Letztes Update am Sa, 09.03.2019 14:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1942 — 2019

ORF-Legende Elizabeth T. Spira im Alter von 76 Jahren verstorben

Sie hat den Fernsehalltag in Österreich mit den „Alltagsgeschichten“ und „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ geprägt. Jetzt verstarb die ORF-Journalistin und Filmemacherin Elizabeth T. Spira im Alter von 76 Jahren. Kollegen, Wegbegleiter und Politiker sind bestürzt.

Elisabeth T. Spira im Rahmen eines Interviews.

© APAElisabeth T. Spira im Rahmen eines Interviews.



Wien – Die TV-Journalistin Elizabeth T. Spira ist in der Nacht auf Samstag in Wien mit 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Die Filmemacherin und ORF-Journalistin hatte mit ihrer markanten Stimme TV-Produktionen wie die „Alltagsgeschichten“ aber vor allem „Liebesg‘schichten und Heiratssachen“ geprägt.

Trauer bei Kollegen und Vorgesetzten im ORF

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich bestürzt vom Tod seiner langjährigen Mitarbeiterin: „Mit Elizabeth T. Spira verlieren wir eine der renommiertesten ORF-Journalistinnen des Landes. Mit ihren einzigartigen ‚Liebesg’schichten und Heiratssachen‘ ist es ihr gelungen, ein Stück österreichische Alltagskultur zu schaffen, das seit mehr als 20 Jahren ein Fixpunkt im ORF-Programm ist. Besonders ausgezeichnet hat sich Elizabeth T. Spira immer mit ihrem ganz speziellen journalistischen Zugang, der den Österreicherinnen und Österreichern oft einen Spiegel vorgehalten hat. Bis zuletzt war sie unterwegs, um neue Geschichten erzählen zu können. Unser tiefes Mitgefühl gilt nun ihrer Familie und ihren Angehörigen.“

Programmdirektorin Kathrin Zechner lobte T. Spira als „große Persönlichkeit – eine unbeirrbare Frau, die viele Menschen berührt hat – mit großem Herz, scharfem Blick und wachem Verstand.“ Sie sei ein hochpolitischer Mensch gewesen, der trotz Gegenwindes ihren Weg des Journalismus und der Aufklärung gegangen sei „und immer den Schalk in den Augen“ hatte.

Bis zuletzt hätte Elizabeth T. Spira an neuen Folgen ihrer Partnervermittlungs-Sendung gearbeitet, verriet Channelmanager Alexander Hofer: „Ich bin fassungslos und tief betroffen. Toni Spira stand mitten in den Vorbereitungen für eine neue Staffel ihrer ‚Liebesg‘schichten und Heiratssachen‘, deren Vollendung ihr nun nicht mehr vergönnt war.“

Persönlich betroffen gab sich auch Kulturchef Martin Traxl: „Wir verlieren mit ihr ein journalistisches Vorbild und eine langjährige und großartige Kollegin, die wie keine andere die österreichische Seele durchleuchtet hat und deren genauem Blick nichts entgangen ist. Sie war eine Kämpferin, die bis zuletzt unserem Programm verpflichtet war.“

VdB: „Große Chronistin der Gesellschaft“

Bundespräsident Alexander van der Bellen hat die Dokumentarfilmerin als „große Chronistin der heimischen Gesellschaft und der einzelnen Menschen“ gewürdigt. Spira hatte „einen schonungslosen Blick auf die österreichische Wirklichkeit, der immer von Respekt geprägt war“, so das Staatsoberhaupt via Twitter.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meldete sich über den Kurznachrichtendienst. „Das Lebenswerk der österreichischen Journalistin Elizabeth T. Spira ist beeindruckend und beschreibt Österreichs Gesellschaft auf eine ganz besondere Art und Weise“, so Kurz. „Ihr Ableben ist ein großer Verlust – mein Beileid gilt vor allem auch ihrer Familie & ihren Freunden.“

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sowie Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda zeigten sich via Aussendung „tief betroffen“ vom Tod Elizabeth T. Spiras. Man verliere „eine begnadete Alltagschronistin“, die „Fernsehgeschichte geschrieben hat“, so Rendi-Wagner. Ihre „filmischen Dokumente der österreichischen Seele waren stets von der Nähe zu den Menschen und dem Respekt vor ihrem Gegenüber geprägt“.

Spira habe die „einmalige Gabe“ besessen, „Menschen zum Sprechen anzuregen, ohne sie vorzuführen“, so Drozda. Dadurch sei es ihr gelungen, „ebenso sensible wie genaue Bestandsaufnahmen der österreichischen Gesellschaft zu zeichnen“.

ORF ändert Programm und sendet „Alltagsgeschichten“

In memoriam Elizabeth T. Spira ändert der ORF sein Programm. Am heutigen Samstagabend werden um 22.55 Uhr sowie 23.40 Uhr zwei Filme aus ihrer Dokumentationsreihe „Alltagsgeschichte“ gezeigt: „Das kleine Glück im Schrebergarten“ sowie „Würstelstand“.

„Thema“ wird sich der in der Nacht auf Samstag verstorbenen TV-Journalistin in der Sendung am 22. März mit einem Porträt widmen. Im kommenden „kulturMontag“ (11. März) wird ein Nachruf sowie das Porträt „Elizabeth Toni Spira - Ich bin nicht wichtig“ gezeigt.

Spira schuf eine Fernseh-Institution

Spira hatte am 24. Dezember 1942 in Glasgow das Licht der Welt erblickt. Ihr Vater Leopold war zuvor mit seiner Familie vor den Nazis geflohen. Ihren Name verdankte die spätere Journalistin der englischen Königin Queen Elizabeth. 1946 kehrte die Familie nach Österreich zurück.

In Wien studierte Spira später Publizistik und arbeitete dann beim Nachrichtenmagazin profil. Später wechselte sie zum Format „teleobjektiv“ beim ORF, obwohl sie eigentlich gar nicht Filme machen wollte, wie sie einmal in einem Interview erzählte. 1985 starteten die „Alltagsgeschichten“, die Spira mit dem Historiker Michael Mitterauer entwickelt hatte. 1997 folgte schließlich das Format „Liebesg‘schichten und Heiratssachen“. Mit ihrer Partnervermittlungssendung, die im ORF über 22 Staffeln lief, schuf Spira eine Fernseh-Institution, für die sie unermüdlich die Wohnzimmer einsamer Menschen besuchte. Mehr als 1000 Menschen ließen sich porträtieren. Viele davon fanden das Liebesglück, einige Paare gaben einander sogar das Ja-Wort, darunter auch gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Partnerschaft offiziell eintragen ließen. Auch eine Reihe von „Liebesg‘schichten und Heiratssachen“-Babys erblickte das Licht der Welt.

(TT.com)


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