Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.07.2019


Kino

“Edie — Für Träume ist es nie zu spät“: Ein letztes Abenteuer als Highlanderin

Edie (Sheila Hancock), 83 Jahre alt, will auf den schottischen Suilven, 731 Meter hoch.

© FilmladenEdie (Sheila Hancock), 83 Jahre alt, will auf den schottischen Suilven, 731 Meter hoch.



Mit 83 Jahren finden die meisten Abenteuer nur noch im Kopf statt, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo. Doch die Witwe Edie hat erst jetzt Zeit für Abenteuer. Davor pflegte sie ihren Ehemann nach einem Schlaganfall.

Edie packt ihren alten Rucksack und macht sich statt ins Altenheim auf nach Schottland, zum Mount Suilven. Von dort hat sei einst eine Ansichtskarte von ihrem Vater bekommen, ihr strenger Ehemann ließ sie aber nicht gehen. Doch der überdeutliche deutsche Untertitel des Films weiß eines: „Für Träume ist es nie zu spät."

Wer nun die Geschichte einer emotionalen späten Befreiung erwartet, liegt nicht falsch. Die kitschige Musik hält sich hier nicht zurück. Doch vor allem die Hauptfigur Edie selbst konterkariert die sentimentale Note. Halb griesgrämig-verbittert, halb amüsiert-schnippisch lässt sie sich nicht als liebenswürdige, bemitleidenswerte Oma abtun.

So lässt sie sich recht widerwillig helfen, als sie der junge Johnny zuerst am Bahnhof niederrennt, sie zur Wiedergutmachung bei sich unterbringt und ihr dann auch noch als Bergführer bei ihrem letzten Abenteuer zur Seite steht.

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Beide Figuren sind durchaus stimmig, und die Chemie zwischen den beiden Darstellenden funktioniert. Sheila Hancock ist ebenso alt wie ihre Figur Edie und steht seit 1958 in Großbritannien auf der Bühne. Kevin Guthrie (Jahrgang 1988) ergänzt die alte Dame als Johnny gut. Regisseur Simon Hunter ist stolz darauf, dass Hancock die Besteigung des Suilven 2016 ohne Bergsteiger-Double schaffte.

Tatsächlich ist die Kulisse der schottischen Highlands das mächtigste Element im Film. Ohne Überraschungen steuert das Drehbuch von Elizabeth O'Halloran nach Edward Lynden-Bell und Simon Hunter mit einigen kleineren Umwegen und stimmungsvollem Rauf und Runter auf den Gipfelanstieg zu.

Der ikonische Suilven heißt übrigens auf Gälisch Sùilebheinn und ist „nur" 731 Meter hoch. Seit der filmischen Besteigung durch Edie wird von einem regelrechten Besucheransturm berichtet.

„Edie — Für Träume ist es nie zu spät" ist im Innsbrucker Leokino zu sehen. (maw)