Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Kino

Monotonie in der Fischkonservenfabrik: „Rebellinnen - Leg‘ dich nicht mit ihnen an!“

Allan Mauduit schlachtet in „Rebellinnen – Leg’ dich nicht mit ihnen an!“ den Tarantino-Stil.

Gefährliches Geld: Cécile de France, Audrey Lamy und Yolande Moreau als „Rebellinnen“.

© FilmladenGefährliches Geld: Cécile de France, Audrey Lamy und Yolande Moreau als „Rebellinnen“.



Innsbruck – Als Quentin Tarantino 1994 für „Pulp Fiction“ in Cannes mit der Goldenen Palme belohnt wurde, mokierten sich Kinopuristen über geistigen Diebstahl in der schrillen Gangsterkomödie. Seither ernährt Tarantino seinerseits als gewiefter Kenner der Filmgeschichte ein weltweites Heer aus Imitatoren und Resteverwertern. Da kann es kein ökonomischer Schaden sein, einem Debütregisseur das Tarantino-Etikett umzuhängen, denn laut Verleih ist Allan Mauduits „Rebellinnen“ ein „provokanter Thriller à la Tarantino“.

Unter einer Western-Melodie von Ennio Morricone stöckelt Sandra (Cécile de France) durch das verschlafene Provinznest Boulogne-sur-Mer, das sie vor zehn Jahren als Schönheitskönigin verlassen hat. Ihre Träume sind geplatzt wie das Hämatom unter ihrem rechten Auge. Der Referentin im Arbeitsamt erzählt sie von ihrer Karriere als Tänzerin – umsonst, denn es gibt nur eine Stelle als Fließbandarbeiterin in der Fischkonservenfabrik.

Zwischen Nadine (Yolande Moreau) und Marilyn (Audrey Lamy) eingezwängt, muss Sandra tagein, tagaus Makrelen in vorbeifließende Dosen klatschen. Um der Monotonie zu entfliehen, malt sie die glamourösen Momente ihrer Biografie aus, um, ernüchtert von der kalten, nach Fisch stinkenden Wirklichkeit, vor sich und den anderen zugeben zu müssen: „Ich habe meinen Arsch an einer Stange gerieben.“ Ohne Scham ist die Pole-Tänzerin endlich zu Hause angekommen.

Da könnte aus „Rebellinnen“ noch immer was werden. Jean-Mi (Patrick Ridremont), der Fabrikseigentümer, bezahlt einen Vergewaltigungsversuch an Sandra mit dem Verlust seines Penis, der in der Folge als Running Cock durch den halben Film hüpft.

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Eine Tasche voller Geldscheine nehmen die Arbeiterinnen als Entschädigung für die nächtliche Sonderschicht, in der sie den Vergewaltiger schlachten und in dosengerechte Teile zerlegen. Allerdings gehört das Geld einer belgischen Drogenbande, womit sich auch schon ein augenzwinkerndes Massaker ankündigt.

Allan Mauduit lässt erkennen, dass er Tarantinos Grindhouse-Rachefilm „Death Proof“ (2007) nach­eifert. Leider begnügt er sich mit den schmuddeligen Effekten einer Klamotte. (p. a.)