Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Kino

“Robin Hood“: Mit Pfeil und Bogen gegen die Bonzen

Ein zeitgeistig aufgehübschter „Robin Hood“ nimmt einmal mehr von den Reichen, um die Armen zu beschenken.

Ein britischer Bogenschütze in der Straßenschlacht: „Robin Hood“ mit Taron Egerton in der Titelrolle orientiert sich optisch an der News-Ästhetik der Gegenwart.

© StudiocanalEin britischer Bogenschütze in der Straßenschlacht: „Robin Hood“ mit Taron Egerton in der Titelrolle orientiert sich optisch an der News-Ästhetik der Gegenwart.



Innsbruck – Auch Großbritannien hat dieser Tage noch Helden zu bieten. „Robin Hood“ ist einer davon. Nun kommt eine US-Neuinterpretation des klassisch-klassenkämpferischen Stoffs ins Kino. Interessant daran ist vor allem die Neuentdeckung einer altbekannten Figur. Die Drehbuchautoren Ben Chandler und David James Kelly legen ihren Robin Hood als naiven jungen Mann an, für den der Kampf um Gerechtigkeit vor allem ein cooles Abenteuer ist. Lord Robin of Loxley zieht zunächst bereitwillig als Kreuzritter gegen die Ungläubigen in den Kampf. Am Beginn des Films steht eine seltsam moderne Szene in einer belagerten Stadt im Heiligen Land. Der Krieg des Papstes erinnert nicht von ungefähr an die Straßenschlachten von Fallujah: Bomben fallen vom Himmel, britische Elite-Soldaten kämpfen sich verlustreich mit Pfeil und Bogen durch nach vorne. Neben der ruppig-martialischen News-Ästhetik orientiert sich der Auftakt von „Robin Hood“ vornehmlich an Computerspielen wie „Call of Duty“.

Inhaltlich entwickelt Robin Hood aber durchaus eine Distanz zur „falschen“ Gewalt, wenn er die Exekution eines arabischen Gefangenen verhindern will. Dessen Vater schwört Rache an den Kriegstreibern, schmuggelt sich im Schiff nach England und trainiert den jungen Heißsporn Robin in Kampfkunst. Jamie Foxx als Yahya „Little John“ gibt dieser Rolle Gewicht. Die Idee dieser Hintergrundgeschichte funktioniert und ist nicht nur der notwendigen Diversität in der Filmindustrie geschuldet.

Ihm gegenüber bringt der 29-jährige Brite Taron Egerton neben seinem feschen Aussehen auch viel Energie mit. Zuletzt spielte er „Eddie the Eagle“ im gleichnamigen Film und einen Agenten im Agenten-Spektakel „Kingsman“. Die Figur der Lady Marian (Eve Hewson) hingegen ist leider etwas hilflos als revolutionäre Sprecherin der Unterprivilegierten modernisiert worden.

Die Richtung dieser zweiten großen Robin-Hood-Verfilmung des 21. Jahrhunderts – 2010 versuchten sich Ridley Scott und Russell Crowe einigermaßen erfolglos am Thema – ist klar: Effektvolle Action soll im Kampf gegen die korrupten Eliten helfen. Der Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) ist stereotyp sadistisch. Im Verbund mit dem fetten Kardinal interessieren ihn nur Macht und Geld. Simple Versatzstücke des Protest-Zeitalters werden ins englische Mittelalter projiziert, etwa wenn die Entrechteten überall in der Stadt Kapuzen des maskierten Helden aufhängen. Der antikapitalistische Kampf für Gerechtigkeit als Kern der Robin-Hood-Geschichte gerät hier zur oberflächlichen Triebfeder der Handlung, vollgepackt mit bombastischer Action, kompetent in Szene gesetzt und inszeniert von TV-Profi Otto Bathurst („Peaky Blinders“).

An den amerikanischen Kinokassen ereilte den so selbstlos seinen Bogen spannenden Dieb Robin Hood das Schicksal seines britischen Kollegen „King Arthur“, der im Vorjahr bitter abstürzte. Mit Männern in Strumpfhosen lässt sich dieser Tage kaum Beute machen. (maw)




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