Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Film und TV

Maria Callas: Die letzte Primadonna assoluta

Tom Volf schält aus Archivschätzen ein berührendes Porträt über Maria Callas.

© ilmladen/Fonds de Dotation MariaDie große Kunst der Selbstinszenierung: Maria Callas überließ in der Oper und im Leben nichts dem Zufall.Foto: Filmladen/Fonds de Dotation Maria Callas



Innsbruck – Nach häufigen Skandalen mit abgesagten oder gar während der Vorstellung abgebrochenen Opernabenden wollte auch Rudolf Bing, der Direktor der New Yorker Metropolitan Opera, 1958 nicht mehr mit Maria Callas arbeiten und kündigte den Vertrag der Primadonna assoluta. Sieben Jahre später war der Opernkrieg beendet, die Callas kehrte als Tosca an die Met zurück. Nun war die Opernwelt in den Fünfzigern eher ein hermetisch abgeschiedener Zirkel mit Dresscode und eigenen Regeln.

Gegen das Klischee schneidet Tom Volf in seinem Dokumentarfilm „Maria by Callas“ Bilder von Obdachlosen, die auf den Gehsteigen vor dem Opernhaus schlafen. Als sich die Kamera nähert, sind statt der üblichen Kartons und Zeitungen nur Pelzmäntel zu sehen, um sich vor der Kälte zu schützen. Es sind Fans, die seit zwei Tagen auf eine Restkarte zu „Tosca“ hoffen und letztlich enttäuscht werden: „Sold out“ steht an der Kasse.

Als Fan nähert sich auch der Fotograf Tom Volf der 1977 im Alter von 53 Jahren verstorbenen Diva. Nur aus Archivmaterial hat er ein berührendes Filmporträt montiert, in dem Maria Callas als Interpretin ihres Lebens auftritt. Sie darf ihre Biografie mit Belcanto-Arien erzählen.

Die ständig von einer Pressemeute verfolgte Diva wusste allerdings die Macht der Bilder auch für ihre Zwecke zu nutzen. Während sie sich in einem Rolls-Royce in die Oper fahren ließ, stieg sie aus einem Fiat 500, als die Trennung von ihrem Ehemann und Manager vor Gericht verhandelt wurde. Dazu singt die Callas als Carmen „Die Liebe ist ein wilder Vogel, den niemand zu zähmen vermag“, denn Aristoteles Onassis erwartet die Geliebte bereits auf seiner Yacht.

Trotz des bisweilen subtilen Humors sieht „Maria by Callas“ wie eine zufällige Reise durch das Labyrinth der Youtube-Kanäle aus. Die chronologischen Leerstellen füllt im französischen Original Fanny Ardant (in der deutschen Fassung Eva Mattes) mit emotionalen Zitaten aus Callas-Briefen an eine Freundin. (p. a.)




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