Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


Neuauflage

Nahe am Orginal: Löwenkönig und Majestätsbeleidigung

Der Disney-Konzern bleibt mit seiner Neuauflage von „König der Löwen“ eng am Zeichentrick-Original.

Königssohn (im Original gesprochen von Donald Glover alias „Childish Gambino“) trifft im Exil auf neue Freunde. Timon (Billy Eichner) und Pumbaa (Seth Rogen) zelebrieren ihren Hakuna-Matata-Lebensstil.

© Königssohn (im Original gesprochen von Donald Glover alias „Childish Gambino“) trifft im Exil auf neue Freunde. Timon (Billy Eichner) und Pumbaa (Seth Rogen) zelebrieren ihren Hakuna-Matata-Lebensstil.



Wien – Nostalgie ist mitunter ein lukratives Geschäft. Wenn diese Woche mit „Der König der Löwen“ der neueste Streich des Disney-Großkonzerns in die Kinos kommt, wird sich so mancher Zuschauer 25 Jahre zurückversetzt fühlen. 1994 begeisterte Simbas Geschichte samt Songs von Elton John nicht nur Kinder. Mit knapp einer Milliarde Dollar zur damaligen Zeit war „Lion King“ der bis dahin erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten.

Kein Wunder also, dass sich nun viele Augen von Fans und Disney-Aktienbesitzern auf die „Real“-Film-Adaption des tierischen Dramas richten. Real steht dabei unter Anführungszeichen, denn die sprechenden Löwen und ihre Begleiter kommen klarerweise aus dem Computer. In puncto Realismus wirkt „The Lion King“ hier wie schon die beiden neuen „Dschungelbuch“-Adaptionen makellos echt. Jedes Haar und jede Bewegung könnte von einer Aufnahme aus der Savanne Afrikas stammen. Wenn nicht gerade „Can You Feel The Love Tonight“ die Illusion bricht, erwartet man mitunter die „Universum“-Stimme von Otto Clemens, der das Paarungsverhalten der Löwen und den „Circle of Life“ erklärt. Wo 1994 noch knallbunte Abstraktion in klassischer Zeichentrick-Technik Distanz schuf, bewegt sich nun etwa zu Filmbeginn eine Maus durch die Landschaft, die in Walt Disneys Tierdoku „Die Wüste lebt“ auch nicht echter ist.

„Der König der Löwen“ ist eine von Disneys wenigen nicht-adaptierten Geschichten, auch wenn Moses und Hamlet Pate standen für den Königssohn im Exil, im Kampf mit sich selbst und seinem bösen Onkel Scar. Das Remake von Jon Favreau (stand gerade in „Spider-Man“ vor der Kamera) geht auf Nummer sicher und kopiert alle Szenen, Dialoge und Songs fast 1:1. Die kaum merklichen Änderungen sind vorsichtig zeitgemäße Nuancen in einigen Figuren wie etwa der Hyänen-Anführerin Shenzi oder auch bei den beiden Löwinnen Sarabi und Nala. Mehr getan hat sich da schon beim Casting der Original-Stimmen. Die sind im Jahr 2019 mit prominenten afroamerikanischen Schauspielenden besetzt, allen voran als Simba und Nala die Gesangskünstler Donald Glover alias „Childish Gambino“ und eine gewisse Beyoncé Knowles-Carter. James Earl Jones war bereits 1994 Vater Mufasa, Chiwetel Ejiofor spricht Scar und die Berlinerin Florence Kasumba („Black Panther“) synchronisiert Shenzi gleich doppelt auf Englisch und Deutsch. Daneben dürfen die US-Komödianten Seth Rogan als Wildsau Pumbaa und John Oliver als Vogel Zazu mit Wortwitz glänzen. Unterhaltungsfaktor und dunkle Dramatik funktionieren auch als Realfilm gut. Ein bisschen mehr Fantasie und Mut wäre aber auch beim König der Löwen keine Majestätsbeleidigung gewesen. (maw)

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