Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.02.2019


Berlinale

69. Filmfestspiele von Berlin eröffnet: Die Rettung ist weiblich

Die 69. Internationalen Filmfestspiele von Berlin suchen seit gestern Abend nach dem Politischen im Privaten.

Gut gemeint: Lone Scherfigs „The Kindness of Strangers“ eröffnete gestern Abend die Berlinale.

© BerlinaleGut gemeint: Lone Scherfigs „The Kindness of Strangers“ eröffnete gestern Abend die Berlinale.



Berlin – Die Berlinale rückt die Frauen in den Fokus. Zumindest auf einem T-Shirt. Zum Beginn des traditionsreichen Filmfestivals trug Jurymitglied Rajendra Roy einen Spruch auf seinem Oberteil: „The Future of Film is Female.“

Tatsächlich sind heuer – die TT berichtete – 7 von 17 Wettbewerbsfilmen Werke von Regisseurinnen. Das ist noch immer nicht die Hälfte, aber mehr als zuletzt in Cannes oder Venedig. Für die diesjährige Jurypräsidentin Juliette Binoche ist es „ein gutes Zeichen, ein Schritt nach vorn“.

Die Berliner Filmfestspiele Berlin gehören zu den wichtigsten Festivals der Welt. Selbsterklärtes Markenzeichen: politisches Engagement. Diesmal sucht die Berlinale das Politische im Privaten. Binoche findet das konsequent. Alles, was sich menschlich anfühle, sei auch politisch, sagte die 54-Jährige gestern, bevor die Film- schau offiziell eröffnet wurde.

Dazu passt der Eröffnungsfilm: „The Kindness of Strangers“ von der dänischen Regisseurin Lone Scherfig spielt im Winter in New York – und erzählt eine private Geschichte: Eine Mutter flüchtet mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt. Immer wieder trifft sie auf hilfreiche Fremde. Die ersten Reaktionen auf „The Kindness of Strangers“ sind durchwachsen: eher gut gemeint, als gut gemacht. Ob das für einen Preis reicht, entscheidet am 17. Februar die Jury. Zum Festivalstart ließen sich neben den sechs Preisrichterinnen und Preisrichtern vornehmlich deutsche Filmgranden auf dem roten Teppich blicken, der am Abend vor dem Berlinale-Palast am Potsdamerplatz ausgerollt wurde. Die großen Namen – Catherine Deneuve zum Beispiel – haben sich für die nächsten Tage angekündigt: Rund 400 Filme sind bei der heurigen Berlinale zu sehen.

Die Profis überstehen den Filmmarathon mit Kaffee und heimlichen Nickerchen. Amateure, also Liebhaber, hingegen stellen sich schon im Morgengrauen in der Kälte an Absperrungen. Die Hoffnung einen Star zu erhaschen haben sie nicht aufgegeben. Das spricht gegen das vielbeschworene – und von jüngsten Besucher-Rückgängen nahegelegte – Ende des Kinos. Auch Jurymitglied Sebastián Lelio glaubt fest an ein Überleben der Kinos: Der Tod des Kinos sei schon oft erklärt worden. Aber alle wissen: Bisher hat es überlebt. Auch der Spruch würde sich für ein T-Shirt anbieten. (TT, dpa)




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