Letztes Update am So, 20.01.2019 07:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Reinhard Nowak: „Humor braucht ein gewisses Maß an Narrenfreiheit“

Reinhard Nowak ist schusslig, griesgrämig und stur – nur in seinen Rollen, versteht sich. Beim TT-Interview gab sich der Kabarettist eher nachdenklich.

In Serien wie „CopStories“ im Wiener Viertel Ottakring sorgt Nowak für Trubel.

© ORFIn Serien wie „CopStories“ im Wiener Viertel Ottakring sorgt Nowak für Trubel.



Herr Nowak, ein Wunder, dass Sie heute Schauspieler sind. Schließlich war es anfangs Ihr Berufswunsch, Bankräuber zu werden ...

Reinhard Nowak: (lacht) Ja genau! Damals war ich acht Jahre alt, als in der Zeitung stand, dass ein Bankräuber an viel Geld gekommen ist. Also habe ich meinen Freunden in der Volksschule erzählt, dass ich später Bankräuber werden will.

Was sagte die Lehrerin dazu?

Nowak: Die fand das gar nicht lustig. Sie war ein Typ von der alten Schule, der zwei Jahre davor wohl noch das Rohrstaberl verwendet hat. Ich war ein 64er-Jahrgang. Die Lehrerin hat mir prompt eine Vorladung aufgebrummt, die Betragensnote drei, und sie hat meiner Mama gesagt, dass ich zu verhaltensauffällig für das Gymnasium sei. Meine Mutter war damals leider obrigkeitshörig. Würde man mir so was heute über mein Kind sagen, ich würde darum kämpfen, dass es aufs Gymnasium kommt! Bei näherer Betrachtung war nämlich klar, dass ich Klassenkasperl war, um Defizite zu kompensieren. Ich war der Kleinste in der Klasse und Brillenträger.

Reinhard Nowak ist ein Tausendsassa.
Reinhard Nowak ist ein Tausendsassa.
- ORF, Leo Bauer

Später war es Ihr Plan, Kameramann zu werden. Wie kam es zu der heutigen Karriere?

Nowak: Ich habe mich immer schon für Fotografie interessiert. Aber die Aufnahmeformalitäten an der Filmakademie waren so umfangreich – das habe ich mir nicht zugetraut. Man hätte schon davor Filme drehen und die einreichen müssen. Außerdem wurden nur zehn von 300 Bewerbern genommen. Stattdessen habe ich das Vorlesungsverzeichnis der Uni Wien durchstöbert und mich für Theaterwissenschaften entschieden. Was ich mehr schlecht als recht studiert habe, weil ich nach fünf Jahren HTL keine großen Lernambitionen mehr hatte. Durch Zufall wurde ich Komparse im Theater an der Josefstadt und fand Interesse daran.

Hat es Ihnen beruflich geholfen, dass der heutige Kabarettist Roland Düringer mit Ihnen in der Maturaklasse war?

Nowak: Nein. Wir sind zusammen aufgetreten und wurden dann beide durch die Serie „Kaisermühlen Blues“ bekannt.

Mit den „Kranken Schwestern“ erlebt er einen weihnachtlich flotten „4er“.
Mit den „Kranken Schwestern“ erlebt er einen weihnachtlich flotten „4er“.
- ORF

Düringer hat inzwischen eine politische Karriere angestrebt. Wäre das auch eine Optio­n für Sie?

Nowak: Das traue ich mir nicht zu. Und wenn, dann hätte ich ein konkretes Programm, das konkrete Fragen beantwortet – wie etwa die Entwicklung der Mietpreise. Abgesehen davon finde ich, dass Kabarett auf leichte Weise unterhalten sollte. Da passt Politik nicht hin. Roland Düringer wollte einfach sein Publikum ändern – weg von den Auto-Motor-Fans.

Ist das Publikum heute sensibler, was Humor angeht?

Nowak: Ich finde es nicht negativ, wenn man mehr aufpasst, dass man weder Frauenfeindliches noch Rassistisches sagt. Humor braucht allerdings auch ein gewisses Maß an Narrenfreiheit. Man muss sich über Schlimmes lustig machen dürfen, um ihm den Schrecken zu nehmen. Man darf nicht die „Gosch’n“ halten und alles stillschweigend hinnehmen. Ich finde es furchtbar, wenn etwa Rainhard Fendrich Morddrohungen bekommt, weil er seine private Meinun­g kundtut.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Tochter in Ihre beruflichen Fußstapfen treten wollte?

Nowak: Ich würde ihr abraten, sie zur Vorsicht mahnen. Es ist sehr schwer, davon zu leben. Ich sehe das bei mir. Ich bin relativ bekannt und muss doch immer wieder um Rollen kämpfen. Es gibt nicht wirklich viele, die gut davon leben können. Mir macht der Beruf aber Spaß, darum würde ich meine Tochter auch nicht abhalten, sollte sie sich dafür entscheiden.

Merken Sie, dass bei TV-Produktionen gespart wird?

Nowak: Schon. Die Gagen bleiben seit Jahren gleich und es werden weniger angeboten. Dazu kommt, dass junge Leute heute nicht mehr fernsehen – sie schauen YouTube. Das ist auch Inhalt von meinem neuen Programm, das im Februar in Wien Premiere hat.

Wie wirkt sich diese finanzielle Entwicklung auf Sie aus?

Nowak: Es ist sehr anstrengend. Da hat man ein, zwei erfolgreiche Jahre, dann kommt ein finanzieller Einbruch und mit ihm die Steuer- und Sozialversicherungsnachzahlung. Man ist ständig abhängig davon, gefragt zu sein und engagiert zu werden.

Was macht Ihnen mehr Spaß – Auftritte auf der Bühne oder im TV?

Nowak: Mir macht der Job generell Spaß, das Spielen anderer Figuren. Bei der Serie „Die Lottosieger“ musste ich überlegen, wie man sich verhält, wenn man über Nacht 13 Millionen Euro gewinnt. Auf der Bühne reizt mich das unmittelbare Erlebnis mit dem Publikum. Die Energie, die man abliefert, bekommt man in Form von Applaus und Lachen unmittelbar zurück.

Inwiefern können Sie Ihre Rollen bei Serien mitentwickeln?

Nowak: Ich bin jemand, der sich sowieso nicht exak­t an Drehbücher hält. Es gibt Leseproben vor dem Dreh, da sage ich, dass ich dies und das ein wenig anders betonen oder aussprechen würde. Bisher hatte ich nie einen Regisseur, der Einwände hat. Wobei es die sicher gibt. Beim „Kaisermühlen Blues“ hatte ich anfangs eine winzige Rolle als Polizist und wurde später Privatdetektiv. Ich hatte Glück. Hoffentlich bleibt das weiterhin so.

Das Interview führte Judith Sam

Zur Person

Reinhard Nowak wurde 1964 in München geboren. Seine beruflichen Anfänge machte er mit den Kabarettisten Alfred Dorfer, Roland Düringer und Andrea Händler im „Schlabarett“. Sein neues Programm „Voll am Start“ feiert im Februar Premiere in Wien. Infos: www.reinhardnowak.at.>