Letztes Update am Mo, 05.11.2012 22:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview mit Katharina Straßer

„Prominenz ist nichts, woran man sich festhalten kann“

Die Maja Landauer aus der Krimi-Serie „Schnell ermittelt“ machte Katharina Straßer auch in ihrer Tiroler Heimat zu dem Star, der sie in Wien längst ist.

© thomas boehmSchauspielerin Katharina Straßer, gebürtige Tirolerin, lüftet im TT-Interview ein süßes Liebesgeheimnis.Fotos: Murauer



Am 11. November steigt die 16. TT-Benefizgala zugunsten des Elisabethinums – behinderte Menschen stehen gemeinsam mit Prominenten auf der Bühne. Haben Sie Erfahrungen im Umgang mit behinderten Menschen?

Katharina Straßer: Ich habe zwar wenig Kontakt zu körperlich oder geistig behinderten Menschen, dafür aber umso mehr Erfahrungen mit Menschen, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen. Speziell in meinem Beruf gibt es sehr viele Menschen, die krank sind, Depressionen haben oder alkoholsüchtig sind.

Wie finden Sie Ihren Weg zu den außergewöhnlichen Menschen?

Straßer: Ich bin zum einen sehr neugierig und zum anderen liebe ich Menschen. Je verrückter sie sind, umso interessanter sind sie. Ich mag es, wenn ich mich auf Persönlichkeiten einlassen kann, die nicht der Norm entsprechen. Wäre ich nicht Schauspielerin, könnte ich mir einen Beruf als Ärztin, Psychologin oder Psychiaterin vorstellen. Da kann ich richtig eintauchen in die Andersartigkeit. Berührungsängste kenne ich nicht, vielleicht auch deshalb, weil mir dabei keine Eitelkeit im Weg steht.

Eine uneitle Schauspielerin – das klingt ein wenig kokett. Wie eitel sind Sie denn wirklich?

Straßer: Überhaupt nicht. Wenn ich etwa Galaabende besuchen muss, dann ist das für mich immer mühsam. Ich ärgere mich dann über Kollegen, die die Nase so hoch tragen. Dann weiß ich, dass ich niemals so werden will, und ich kann mich über diese Arroganz richtig amüsieren. Außerdem sind ja meist genügend nette Schauspielkollegen dabei, mit denen ich mich prächtig verstehe, etwa der Gregor Bloéb oder die Kristina Sprenger. Ja, und mit Highheels kann ich sowieso nicht gehen – spätestens nach einer Stunde ziehe ich sie aus und laufe dann barfuß. Und das schöne Kleid hänge ich wieder für längere Zeit in den Kasten.

Gehen Sie mit Kritiken zu Ihren Rollen auch so uneitel um?

Straßer: Wenn man fünf verschiedene Zeitungen liest, meint man, die Kritiker haben fünf verschiedene Aufführungen gesehen. Ich nehme auch die Kritiken nicht so ernst, die mich in den Schauspielhimmel heben. Auch da bleibe ich am Boden. Nehmen wir doch die letzte Premiere vom September, Horváths „Kasimir und Karoline“ in der Josefstadt. Mein Kollege Harald Windisch und ich ernteten überall tolle Kritiken, nur eine Zeitung hat uns verrissen. Was soll man davon halten? Also, wie gesagt, nicht ernst nehmen. Ich liebe diese Rolle und gebe wirklich alles. Vielleicht sogar zu viel.

Könnten Sie dieses Zuviel noch definieren?

Straßer: In dem Stück spiele ich ja den totalen Zusammenbruch, halte den Monolog am Grab, bin traurig, weine, bin am Ende der Vorstellung auch körperlich fertig. Ich mache total auf, bin verletztlich. Dann kommt der Applaus – und dann? Da frage ich mich manchmal, ob mein Körper den Unterschied merkt zwischen echter Verzweiflung und der gespielten. Weiß mein Körper überhaupt, dass ich da in eine Rolle geschlüpft bin? Die Tränen und Auswirkungen der Verzweiflung sind ja echt. Ich hoffe, dass es da nicht irgendwann zu seelischen Vernarbungen kommt.

Wie schütteln Sie dann Ihre gespielte Traurigkeit wieder ab?

Straßer: Ein freier Tag wirkt da schon Wunder. Und beim Essen, etwa bei Grillhendl oder Spinatpalatschinken, vergeht jeder trübe Gedanke. Ich esse sehr, sehr gerne.

Von Ihnen stammt ja auch der Ausspruch vom Fett und der Stelze

Straßer: Ja, auf die Frage, was ich machen würde, wenn ich nur noch 24 Stunden zu leben hätte, war logischerweise Essen meine Antwort, und dass ich nur das Fett einer riesigen Stelze essen würde – das sind halt so Gelüste.

Die meisten Menschen verbinden Sie mit Ihrer Rolle als Maja Landauer in der Krimi-Serie „Schnell ermittelt“. Wie geht’s denn mit Maja weiter?

