Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Kino

„Tel Aviv on Fire“: Gefangen in einem Netz aus Schikanen

Sameh Zoabi sucht in seiner Kinosatire „Tel Aviv on Fire“ einen komischen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern.

Der Palästinenser Salam (Kais Nashif) kann als Autor der Seifenoper „Tel Aviv on Fire“ auf einen israelischen Ghostwriter zählen.

© FilmladenDer Palästinenser Salam (Kais Nashif) kann als Autor der Seifenoper „Tel Aviv on Fire“ auf einen israelischen Ghostwriter zählen.



Innsbruck – Da fünfzig Jahre nach dem Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien am Ausgang der Ereignisse nicht mehr zu rütteln ist, konzen­triert sich die Seifenoper „Tel Aviv on Fire“ auf die Bemühungen einiger Kämpfer, das Desaster für die Palästinenser abzuwenden.

Der PLO-Mann Marwan (Ashraf Farah) schickt mit Manal (Lubna Azabal) seine beste Agentin in die Höhle des Löwen, um dem General Yehuda Edelman (Yousel Sweid) die Angriffspläne der Luftwaffe zu entlocken. Als Rachel eröffnet sie eine Konditorei und erfreut den Soldaten mit Süßigkeiten, der sich dafür mit seichten Komplimenten wie „Sie sehen heute wieder bombig aus!“ revanchiert. Für das Hebräische ist Salam (Kais Nashif) zuständig, doch heikle Dialoge wollen am Originalschauplatz erprobt werden, weshalb der politisch unbedarfte Palästinenser die Dialogzeile bei der Checkpoint-Kontrolle einer Soldatin mit seinem Ausweis überreicht. Die Anzüglichkeit löst einen Terroralarm aus, doch außer dem Drehbuch zur TV-Serie „Tel Aviv on Fire“ findet sich im Auto kein belastendes Material.

Für den Checkpoint-Kommandanten Assi (Yaniv Biton) ist das schlimm genug. Abgesehen von der israelfeindlichen Haltung der Seifenoper ekeln ihn die schlecht geschriebenen Dialoge, außerdem hört er zu Hause während der Ausstrahlung dieses Machwerks auf zu existieren, da seine Familie gebannt den Fortgang des Melodrams verfolgt. Die israelischen Fans erhoffen sich ein romantisches Finale mit Rachel und dem General, während sich palästinensische Zuschauer eine Rückkehr Manals zu Marwan wünschen.

Assi ist ein entfernter Kinoverwandter jenes Gangsters, der in Woody Allens „Bullets Over Broadway“ (1994) nur die Geliebte seines Paten beaufsichtigen soll, um sie vor den Verführungen des Theaterbetriebs zu schützen. Bei den Proben zum grottenschlechten Stück entpuppt sich der Kriminelle als dramatisches Naturtalent, das die Liebe zur Kunst über die Loyalität zur Mafia stellt.

Auch Assis Kommandozelt verwandelt sich bald in eine magische Schreibstube, in der Salam mit offenem Mund nur noch mitschreiben muss und mit lebensnahen Dialogen in das Studio nach Ramallah zurückkehren kann. Manche Wendung ist dem Sarkasmus Woody Allens geschuldet, etwa, wenn der (israelische) General zu sympathisch wirkt: „Wir könnten ihn einige Kinder töten lassen.“

Vielleicht sind es die internationalen Produktionspartner, die den palästinensischen Debütregisseur Sameh Zoabi verführt haben, bei satirischen Seitenhieben einen komischen Ausgleich zu suchen, schließlich gibt es israelische Filme, die einen viel drastischeren Umgang beim schikanösen Grenzverkehr zeigen. (p. a.)