr, 18.05.2018 10:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tote Mädchen Lügen Nicht

Umstritten und beliebt: Netflix-Serie ,,13 Reasons Why“ ist zurück

„Tote Mädchen lügen nicht“ sorgt 2017 für große Diskussionen: Wie detailliert darf der Suizid einer Schülerin gezeigt werden? In der zweiten Staffel warnen die Schauspieler vor dem Serienstoff.

© NetflixDiesmal sind es aber keine Musikkassetten, sondern Polaroids, die Hinweise auf die neu zu lüftenden Geheimnisse geben.



Von Thomas Bremser, dpa

Berlin – Mobbing in der Schule, Gewalt unter Jugendlichen, der Suizid einer Minderjährigen: Kaum eine Serie hat im vergangenen Jahr für so viel Wirbel gesorgt wie „Tote Mädchen lügen nicht“. Das intensive Netflix-Drama beschäftigte Politiker und Ärzteverbände. An diesem Freitag stellt der Streamingdienst 13 neue Episoden online.

Die erste Staffel erzählte die fiktive Geschichte der Schülerin Hannah Baker, die sich das Leben nimmt. Anschließend werden Kassetten gefunden, die an ehemalige Freunde, Mitschüler und Lehrer adressiert sind. Baker erklärt ihnen darauf detailliert, welche Mitschuld sie an ihrem Suizid haben. In Rückblenden erfahren die Zuschauer die Hintergründe. Es geht um Mobbing, nicht erwiderte Liebe und Vergewaltigungen.

Probleme offen ansprechen

Die Serie wurde für Netflix zum großen Erfolg. In den sozialen Medien wurde zwischenzeitlich über „13 Reasons Why“, so der Originaltitel, so viel diskutiert wie über keine Serie zuvor. Quoten gibt der US-Streamingdienst allerdings nicht bekannt. Während viele Medienkritiker das Drama positiv bewerteten, kam schnell Kritik an der detaillierten Suizid-Beschreibung in der finalen Episode der ersten Staffel auf.

Während das Mobbing an der Liberty High weitergeht, startet Hannahs Mutter einen Prozess gegen die Schule.
- Beth Dubber/Netflix

„Je mehr von diesen Bildern gezeigt wird, desto größer ist das Potenzial, zum Nachahmen anzuregen“, sagte damals etwa Ute Lewitzka von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Der sogenannte Werther-Effekt, benannt nach Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“, gilt heute unter Experten als belegt.

Während das Mobbing an der Liberty High weitergeht, startet Hannahs Mutter einen Prozess gegen die Schule.
- Beth Dubber/Netflix

In Neuseeland, einem Staat mit einer der höchsten Suizid-Raten unter Jugendlichen, reagierte die Medienaufsichtsbehörde. Teenager unter 18 durften die Serie nur noch im Beisein von Erwachsenen schauen. In Deutschland muss ein Kindersicherungs-Pin eingegeben werden.

„Wir hoffen und glauben, dass das ehrliche Geschichtenerzählen die Erlebnisse der vielen, vielen jungen Erwachsenen und ihren Eltern ehrt, die mit diesen Themen konfrontiert sind“, erklärt Neflix vor dem Start der zweiten Staffel. Man hoffe, dass dadurch über solche Probleme offen diskutiert werde.

Wird Bryce (r.), der mitunter auch Hannah Baker vergewaltigt hat, seine gerechte Strafe bekommen?
- Beth Dubber/Netflix

Trigger-Warnungen

In der Staffel, die erneut von der US-Sängerin Selena Gomez mitproduziert wurde, geht es um die Folgen von Bakers Suizid. Fünf Monate danach beginnt der Prozess, den die Eltern gegen die Schule angestrengt haben. Ehemalige Mitschüler und Peiniger müssen im Zeugenstand Auskunft über ihre Beziehungen zu dem toten Mädchen geben. Nicht nur der Basketball-Star der Schule muss fürchten, dass dabei seine dunklen Geheimnisse ans Tageslicht kommen.

Wird Bryce (r.), der mitunter auch Hannah Baker vergewaltigt hat, seine gerechte Strafe bekommen?
- Beth Dubber/Netflix

Die von Katherine Langford gespielte Baker tritt erneut in Rückblenden und in Tagträumen ihres damaligen Mitschülers Clay Jensen (Dylan Minnette) auf. Dem wird zu Beginn der Staffel ein mysteriöses Polaroid zugespielt, welches andeutet, dass Hannahs Geschichte nicht vergessen ist und auch nicht die einzige an der High School war.

Netflix zeigt vor der ersten neuen Folge einen Clip, in dem die Darsteller vor dem Serienstoff – sexuelle Übergriffe, Drogenmissbrauch und Selbstmord – warnen. „Wenn ihr selbst mit diesen Themen zu kämpfen habt, ist die Serie vielleicht nicht die richtige für euch oder ihr solltet sie mit einem vertrauten Erwachsenen schauen.“ Auf der Webseite 13reasonswhy.info haben die Macher einen Gesprächsleitfaden und Kontaktadressen veröffentlicht. Weitere Angebote sollen nach dem Starttermin am Freitag ergänzt werden.


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