Straßer: Mit den zwei letzten 90-minütigen Fernsehfilmen ist Schluss mit Maja. Das macht auch gar nichts, denn Maja ist mir langsam auf die Nerven gegangen. Ich war von der ersten Folge an dabei, war 22 Jahre alt, und die Rolle hat wirklich super zu mir gepasst. Die Krimi-Assistentin Maja Landauer war ein lustiger Ausgleich. Aber in den Jahren mit 40 Folgen in vier Staffeln habe ich mich weiterentwickelt, bin eine Frau geworden. Das Träge, Langsame passt so gar nicht mehr zu mir.

Sie stammen aus einer Theater-Familie – haben Sie Ihre Schauspiel-Gene vererbt bekommen?

Straßer: Meine Mutter Franziska Grinzinger ist fest davon überzeugt, dass Talent vererbt werden kann. In unserer Familie ist das ja so, schon die Großeltern Hubert Mann und Lieselotte Schmidt waren Schauspieler. Ich bin mir da allerdings nicht gar so sicher, ich kenne einige gute Kollegen, die keine schauspielenden Eltern haben.

Und Sie wollten immer schon Schauspielerin werden?

Straßer: Ja, natürlich, das Theater war meine einzige Welt. Ich war als Kind bei den Proben dabei und habe meiner Mutter immer ganz andächtig zugeschaut. Ich dachte, dass das bei allen Kindern so ist und merkte erst später, dass Eltern auch andere Berufe haben können. Während der Pubertät hab‘ ich kurz rebelliert – bin aber nach der Matura im Gymnasium Kettenbrücke in Innsbruck nach Salzburg, um Schauspiel zu studieren. Dort wollte man von mir nichts wissen. In Wien absolvierte ich meine Ausbildung, wurde sofort unter anderem an der Josefstadt engagiert. In Wien gibt es die allerbeste Theaterluft.

Sie wurden bereits 2007 mit dem Nestroy-Preis als beste Nachwuchs-Schauspielerin gewürdigt, erhielten schon in jungen Jahren Auszeichnungen. Hagelt es danach viele Angebote?

Straßer: Es gab auch Anfragen für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Aber solche Rollen spare ich mir noch auf – obwohl es Supergeld und sicher tolle Drehtage in schöner Landschaft wären. Aber Pilcher passt noch nicht zu meinem Image. Auch die Buhlschaft in Salzburg müsste ich mir ganz genau überlegen. Denn an dieser Rolle hängen ja unglaublich viele gesellschaftliche Verpflichtungen. Das dürfte anstrengender sein als die Rolle selbst.

Ihr Bekanntheitsgrad würde aber mit dieser Rolle noch gesteigert.

Straßer: Berühmt zu sein, ist für mich allerdings kein Wert. Natürlich hat das Berühmtsein auch Vorteile, aber es kann jederzeit wieder aus sein damit. Prominenz ist ja nichts, woran man sich festhalten kann. Ich bin total bodenständig, bin ganz natürlich aufgewachsen und habe zuhause in Tirol andere Werte vermittelt bekommen.

Wird man Sie irgendwann auf einer Tiroler Bühne sehen ?

Straßer: Ich hoffe und ich wünsche mir das sehnlichst. Den Tiroler Dialekt, ein Stück von Felix Mitterer – und das alles auf einer Tiroler Bühne, entweder am Tiroler Landestheater oder bei den Telfer Volksschauspielen – so sieht mein allergrößter beruflicher Wunsch aus.

Und wie sehen Ihre privaten Wünsche aus?

Straßer: Privat bin ich jetzt überglücklich, es gibt nämlich einen neuen Freund und die verliebteste Kathie Straßer aller Zeiten.

Verraten Sie uns, wer der Glückliche ist?

Straßer: Einmal muss es ja doch heraus – warum also nicht in meiner Heimat Tirol? Auf Anfragen zu meinem Liebesleben habe ich bis jetzt immer geschwiegen. Kabarettist Thomas Stipsits ist der Mann, durch den alles anders ist. Erst jetzt weiß ich, was es bedeutet, richtig verliebt zu sein. Ich verstehe erst jetzt, wovon da die Leute immer gesprochen haben.

War es Liebe auf den ersten Blick?

Straßer: Eher Liebe auf den dritten Blick, würde ich sagen. Wir haben uns bei Dreharbeiten zu einer neuen Sendung von Lukas Resetarits kennen gelernt. Thomas Stipsits hatte ein furchtbares Hemd an, das war so eine Art Hawaii-Hemd. Außerdem fand ich seine Sprache, dieses Burgenländisch-Kroatische, sehr komisch. So sieht Liebe auf den ersten Blick wirklich nicht aus. Und später hat es doch gefunkt, und zwar ganz gewaltig. Der Mann ist einfach eine Wucht. Und auf der Bühne ist er für mich ein Naturereignis.




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