Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.05.2019


Film und TV

Namhafte Untote an der Côte d’Azur

Zugeständnisse, Friedensangebote und Bekenntnisse: Die Filmfestspiele von Cannes zelebrieren ihre Eröffnung heute Abend als nationales Event.

Jim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“ mit Tilda Swinton eröffnet heute Abend die 72. Filmfestspiele von Cannes.

© Frederick Elmes / Focus FeaturesJim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“ mit Tilda Swinton eröffnet heute Abend die 72. Filmfestspiele von Cannes.



Cannes, Innsbruck – Die Internationalen Filmfestspiele von Cannes werden heute Abend nicht nur an der Croisette eröffnet, sondern in ganz Frankreich. In mehr als 500 Kinosälen im ganzen Land wird die Eröffnungszeremonie live übertragen. Und der Eröffnungsfilm – Jim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“ – gleich dazu. Zwei Tage vor dem offiziellen Kinostart in Frankreich. Für einen Abend also liegt Cannes auch an der Seine, an der Loire und an der Rhône: Égalité für die Kinogänger der Grande Nation. Keine Frage: Die Aktion ist ein Zugeständnis des ruhmreichen Festivals an die dieser Tage gängige Eventkultur. Und ein endgültiges Friedensangebot an Frankreichs Kinobetreiber, die dem Festival noch immer nachtragen, dass man Streamingdienst und vermeintlichen „Kinokiller“ Netflix einige Jahre lang auch an der Côte d’Azur hofierte. Seit dem Vorjahr sind Netflix-Produktionen vom Festival ausgeschlossen. Und Festivaldirektor Thierry Frémaux verpasst keine Gelegenheit für ein vollmundiges Bekenntnis zum Kino.

Man ist geneigt, auch die Wahl des Eröffnungsfilms programmatisch zu verstehen: Jim Jarmusch steht für die Integrität des Autorenfilms – und bringt trotzdem gleich mehrere Generationen Stars für den roten Teppich: Bill Murray, Adam Driver, Tilda Swinton, Selena Gomez und Tom Waits spielen tragende Rollen in der Horror-Komödie, deren Titel manch geschundene Cineasten-Seele streichelt: Manche Tote sterben nicht.

Unsterblich, das steht ebenso außer Zweifel, ist auch Frankreichs große Kinogrenzgängerin Agnes Varda. Im März dieses Jahres starb sie trotzdem. Das Festival widmete Varda sein heuriges Plakat. Es zeigt die kleine Grande Dame bei den Dreharbeiten ihres Debütfilms „LA Pointe Courte“ (1955). Noch im Vorjahr stand Varda inmitten jüngerer Filmemacherinnen auf der Treppe des Kino-Palais in Cannes, um das Fehlen weiblichen Filmschaffens im Festivalprogramm anzuprangern. Frémaux unterzeichnete wenig später eine Selbstverpflichtung zur numerischen Gleichstellung. Und eine Ahnung von Angleichung gibt es heuer tatsächlich zu vermelden: Vier von 21 Filmen im Rennen um die Goldene Palme wurden von Regisseurinnen gedreht, darunter die neuen Filme der Senegalesin Mati Diop („Atlantics“) und der Österreicherin Jessica Hausner („Little Joe“). Im Wettbewerb, dem nach wie vor bedeutendsten in der Welt des Kinos, treffen sie unter anderem auf die neuen Filme von Quentin Tarantino („Once Upon A Time in Hollywood“), Pedro Almodovar („Dolor y Gloria“), Ken Loach („Sorry we missed you“) und den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne („Le jeune Ahmed“). Vergeben wird die Goldene Palme am 25. Mai.

Eines freilich steht schon jetzt fest: Auch der Gewinner kommt danach ins Kino. (maw, jole)

Die 72. Internationalen Filmfestspiele von Cannes

Heimisches Kino. Österreich ist heuer in Cannes stark vertreten. Jessica Hausners „Little Joe“ läuft im Wettbewerb, Andreas Horvaths „Lilian“ in der Quinzaine des Réalisateurs und Martin Monks „Favoriten“ in der Reihe Cinefondation.

Lang erwartet. Bereits 2016 hat Terrence Malick den Franz-Jägerstätter-Film „Ein verborgenes Leben“ u. a. in Südtirol gedreht. In Cannes läuft das Drama im Wettbewerb. Valerie Pacher, Karl Markovics und Tobias Moretti spielen mit.

Rückkehr. 1994 gewann Quentin Tarantino für „Pulp Fiction“ die Goldene Palme. Mit „Once Upon A Time in Hollywood“ kehrt er nun zurück. Der Film mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Margot Robbie spielt zur Zeit der Manson-Morde.

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