Letztes Update am Di, 15.10.2013 06:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Weekend“

Das Unglück aus mangelnder Zuneigung



Innsbruck – In der griechischen Tragödie mischten sich noch die Götter in Liebesgeschichten ein, die deshalb kein glückliches Ende fanden. Bei der nach dem Verschwinden der Götter erfundenen Romanze bleibt das Finale zumeist offen, da der raue Alltag die Romantik zerstören könnte. In den Liebesgeschichten unter Männern ist an Alltag erst gar nicht zu denken, da sich schon wieder die Götter in der Verkleidung fanatischer Nachbarn in die Dinge des Lebens einmischen.

Russell (Tom Cullen) hat als Bademeister schon einigen Menschen das Leben gerettet und obwohl er im 13. Stock eines Plattenbaus in Nottingham wohnt, fürchtet er sich vor Steinwürfen. Vor dem Haus rufen die Jugendlichen statt eines Grußes nur „Schwuchtel”. Deshalb ist Russell beim Ausleben seiner Sexualität verschämt vorsichtig. In einer Schwulenbar trifft er Glen (Chris New), der den gesellschaftlichen Verhältnissen mit Zynismus begegnet. Es geht nur um einen One-Night-Stand, für den Russell die zweite Wahl ist. Mit dieser Kränkung kann Russell leben, da er auch sonst nicht mit Zuneigung verwöhnt wird. Der Kunststudent zerschmettert am Morgen bei einer Tasse Löskaffee jede romantische Hoffnung, denn Glen hasst nicht nur Beziehungen, in zwei Tagen wird er nach Portland in Oregon übersiedeln.

In Portland lebt Gus Van Sant und die Erwähnung in Andrew Haighs „Weekend“ ist natürlich ein Gruß an den US-Regisseur, dessen Film „Milk” über den Schwulenaktivisten Harvey Milk mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde. Andrew Haighs trauriger Debütfilm liegt jedoch näher an Van Sants sprödem Erstling „Mala Noche” (1985) über das schmerzhafte Scheitern der Liebe. (p. a.)

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